Die kleinen 12 aus 2020
1. Januar 2021

Was für ein merkwür­diges Reise­jahr das war. Alle, wirklich alle Pläne haben wir wegen der Pandemie über den Haufen geschmissen – wie wahrschein­lich 99,9 % aller Reisenden. Kein Schott­land, kein Slowe­nien, kein Lappland im Herbst, keine Winter­reise auf die iberi­sche Halbinsel.

Nach dem Lockdown-Schock im Frühjahr waren wir dann im Mai schon froh, dass Reisen in diesem Jahr dann doch möglich sein sollte, wenn auch unter Coronabe­din­gungen. Dass es dann doch eine 4‑wöchige Reise in unser geliebtes Nordland wurde und wir einen schönen Spätsommer in Branden­burg erleben durften, war ein großes Glück für uns. 

Und trotzdem bleibt beim Rückblick auf dieses Jahr ein komisches Gefühl zurück. Denn Corona überschat­tete so ziemlich alles. Es war kein unbeschwertes Reisen wie in den vergan­genen Jahren. Eine Überschrift wie „Die großen 12“ kommt uns daher irgendwie falsch vor. Annette hat daher den rettenden Einfall: „Dann schreib doch einfach Die kleinen 12!“

Und das wird diesem Jahr dann auf eine Weise sehr gerecht. Und eines ist das gleiche wie in allen Vorjahren: Dass es alles natür­lich wieder extrem schöne und lohnens­werte Reise­ziele sind, die ihr in eure Reise­pläne einbauen solltet, wenn ihr in der jewei­ligen Region seid.

12. Bergi­sches Land

Bergisches Land

Wenn man etwas Gutes an der Pandemie finden will, dann sicher­lich, dass wir alle neue Ziele in der näheren Umgebung ausge­kund­schaftet haben. Für uns bedeu­tete das, dass wir uns NRW mal vorge­knöpft haben. Und auf eine Weise fast schon erleich­tert waren, dass es uns im Weser­berg­land und in der Eifel auch gut gefällt. 

Was uns aber wirklich geflasht hat, ist die Erkenntnis, wie schön es bei uns direkt vor der Haustür ist. Das Bergi­sche ist schon eine wirklich schöne Region. Viel Wald, viel Wasser, viele Kurven – es kann einen schlechter treffen, wenn man nur einen einge­schränkten Reise­ra­dius hat! 

11. Ulvedybet

Ulvedybet

Dieses kleine dänische Natur­schutz­ge­biet am nördli­chen Limfjord ist eine von diesen kleinen Überra­schungen am Weges­rand, für die wir unsere Art des Reisens so lieben. Steht in keinem Reise­führer, hatten wir überhaupt nicht auf dem Schirm und waren trotzdem sofort verzaubert. 

Das Gebiet Ulvedybet liegt südlich der A11 zwischen Aabybro und Brovst und man erreicht es am besten von Gjøl oder Hammershøj aus. Ein schmaler Deich trennt hier den Limfjord von einem kleinen, ultraf­la­chem Wasser­ge­biet, in dem man die dort lebenden Island­pferde mit ein bisschen Glück übers Wasser laufen sieht. Magisch! 

Und man könnte auch mit der Vogel­be­ob­ach­tung sicher­lich reich­lich Zeit verbringen, wenn die Zugvögel im Frühjahr und Herbst hier Rast machen. Wir werden gerne wiederkommen!

10. Sternen­park Westhavelland

Sternenpark

Ein absolutes Highlight auf unserer Heimfahrt aus der Ucker­mark: Im Westha­vel­land gibt es so wenig künst­li­ches Licht, dass hier der Sternen­himmel deutlich präch­tiger ausfällt als im großen Rest der Republik. 

Bei einer klaren Wetter­lage ein Pflicht­stop, wenn man auf roman­tisch funkelnde Sterne am nacht­schwarzen Himmel steht. 

9. Our

Our

Auf unserem Kurztrip in die Eifel hat es uns ins luxem­bur­gi­sche Grenz­ge­biet verschlagen. Am Dreilän­dereck Belgien-Deutsch­land-Luxem­burg fließt die Our vorbei. Und die Gegend ist größten­teils urig-verlassen und nur zu Fuß zu erwan­dern, genau wie wir es mögen. 

Mit dem feinen Camping­platz in Tintes­mühle haben wir eine gemüt­liche Basis für die 2 schönen Wande­rungen entlang der Our nördlich und südlich des Platzes gefunden. Genau die richtige Mischung aus Anstren­gung beim Wandern und Entspan­nung am Abend am sanft plätschernden Fluss.

8. Borhaug

Borhaug

Borhaug liegt an der norwe­gi­schen Südküste ein bisschen ab vom Schuss, sodass die große Mehrheit der Womo-Touristen auf der Strecke Mandal-Stavanger einfach daran vorbei­fährt. Und vielleicht sogar völlig zurecht, denn mit den größeren Städten oder der grandiosen Landschaft zwischen Flekkefjord und Egersund kann das verschla­fene Nest überhaupt nicht konkurrieren. 

Wir haben uns dort aber trotzdem sauwohl gefühlt, weil wir den Platz am Ende der Hafen­mole absolut genial fanden. Wo hat man schon mal in alle Himmels­rich­tungen Wasser, wenn man mit dem Womo übernachtet? Und das fotogene Leucht­feuer ist dann das Tüpfel­chen auf dem i. Ein absolutes Stell­platz-Highlight, wenn man gerne frei steht und nicht im Hafen, wo es Strom, Wasch­ma­schine, Trockner(!) und WLAN zum Nulltarif gibt.

7. Tømmer­renna

Tømmerrenna

Sicher­lich der zweit­beste Zufalls­fund nach dem Linde­knuten, den wir dieses Jahr gemacht haben.

Die Tømmer­renna ist eine mittler­weile zur Wander­strecke umfunk­tio­nierte Flößan­lage, in der früher Baumstämme mit Wasser­kraft trans­por­tiert wurden. Und unserer Meinung nach eine absolut unter­schätzte Attraktion! 

Ledig­lich in einem Reise­führer haben wir sie unter „ferner liefen“ wieder­ge­funden, nachdem wir nur angehalten hatten, weil an einem Wasser­fall auffällig viele Autos geparkt waren. Das sah nach einer Sehens­wür­dig­keit aus! Und erst als uns ein deutsches Pärchen erklärt, was es hier zu sehen und erleben gibt (sie hatten es ihrer­seits von einem Norweger empfohlen bekommen), macht es bei uns Klick. Das könnte gut sein!

Und wir werden mit einer wirklich abgefah­renen Wande­rung in den Holzplanken der Tømmer­renna belohnt. Das reißende Wasser befindet sich mal links, mal rechts von uns. Oder auch unter uns, wenn wir über eine leicht schau­kelnde Hänge­brücke müssen. Aufre­gend, aber durch die Planken­wand gleich­zeitig so sicher, dass sich auch viele Familien mit kleinen Kindern hier durch trauen. 

6. Zoute­lande

Zoutelande

Das Jahr hätte eigent­lich für uns nicht besser anfangen können. Die erste Winter­reise mit dem MoMo ist ein voller Erfolg. 

Wir wollen wie auch in den Jahren zuvor wieder nach Holland. Aber in Egmond, unserem bishe­rigen Stamm­quar­tier, gibt es nur komplett überteu­erte Stell­mög­lich­keiten für Wohnmo­bile. Dann eben nicht. 

Und auf unserer Suche nach Alter­na­tiven hat es uns dann nach Zeeland, an den südlichsten Strand der Nieder­lande verschlagen. In Zoute­lande haben wir mit dem Camping­platz Weltev­reden entdeckt und sind begeis­tert. Direkt hinter der Düne, einmal bergauf, einmal bergab und wir sind am Meer mit seinem endlosen Sandstrand. Perfekt!

Und auch sonst fühlen wir uns hier sofort heimisch. Gemüt­liche Strand­pa­vil­lons, die wir pflicht­be­wusst natür­lich alle abklap­pern. Leckere Pommes, frisches Seafood und gute Bierchen – mehr braucht es doch nicht!

Und in der Tat sind wir so verliebt, dass wir im Februar direkt noch einmal für ein paar Tage dorthin fahren. Einfach, weil wir’s können. Zumin­dest in der Vor-Corona-Zeit…

5. Dorge­fossen

Dorgefossen

Wenn die Sira im norwe­gi­schen Sirdal Hochwasser führt, ist das wohl einer der spekta­ku­lärsten Wasser­fälle Norwe­gens. Der Fluss fällt hier unmit­telbar an der Straße steil ins Tal hinunter und es faucht und schäumt und tobt und zischt, dass es nur so eine Pracht ist. Selten haben wir die Macht eines Wasser­falles so unmit­telbar spüren und begreifen können.

Und dass wir auf der Weiter­fahrt dann auf der RV45, dem Sules­kar­vegen, noch mal die volle norwe­gi­sche Grandio­si­täts­d­röh­nung bekamen, hat sicher­lich auch geholfen, einen unver­gess­li­chen Tag in Erinne­rung zu behalten! 

4. Løkken

Løkken

Im Sommer war auf einmal das Reisen ins Ausland wieder möglich. Wir schwankten noch kurz, ob wir den zu diesem Zeitpunkt schon exotisch anmutenden Trip nach Slowe­nien machen sollen oder doch nach Norden fahren sollen. Aber als dann die Nachricht kam, dass Norwegen die Grenzen öffnet, war uns klar, wohin die Reise gehen würde…

Da es zunächst noch die merkwür­dige Einschrän­kung gab, dass man in Dänemark mindes­tens 6 Übernach­tungen auf einem gebuchten Camping­platz vorweisen musste, fügten wir uns gar nicht mal so ungern in unser Schicksal. 6 Tage Camping­platz am Meer in Løkken? Das hatte uns doch zuvor schon in Zoute­lande ganz hervor­ra­gend gefallen!

Und es entpuppt sich als absoluter Glücks­griff. Die famosen dänischen Nordsee-Strände kannten wir ja schon von unserer Dänemark-Tour 2018. Aber hier gibt es noch viel mehr: die besprühten Beton­bunker-Ruinen, die Paraglider im Sonnen­un­ter­gang, die Bonbon­ko­cherei Bolche­riet im schnu­cke­ligen Örtchen und der „wandernde“ Leucht­turm Rubjerg Knude.

Uns sind die 6 Tage Warten auf die Norwegen-Fähre wahrlich nicht lang geworden!

3. Byglandsfjord

Byglandsfjord

Der Byglandsfjord ist eigent­lich mehr ein See als das, was man vom norwe­gi­schen Fjord­land mit einem Fjord verbindet. Es gibt hier nicht die steil majes­tä­tisch hinauf­ra­genden Felswände wie weiter nördlich in Norwegen. Aber natür­lich trotzdem noch Wasser­fälle und sogar eine Wande­rung, die uns so steil wurde, dass wir sie dann doch lieber abgebro­chen haben. 

Was hier aber wirklich super ist, ist der familiäre Camping­platz Neset. Eine richtig gute Mischung aus Dauer­cam­pern und richtig schönen Stell­plätzen für die mobileren Gäste. Das ganze halbkreis­förmig angeordnet auf einer Halbinsel, aber so, dass man sich nicht einge­engt vorkommt.

Und Halbinsel und Fjord hieß für uns natür­lich in unserem ersten Kajak­jahr: Paddeln! Raus aufs Wasser. Wenn man dann das Glück hat, den wärmsten Tag der Reise zu haben und auf einer kleinen Insel mitten auf dem Fjord Päuschen machen zu können, ist das schon sehr fein.

Und wenn abends noch das ganz große Himmels­kino ausge­packt wird und die Wolken und der Himmel in allen Schat­tie­rungen von Orange bis Rosa leuchten, weiß man, warum eine Norwe­gen­reise eigent­lich nie wirklich schief­gehen kann – außer, man fährt nach Vassenden… (Erklä­rung: hier)

2. Finow­kanal

Finowkanal

Eigent­lich müsste hier unsere ganze Branden­burg-Reise aufge­führt sein. Denn wir gestehen, dass wir uns völlig überra­schend in diese Region regel­recht verliebt haben. Die sanften Hügel, das viele Wasser und die urigen Wälder haben unser Herz im Sturm erobert.

Ein beson­deres Highlight hier im östli­chen Branden­burg war dann der herrlich schnu­cke­lige Camping­platz Triangel, der einen Anleger direkt am Kanal hat und wo es sich mit unseren Kajaks wunderbar paddeln ließ. 

Auf dem Finow­kanal lässt es sich aufgrund der geringen Strömung hervor­ra­gend hin- und herpad­deln, sodass man sowohl das Schiffs­he­be­werk als auch das schöne Ebers­walde mit dem Boot errei­chen kann. 

Aber hier gilt mehr als sonst schon: Der Weg ist das Ziel. Denn das Schauen in die Natur und Entde­cken der kleinen Überra­schungen auf und neben dem Wasser ist das, was hier wirklich zählt. Und auch hier sind wir größten­teils auf weiter Flur alleine. 

Mit mehr als ausrei­chend Abstand kann man hier corona­kon­form den Leuten am Ufer zuwinken. Vielleicht die beste Art und Weise in diesem Pande­mie­jahr unter­wegs zu sein!

1. Linde­knuten

Lindeknuten

Ihr seid Norwe­gen­kenner? Sicher? Aber habt ihr schon mal was vom Linde­knuten gehört? Wenn nicht: grämt euch nicht. Der läuft nämlich unter Geheimtipp. 

Beim Lindeknuten handelt es sich nicht um einen Straßen­knoten, wie bei der berühmten Schleife, welche die Straße bei Geiranger macht. Sondern um einen Berggipfel, wie wir sie hier im Süden Norwe­gens häufiger angetroffen haben.

Den Linde­knuten findet ihr im maleri­schen Tovdal, das alles mitbringt, was ihr von einem Südnor­we­gental erwarten dürft. Den breiten Fluss Tovdal­selva, am Ende des Tales der mächtige Rjukan­fossen und natür­lich malerisch verstreute Gehöfte links und rechts des Wegs. Das Beste ist aber bereits hier, dass das Tovdal nicht in der Nähe der typischen Südnor­wegen-Routen liegt, sondern ein bisschen ab vom Schuss ist. Solche Orte suchen wir ja wie die Trüffelschweine.

Und der Linde­knuten ist dann ein beson­derer Trüffel, denn er ist nur über eine Mautstraße (60 Nkr) und eine Wande­rung erreichbar. Schon die Anfahrt ist ein reiner Genuss, wenn sich die Straße in weiten und problemlos zu fahrenden Serpen­tinen den Berg hinauf­schlän­gelt. Man landet dann in einer Winter­sport-Ferien­haus-Siedlung an einem Parkplatz, von dem aus verschie­dene Wande­rungen auf der Berghöhe losgehen. 

Auf der Wande­rung hat man perma­nent eine großar­tige Aussicht ins Tovdal und kann die gute Stunde bis zum Gipfel mit wasser­dichten Schuhen gut begehen. Auf dem Gipfel pfeift ordent­lich der Wind, aber die hässliche Radio­sta­tion dort oben bietet einen guten Windschutz, um die grandiose Aussicht in alle Richtungen zu genießen. Es sind zwar „nur“ 858 Meter auf der Gipfel­höhe, aber man hat trotzdem den Eindruck, dass man in jede Richtung weit in die Ferne gucken kann. Top of the world! 

Und norma­ler­weise teilt ihr die Aussicht nicht mit Hunderten, wie an den touris­ti­schen Hotspots, sondern genießt sie mehr oder weniger für euch alleine, was sich in Zeiten von Insta­gram-Tourismus wie ein unfass­bares Privileg anfühlt. 

2 Kommentare

    • Danke­schön!

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