Staffa, Puffins und Iona
16. Mai 2019

Wären wir es bis jetzt noch nicht gewesen — nach diesem Supertag muss man einfach Schottland-Fan sein!

Gestern hatte ich telefo­nisch den Ausflug nach Staffa gebucht. Fürs 35£ kann man einen Trip hinüber auf diese besondere Insel buchen. Und ich lege mich mal fest: Bucht diese Fahrt, wenn ihr hier in der Ecke seid! Ihr werdet es nicht bereuen und könnt mir später danken…

Wir haben bei Staffa­tours gebucht, weil laut Doug und Christine deren Boote im Vergleich zu anderen Anbietern deutlich moderner und PS-stärker wirkten. Können wir bestä­tigen: Top-Schiff, Top-Crew.

Vulkan­insel

Was ist an Staffa jetzt so besonders und besser als auf den Tausenden von anderen Inseln vor der schot­ti­schen Küste? Zwei Dinge. Zum einen ist es die Insel selbst, mit ihren hexago­nalen Basalt­säulen, die neben­ein­ander wie Orgel­pfeifen aus dem Boden nach oben streben. Ähnlich wie am Giant‘s Causeway in Nordirland, aber doch anders.

Denn hier gibt es als Bonus noch Fingal‘s Cave. Eine nach dem Sagen­riesen Fingal benannte Höhle, die ebenfalls aus diesen Basalt­säulen besteht. Bei unserem Besuch war der Besuch der Höhle leider nicht möglich, da der Zugang nach den Winter­stürmen gelitten hat und noch nicht wieder herge­richtet werden konnte. Aber auch so ist es ein sehens­werter Anblick. Das andere, wofür man auf diese Insel fährt, sind die Puffins, die liebens­werten Papgei­en­taucher, an denen man sich einfach nicht satt sehen kann.

Graue Überfahrt

Wir haben uns entschieden, das MoMo noch eine Nacht auf Fidden‘s Farm stehen zu lassen und den Weg von ungefähr 2km zum Hafen von Fionn­phort (ungefähr gesprochen: Feien-fort) zu Fuß zurück­zu­legen.

Das Boot ist gut gefüllt und wir brechen gespannt auf. Das Wetter sieht eher trüb und bedeckt aus, aber an einigen Stellen reißt der Himmel dann doch auf, so dass wir schon auf der Fahrt eine tolle Lightshow vor der Küste Mulls geboten bekommen.

Bei der Ankunft sehen wir einige große Schlauch­boote die Anlege­stelle der Insel umkreisen und bereiten uns schon mal darauf vor, gleich umzusteigen. Aber unser Käpt’n schafft es wirklich mit beherztem Motor­einsatz, mit dem Motorboot an der Anlege­stelle anzulegen. Dolles Manöver!

Uns wird einge­schärft, dass wir in einer Stunde wieder zurück zu sein haben. Ansonsten „See ya tomorrow!“Das ist doch mal eine klare Ansage!

This way for the puffins

Nach dem Anlegen kann man sich entscheiden: Links herum direkt auf den Basalt­säulen zu Fingal‘s Cave oder eine kurze, gut gesicherte Treppe steil hinauf zu den Puffins, mit dem Hinweis, dass man bitte 5–10 Minuten Geduld haben möge, wenn man an der gekenn­zeich­neten Stelle keine Puffins sehen würde.

Frohen Mutes heben wir uns die Höhle für spätere auf und folgen dem Schild zu den Puffins. Aber an der rosa Boje herrscht tote Hose. Als wir kommen, sehen wir noch für ein paar Sekunden einen einzigen Puffin, der aber sofort wegfliegt. Und das war‘s dann auch schon. Also: bitte in Geduld üben!

Nach 12 Minuten neige ich dazu, das ganze als geschicktes Marketing zu sehen, weil sich wirklich so gar nichts tut. Aber dann kommen sie! Erst ein paar, dann ein größerer Trupp, der sich tatsächlich an der Klippe nieder­lässt, wo wir warten.

Nachdem ich schon mal ein paar Aufnahmen im Sack habe, werde ich mutiger. Am anderen Ende der Klippe hat sich eine ganze Kolonie nieder­ge­lassen.

Ich gehe hinüber und bin überrascht, wie nah ich den Burschen komme. Ratter­rat­ter­ratter macht mein Auslöser.

Und noch ein Stück näher. Ratter­rat­ter­ratter.

Noch näher. Ratter­rat­ter­ratter.

Am Ende habe ich die kleinen Kerle in mehr als ausrei­chender Größe auf dem Sensor und das bei 55mm maximaler Brenn­weite! Wunderbar — da hatte ich wirklich nicht mit gerechnet!

Annette hat übrigens eine inter­es­sante Theorie: Puffins müssten doch hervor­ra­gende Thera­pie­vögel sein. Jeder, der sie sieht, ist geradezu automa­tisch gut gelaunt. Und wenn die kleinen Burschen vor einem noch starten und landen kann man gar nicht anders als lächeln.

Sie wirken beruhigend, ausglei­chend, stimmungs­auf­hellend, anregend und erhei­ternd.

Außerdem schulen sie die Disziplin, die Ausdauer und Geduld, weil man eine ganze Weile auf sie warten muss.

Und als ich nachher im Prospekt beim Touran­bieter Turus Mara nachschaue, steht da tatsächlich was von „Puffin Therapy“… Sachen gibt‘s!

Sunshine on Staffa

Und als hätten wir nicht schon genügend Glück gehabt, kommt kurz vor unserer viel zu frühen Abfahrt noch die Sonne raus. Und man wird dann von den bizarren Felsstäben mit ihren merkwür­digen Drehungen und Richtungs­wechseln noch viel mehr geflasht als schon bei der Ankunft.

Leicht wehmütig besteige ich als letzter das Schiff und kriege vom Skipper keinen blöden Spruch, sondern nur die freund­liche Nachfrage „Did you enjoy it?“ Könnten sich Berliner Busfahrer auch mal ne Scheibe von abschneiden… Das einzige was man bemängeln kann: Die eine Stunde an Land ist wirklich ein Witz. 2–3 Stunden könnten man locker füllen. Denn für den Weg hinüber zu Fingal‘s Cave hat es bei uns leider nicht mehr gereicht. Die sehen wir nur von Bord aus.

Auf der Rückfahrt guckt man überall in beseelte Gesichter. Alle hatten eine gute Zeit. Zumindest die, die nicht von einer hochschäu­menden Welle durch­nässt wurden…

Iona. Finally.

Auf der Rückfahrt hält das Schiff dankens­wer­ter­weise auf Iona. Der magischen Insel, die von den Waterboys auf „Peace of Iona“ so perfekt besungen wird:

Peace of the glancing, dancing waves Peace of the white sands Peace of Iona Peace of the singing wind Peace of the stones Peace of Iona Peace of the crying gulls Peace of the humming bees Peace of the noontime stillness Peace of the dreaming hills Peace of the breath of angels Peace of Iona Peace of the saints and seekers Peace of the monks and druids Peace of the resting place of kings Peace of the ruins Peace of doves in the belltower Peace of Iona

Wir gehen an Land und fühlen uns sofort wohl. Karibik­blaues Wasser mit weißen Stränden und dümpelnden Booten.

Und ich erinnere mich vage an die Empfehlung von Chris und Doug für ein gutes Restaurant auf der Insel. Irgendwas mit „ar“ am Anfang. Und neben dem Anleger gibt es das „Martyrs Bay“-Schnellrestaurant, in das auch die anderen Boots­in­sassen strömen. Und da mich auch die „Mussels in Garlic and Wine“ anlachen und es draußen hunde­kom­pa­tible Tische gibt, nehmen wir Platz. Erst, als wir später weiter­gehen, fällt beim Schild für das „Argyll Hotel“ der Groschen: Das wäre es gewesen. Und dort gab es dann auch eine Seafood Platter und Bananabread, von denen uns Chris und Doug vorge­schwärmt hatten…

Ist aber nicht so wichtig, denn die Muscheln waren gut und wir wollen ja die Insel erkunden. Also machen wir uns auf zum Nordzipfel der Insel, dessen weiße Strände wir vom Boot aus schon gesehen hatten. Vorbei an einer Horde studi­en­rei­sender Bustou­risten auf dem Weg zur Abbey, weswegen wir beschließen, die Abbey auf dem Rückweg zu besuchen.

Peace of the dreaming hills

Auch auf dem Weg zum Strand herrscht Betrieb. Also: relativ gesehen. Denn Autos fahren hier keine (außer von den Locals). Und das macht schon mal einen großen Teil der Ruhe aus. Denn es ist wirklich friedlich auf dieser Insel. Wir sehen jemanden fleißig sein Haus streichen und gehen an der größten Gänse­blüm­chen­wiese ever vorbei. Bullerbü auf schot­tisch.

Peace of the white sands

Am Strand macht Elli kurz Bekannt­schaft mit einem verwe­senden Wal, in dem sie sich hinge­bungsvoll wälzen will. Hunde sind so ekelig! Aber Annette kann das schlimmste verhindern, so dass Elli die kommende Nacht nicht draußen verbringen muss.

Ich widme mich da lieber dem Strand mit seinen vielfach geschich­teten Felsen, den sanften Wellen und natürlich dem feinen Sand vor kristall­klarem Wasser. Traumhaft schön!

Peace of the monks and druids

Irgendwann geht es dann doch wieder zurück. Zur Abbey. Weil wir denken, dass am Nachmittag da weniger los ist. Aber Puste­kuchen! Auch jetzt gibt es noch mehrere(!) Reise­gruppen, die dort herum­ge­führt werden.

Was uns an der Abbey besonders gefällt, ist, dass sie als inter­kon­fes­sio­neller Ort gilt. Es ist richtig wohltuend, dass es dort nicht die „einzig richtige“ Religion gibt, sondern jeder einge­laden ist, dort seinen Glauben zu prakti­zieren. Wenn doch alle Gottes­häuser so undog­ma­tisch wären! Und hier macht es auch wieder etwas vom beson­deren „Peace of Iona“ aus. Wo hat man schon mal einen so entspannten Ort des Glaubens…?

And business too

Aber es gibt auch die ausge­sprochen geschäfts­tüchtige Seite von Iona. Es gibt mehrere Craft­shops und Andenken­läden, die aber immerhin ziemlich geschmackvoll sind. Auch hier siegt meistens die Schönheit über das Geschäft. Teuer mit Insel­auf­schlag ist es aber trotzdem.

Auf dem Rückweg wollen wir noch im Argyll Hotel einkehren, stellen aber fest, dass es feste Essen­zeiten gibt. Und für Tea Time sind wir zu spät und für Dinner zu früh. Aber das passt dann auch zu dem Spruch, den ich in der Abbey gefunden habe: Nach Iona kommt man nicht einmal, sondern dreimal. Und ich bin mir sicher: Das stimmt für uns.

Dinner with friends

Als wir abends ziemlich kaputt und voller fantas­ti­scher Eindrücke an der Fidden Farm ankommen, treffen wir auf Chris und Doug, die sich dankens­wer­ter­weise als Dogsitter für Mia angeboten hatten. Und Chris berichtet stolz-belustigt-entsetzt von den „4 poos“ die Mia in der Zeit gemacht hat. Und was das für ein toller Hund sei. Da können wir nur zustimmen!

Und schon bald sitzen wir zusammen, trinken Bier und Wein, gucken Puffin-Fotos und werden spontan von Christine zum gemein­samen Pasta-Essen einge­laden. Völker­ver­stän­digung kann so einfach sein — man muss nur die richtigen Leute treffen!

3 Kommentare

  1. Das macht wirklich Spaß euren Blog zu lesen!
    Und die Fotos sind absolut spitze!

    Antworten
  2. Das macht Spaß euren Blog zu lesen 🙂 Fühlt sich ein bisschen so an als wäre man selbst im Urlaub. Und die Fotos sind sagenhaft ♥️!
    Viele Grüße und noch viel Spaß!! Britta

    Antworten
    • Danke­schön, Britta! Wir müssten uns eigentlich mal wieder sehen, oder? Ist doch schon ewig her!

      Antworten

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