Fähr geht vor

Geht doch! Heute wachen wir schon bedeutend später auf – ein gutes Zeichen. Wir haben gestern schon ein bisschen vorüberlegt, wie es weiter gehen soll. Auf Großstadt haben wir beide momentan so ungefähr gar keine Lust. Also heben wir uns Oslo für den Rückweg auf. Ist dann immer noch früh genug.

Ein bisschen Stadt darf es aber gerne sein, damit wir uns mit Bargeld und SIM-Karte für das iPad versorgen können. Ersteres ist eher für das gute Gefühl, denn eigentlich könnte man in Skandinavien wahrscheinlich noch eine Kugel Eis mit der Karte bezahlen. Denn auch unseren Parkplatz in unserer Zielstad Fredrikstad können wir bargeldlos mit Kreditkarte zahlen.

Von Fredrikstad wissen wir nur, dass die Altstadt Gamlebyen wirklich sehenswert sein soll. Und tatsächlich ist die ehemalige Festungsanlage eine kleine Zeitreise. Breite Straßen mit hubbeligem Kopfsteinpflaster und alte Häuschen, die größtenteils schön gestrichen und teilweise mit üppigen Kletterrosen bewachsen sind. Erinnert in seiner Art ein bisschen an Altstädte in Masuren.

In der Tourist Information erkundige ich mich, wo man wohl SIM-Karten kaufen könne. Schulterzuckend meint der nette junge Mann, dass das wohl am besten in der Shopping Mall in der City zu erledigen sei. Dazu muss man jetzt wissen, dass die Gamlebyen von der Neustadt durch den Fluss Elva getrennt wird. Und es keine Brücken In der Nähe gibt. Hm. Aber es gibt eine einfache Lösung: Es gibt einen kostenlosen Fährdienst über den Fluss, der einen quasi direkt ans Ziel bringt. Wer würde sich bei dem Prachtwetter schon schlagen lassen, wenn es um eine nette Bötchentour ginge? Machen wir!

Also gehen wir zum Anleger und wundern uns schon, wie viele Fähren fahren: Denn eine fährt gerade los, während wir gerade die nächste besteigen. Ist ja fast wie Venedig! Vom Mann aus der TI wissen wir, dass es ein paar Haltestellen bis zur nächsten Brücke sind. Also bleiben wir brav sitzen, als wir die folgende Haltestelle am anderen Ufer erreichen. Komisch nur, dass alle, also: ALLE, aussteigen. Annette hat dann die schlaue Erkenntnis, dass wir auf einer Pendelfähre gelandet sind, die einfach nur hin und her fährt. Wir hätten eigentlich auf die andere Fähre gemusst…

Aber das macht uns ja nichts aus: Wir machen uns also zu Fuß entlang des Flusses auf ans Ziel. Schön hier! Während Annette geduldig mit Mia draußen wartet (Hunde verboten), mache ich mich wegen der Simkarte schlau und wandere von Pontius zu Pilatus. “Nein, gibt es nur für Norweger”, “Kostet aber 25€/Woche”, “Simkarten sind leider aus”. Im Kiosk fast direkt neben Annettes Warteplatz kriege ich dann eine Simkarte von Mycall – aber die muss leider tatsächlich noch vom Betreiber freigeschaltet werden. Mal gucken, ob das klappt…

Nach all diesen Irrungen und Wirrungen und einer Falafel als Stärkung wird es Zeit, weiter zu fahren. Als Tagesziel haben wir uns Hamar am Mjøsasee ausgeguckt. Die Fahrt dorthin ist zwar größtenteils über Autobahn, aber trotzdem eher anstrengend. Denn vor Oslo kommen wir noch in einen fetten Stau und allgemein ist der Verkehr im Großraum Oslo eher üppig. Wir sind froh, als wir die Hauptstadt hinter uns lassen!

Zunächst geht es auf der breiten Autobahn durch eher sanft geschwungene Hügel, die ein bisschen ans Alpenvorland erinnern. Die Fahrt in weiten Kurven mit Blick hinunter zum riesigen Mjøsasee ist dann wirklich beeindruckend!

Unser Stellplatz für die Nacht in Hamar befindet sich an einem schwarz-gekieselten schmalen Strand, an dem tatsächlich mehrere Leute sonnen, baden oder sonnenbaden. Und eine Picknickbank fürs Abendessen gibt’s gratis dazu. Nehmen wir!

Und da wir nun den zweiten absolut perfekten Sommertag hinter uns haben, wird es Zeit, den Vassenden-Index einzuführen. Gewidmet ist er einem Ferienhausaufenthalt meiner Kindheit im Städtchen Vassenden im Fjordland, wo es 2 Wochen am Stück mehr oder weniger nur geregnet hat. An den besseren Tagen hing der Nebel nur halbhoch.

Also quasi als Traumatherapie hier der aktuelle

**Vassendenindex**

Sommerwetter: 2

Pisswetter: 0

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