Die großen 12 aus 2019
31. Dezember 2019

Es ist immer eine große Freude, die großen 12 zusam­men­zu­stellen und nochmal das Reise­jahr Revue passieren zu lassen. Dieses Jahr ist es aber auch eine große Qual. Denn die Begren­zung auf nur 12 Orte ist uns diesmal so schwer wie noch nie gefallen. Was gehört zu unseren Favoriten und was war zwar schön, aber dann doch nicht so wichtig, das wir es in unseren Jahres­rück­blick packen? 

Und als wäre das nicht schon schwierig genug, haben wir dieses Jahr noch ein anderes Problem: Wir sind schwers­tens verliebt. Unsere Schott­land­reise im Mai war eine Offen­ba­rung und bei der Nennung von Lieblings­orten kamen ganz schnell die Erinne­rungen an so viele Orte hoch, dass wir uns mühsam beschränken mussten. Denn wir wollen die großen 12 ja schon abwechs­lungs­reich gestalten. Und so sind zum Beispiel die tollen Scottish Borders mit ihren alten Abbeys und Castles ein Opfer der anderen Natur­schön­heiten Schott­lands geworden. Und auch die Pfalz, unsere deutsche Liebe der letzten Jahre, hat es wieder nicht geschafft. Was aber viel über die großar­tigen Orte in den diesjäh­rigen Großen 12 aussagt. 

Viel Spaß beim Mitreisen. In bewährter Manier als Count­down von 12 bis 1. Und ein Klick auf die jewei­lige Überschrift bringt euch direkt zum entspre­chenden Blogeintrag.

Madonna Belvoir

12. Belvoir

Auf unserer Sommer­reise 2017 hatten wir uns in den franzö­si­schen Jura verliebt. Und wollten daher in diesem Herbst unbedingt wieder dorthin. Was eine gute Entscheidung! 

Denn wir erlebten dort die goldensten Tage des Oktobers mit präch­tiger Aussicht am Schloss Belvoir. Wenn dann noch eine Jagdge­sell­schaft zum Halali bläst, eine heimi­sche Blaska­pelle ein Ständ­chen für einen spielt, eine Citroën-Oldtimer-Rallye an einem vorbei­zieht und man im Sonnen­schein auf die charak­te­ris­ti­sche Jura-Landschaft blicken kann, ist das definitiv ein Kandidat für die Großen 12. Ach ja: Wandern kann man hier auch ganz toll!

Lolland

11. Lolland

Dies ist vielleicht der unwahr­schein­lichste Kandidat für einen Platz unter den Großen 12. Aber wir können nicht anders: Uns hat die komplett aus der Zeit gefal­lene, landwirt­schaft­lich geprägte Landschaft Lollands mit seiner sanften Ostsee­küste verzaubert. 

Erst recht, nachdem wir vor den trubeligen Ostsee­stränden Deutsch­lands und dem überfüllten Fehmarn regel­recht geflohen sind. Noch als wir auf der Fähre der Vogel­flug­linie von Puttgarden nach Rødby fuhren, machten wir uns Sorgen, ob es in Dänemark ähnlich überfüllt sein könnte. Aber nichts davon!

Wer einfach nur einen entspannten Sommer ohne überfüllte Städte, Restau­rants oder Stell­plätze sucht, der ist in Lolland aber sowas von richtig! So wie wir. Unsere Plätze in Stubberup und Sakskø­bing waren genau nach unserem Geschmack: ruhig, mit schöner Aussicht und Start­punkt für schöne Wande­rungen und Fahrrad­touren. Wir kommen definitiv wieder!

Les-Beaux

10. Die Alpillen

Die kleine Gebirgs­kette südlich von Avignon gilt als das Herz der Provence – und das nicht nur, weil sie in der Mitte der Provence liegt. Hier hat man im Prinzip die Essenz der Provence im Klein­format: Mehr Provence-Klischee geht echt kaum. Oliven­haine, Platanen, Anwesen im proven­za­li­schen Stil und Zypressen. Umgeben von einer zerklüf­teten Bergland­schaft. Ein Genuss für die Augen!

Wir machen Station im Olivenöl-Ort Maussane-les-Alpilles, erleben Les-Baux, das zweit­meist­be­suchte Dorf in Frank­reich, nahezu menschen­leer und treiben uns auf dem Markt von Saint-Remy rum, den sicher­lich schon Van Gogh besucht hat. 

Pilsumer Leuchtturm

9. Pilsumer Leuchtturm

Unsere erste Winter­tour mit dem neuen MoMo hat uns nach Ostfries­land geführt. Und unser Lieblingsort dort könnte klischeemä­ßiger gar nicht sein: Der Otto-Leucht­turm in Pilsum hat einfach was. Wie er da so klein und dick auf dem Deich rumsteht und mit seinen breiten roten und gelben Streifen einfach ein Hingu­cker ist. 

Aber auch die umgebende Wattland­schaft hat hier was. Wir sind ja beken­nende Strand­lieb­haber und Watt-nicht-so-toll-Finder. Aber wenn sich die Wolken des Himmels auf dem feuchten Watt spiegeln und einem der kalte Winter­wind um die Nase weht: Das hat schon was Schönes!

Quiraing

8. Quiraing

Auch wenn die Isle of Skye mittler­weile ein Opfer ihrer eigenen Schön­heit geworden ist: Auslassen darf man sie in den Großen 12 einfach nicht. Wir müssen zwar anmerken, dass wir von den Touris­ten­massen und den Autoko­lonnen an den Sehens­wür­dig­keiten regel­recht geschockt waren, aber es gilt immer noch der goldene Tipp: Einfach das machen, was die Masse nicht macht. Und daher folgen wir nicht dem steten Strom der Leute, die sich ins Herz des Quiraing­massiv aufma­chen, sondern steigen einfach den Berg auf der anderen Straßen­seite empor. Und sind alleine mit dieser gewal­tigen, großar­tigen Kullisse von schroffen Bergen, Klippen und unfass­baren Aussichten hinaus aufs Meer und die Hebriden. 

Wer dieses Gefühl sucht, zumin­dest ansatz­weise zu erfassen, wie unglaub­lich großartig unser Planet ist: Bitte nachma­chen. Und ja, es lohnt sich auch bei beschei­denem Wetter.

Møns Klint

7. Møns Klint

Kreide­felsen in Europa? Klar, da denkt man sofort an Dover oder Rügen. Die sind so richtig bekannt. Dass es Kreide­felsen auch in Dänemark gibt und das die dort sogar höher sind als in England oder Deutsch­land hatten wir bis zu diesem Sommer nicht gewusst. 

Was an Møns Klint dann beson­ders ist? Vielleicht, dass es so eine ideale Mittel­stel­lung zwischen Attrak­tion und Geheim­tipp hat. Denn obwohl es am Besucher­zen­trum voll ist, hat sich das Ganze nach ein paar Schritten schon deutlich entspannt. Und wenn man die nahezu 500 Stufen zum Meer hinunter gemacht hat, sind es wirklich nur noch ein paar Handvoll Menschen, mit denen man die erhabenen Kreide­felsen über einem teilen muss. Und das ist dann schon sehr schön!

Ein zusätz­li­cher Bonus? Der wunderbar gechillte Camping­platz vor der Zufahrt zu den Klippen. Wenn der nicht so schmerz­haft teuer wäre, könnte man hier locker mehrere Wochen verbringen. Aber wir werden definitiv wiederkommen! 

Saut du Doubs

6. Saut de Doubs

Auf unserem Herbst­trip in den franzö­si­schen Jura haben wir den Doubs, den Grenz­fluss zur Schweiz, kennen und lieben gelernt. Man kann den Jura eigent­lich nicht durch­queren, ohne auf ihn getroffen zu sein. Wir haben ihn mehrmals gesehen und gekreuzt, aber beson­ders gut hat uns die Wande­rung fluss­ab­wärts vom Saut de Doubs, dem durchaus beein­dru­ckenden Wasser­fall gefallen. 

Auch hier gilt wieder: Einfach mal ein bisschen von der Attrak­tion entfernen und die Schul­klassen und Boots­aus­flügler hinter sich lassen. Dann kann man hier einen wunderbar stillen Herbstweg genießen. 

Clachan Sands

5. Clachan Sands

Hier ist es weniger die Sehens­wür­dig­keit als das Gesamt­kon­strukt. Man nehme: eine Prise Abenteuer bei der Anfahrt auf schot­terig-sandiger Piste, die sich aber als halb so wild entpuppt. Mit einem scenic graveyard auf der Strecke. Und einem Stell­platz, der einen Ausblick zum Nieder­knien bietet: Vor und unter einem die Clachan Sands, ein Strand an einer türkis­blauen Bucht, wo die Wellen in breiten Streifen hinein­rollen. Sicher­lich unsere schönste Aussicht im Jahr 2019!

Und man muss nur einmal um die Ecke zu laufen, um den nächsten Traum­strand zu errei­chen. Kilome­ter­lang feiner Sand und alles nur für einen allein — Luxus!

Carro

4. Carro

Auf unserem Provence-Trip haben wir eine Entde­ckung gemacht, die wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten. Caro ist eine kleine Hafen­stadt an der proven­ca­li­schen Küste. So klein, dass sie noch ihren Charme bewahrt hat, aber so groß, dass es was zu entde­cken gibt. Also genau richtig. Sicher­lich hat das tolle Wetter mit drama­ti­schen Wolken, eisigem Mistral und klarer Luft auch sein Stück dazu beigetragen, dass wir uns gerne an den top gelegenen Stell­platz und unsere Wande­rung zum Leucht­turm erinnern. 

Ach ja, und natür­lich das köstliche Essen im Chez Francine, wo wir wieder mal gemerkt haben, warum Frank­reich so ein Lieblings­rei­se­land für uns geworden ist: Es schmeckt einfach so gut!

Loch Katrine

3. Loch Katrine

Wenn ganz viel Gutes zusam­men­kommt: Loch Katrine. Die Tross­achs, ein Waldge­biet nördlich von Glasgow, hatten wir nur als „gucken wir uns auf der Fahrt an die Westküste mal an“ auf dem Zettel. Dass wir hier schon Schott­land im Westen­ta­schen­format zu sehen bekommen, konnten wir ja nicht ahnen! Es gibt stille kleinere Lochs, eine machbare Bergbe­stei­gung am Ben A’an und dann noch den majes­tä­ti­schen Loch Katrine, den wir zunächst vom Ben A‘an aus bestaunen und dann kurzer­hand mit dem MoMo besuchen. Vorbei an Wäldchen mit Bluebells und natür­lich standes­gemäß auf einer Single-Track-Road. 

Und am Ende wartet dann das Pier Cafe, in dem eine Einkehr absolute Pflicht ist. Super­le­cker! Und das Tüpfel­chen auf dem i ist dann das Full Scottish Break­fast, dass wir am Picknick­tisch einnehmen können, bevor das Touris­ten­boot über den Loch Katrine geschip­pert kommt. Unfassbar gut!

In einem normalen Reise­jahr wäre das unsere klare Nummer 1 gewesen. Perfekt und schön von vorne bis hinten. 2019 reicht das nur für Platz 3…

Flughafen Barra

2. Barra

Noch so eine Entde­ckung, die wir dieses Jahr gemacht haben und die sofort einen Platz als Herzensort auf unserer Landkarte gewonnen hat. 

Hätten wir nicht die dringende Empfeh­lung aus dem Womoforum bekommen, Barra und die Uists in unsere Reise­pla­nung aufzu­nehmen, hätten wir vielleicht den schönsten Teil unserer Schott­land­tour verpasst! Denn schon auf der Fahrt nach Barra kommt man auf Eriskay an einem wunder­baren Traum­strand mit Blick auf die Insel vorbei. 

Und auf Barra kann man sich dann das ganze Hebriden-Programm geben: Weiße Traum­strände vor karibik­grünem Meer noch und nöcher. Mit dem unbestreit­baren Highlight eines Flugha­fens, der Start- und Lande­bahn auf dem Strand hat. Muss man gesehen haben, um es zu glauben. 

Gleich­zeitig aber raue Bergland­schaft. Wo man auf den Heaval steigen kann, um über die Schulter einer Madonna hinab auf die Insel­haupt­stadt Castlebay zu blicken. 

Und als wäre das nicht schon alles genug, kann man noch über den Damm zur Nachbar­insel Vatersay hinüber­fahren und dort wirklich abgefahren schöne Strände völlig für sich alleine zu haben. Wenn ich mir meinen Lieblingsort backen könnte: Barra würde dem schon ziemlich nah kommen. 

Pro-Tipp: Auf jeden Fall im Voraus die Überfahrt mit Caledo­nian-McBray reser­vieren. Denn als wir im Mai(!) dort waren, war die Fähre für die nächsten 5 Tage komplett ausge­bucht. Es kann zwar immer mal sein, dass man dann doch noch auf die Fähre gequetscht werden kann, aber im Zweifels­fall würde man sich furchtbar ärgern, wenn es dann doch nicht klappt. So oft fährt die Fähre nämlich nicht!

Puffin auf Staffa

1. Iona und Staffa

Also was kann in Schott­land jetzt noch schöner sein als Loch Katrine und Barra? Denn ja, alle Top3 unseres Reise­jahres kommen aus Schott­land. Keine Diskus­sion, da waren wir uns sofort einig.

Es ist die kleine Insel Iona und das noch kleinere Insel­chen Staffa nördlich davon. Iona liegt am westli­chen Ende der großen Hebri­den­insel Mull, die unver­ständ­li­cher­weise nicht in unseren Großen 12 auftaucht. Wie gesagt, wir hätten alle Großen 12 mit schot­ti­schen Orten belegen können… Denn auf dem tollen Farmcam­ping Fidden Farm in Fionn­phort (am westli­chen Rand von Mull und Fährhafen nach Iona) lernen wir unsere neuen Freunde Doug und Chris­tine aus Südeng­land kennen, die uns den Trip nach Staffa wärms­tens empfehlen.

Denn Staffa ist wahrlich etwas beson­deres. Denn man kriegt hier 2 Attrak­tionen zum Preis von einer. Nicht nur gibt es auf der Vulkan­insel spekta­ku­läre Basalt­säulen wie am Giant‘s Causeway in Nordir­land. Man kann gleich­zeitig auch Papagei­en­tau­cher beobachten und sogar aus nächster Nähe fotogra­fieren. Beides ein absoluter Traum. 

Wenn man dann ganz beseelt von Staffa wieder zurück­kommt, geht es auf die heilige Insel Iona. Und irgend­einen Zauber hat diese Insel. Das fühlt man schon, wenn man mit dem Schiff an der nur halb verfal­lenen Iona Abbey vorbei fährt. Wenn man dann aber dort ist und die paar Touris­ten­läden hinter sich gelassen hat, kommt der Frieden, den das alles hier verströmt, von ganz alleine. 

Peace of Iona!

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