Fünfzig
30. Mai 2019

Wir müssen uns mal wieder den Wecker stellen, um die Fähre nach Skye nicht zu verpassen. Denn die fährt schon zu gottloser Zeit um 7.15 Uhr los. Und da man 45 Minuten vor Abfahrt da sein muss, weil sonst der Platz vergeben werden kann, machen wir das ganz gewis­senhaft und sind schon eine Stunde vorher da. Damit auch ja nichts schief gehen kann. Und stellen dann doch fest, dass das ganze hier schot­tisch-entspannt abgeht. Die meisten kommen eher eine halbe Stunde vor Abfahrt an und das Boarding beginnt auch nicht früher. Und natürlich ist Platz für alle…

Fährfrüh­stück

Das Wetter ist über Nacht dann doch noch mal kühler und wolkiger geworden. 3 Grad am Morgen sind für Ende Mai jetzt aber wirklich mal ne Hausnummer! Aber immerhin ist es trocken.

Auch auf der Hebrides gibt es ein Bordre­staurant und natürlich auch Scottish Breakfast. Zumindest für mich, da Annette einen Porridge-Tag einlegt. Zu diesem wird einem (warum auch immer) ein Glas Milch gereicht. Dumm nur, wenn das dann umkippt, und Klamotten und Tasche danach einge­milcht sind. Igitt!

Immerhin können wir aber meine Geschenke vom Tisch retten. Denn heute ist Geburtstag. Und 50 werden in Schottland — kann ich gut mit leben! Auf Skye habe ich mich in Schottland verliebt und heute nach Skye zu fahren passt irgendwie gut dazu.

Spekta­kuläre Aussichten

Kurz hinter Uig fahren wir zunächst Richtung Nordspitze der Trotternish-Halbinsel. Und wenn man selbst bei diesem grauen, wolken­ver­han­genen Wetter eine solch grandiose Aussicht hinüber zu den Bergketten von Harris und Lewis hat, muss es bei Sonnen­schein wirklich unbeschreiblich schön sein!

Die Fahrt über die reichlich lädierte C1225 durchs Quiraing-Massiv ist dann zunächst gar nicht so grandios wie gedacht. Ist halt reichlich viel Moorland hier. Mondland­schaft. Beein­druckt eher durch seine trostlose Weite. Erst als man zu seiner linken den Steil­ab­bruch des Quiraing und vor sich das Meer sehen kann wird es spekta­kulär. Und wir sind dann doch überrascht, dass auf einmal auch jede Menge Autos hier stehen. Also: richtig viele.

Dankens­wer­ter­weise gibt es neben der Straße einen schmalen geschot­terten Streifen, damit man sein Fahrzeug nicht im feuchten und leicht sumpfigen Boden parken muss. Wenn das hier bei diesem Wetter und zu dieser Jahreszeit schon voll ist, mag ich mir nicht vorstellen, wie chaotisch es dann in der Hochsaison zugeht…

Scenic hoch zwei

Wir sehen wahre Karawanen von Wanderern in Richtung der beein­dru­ckenden Abbruch­kante des Quiraing zur Linken ziehen. Uns zieht es aber wieder mal auf eine „road less traveled“. Also wandern wir statt­dessen rechts den Berg hinauf bis zum Aussichts­punkt Bioda Buidhe.

Wir haben uns wasser‑, winddicht und warm einge­packt. Beim Anstieg sehe ich aber wieder einen jungen Mann mit Shorts — bei wahrlich eisigem Wind. „Die spinnen, die Schotten!“ denke ich noch, als ich höre, dass er sich mit seinen Kumpels auf deutsch unterhält. Und ich entwi­ckele die Idee, dass all die Freaks, die auch bei eisigem Wind und Regen in T‑Shirt und Shorts rumlaufen, in Wahrheit irgend­welche durch­ge­knallten Touristen sind, von denen die Schotten dann sagen „Crazy germans!“

Unsere Entscheidung erweist sich als Glücksfall. Nicht nur ist die Wanderung vergleichs­weise kurz und einfach, sondern die Ausblicke von hier sind praktisch ein 360°-Panorama! Und ein unbeschreiblich großar­tiges noch dazu.

Ein bisschen Mut und Nerven­kitzel wird hier auch noch reichlich belohnt. Denn wenn man sich vom Trampelpfad bis zur steilen und ungesi­cherten Abbruch­kante vortraut (was bei starkem Gegenwind zumindest schon mal nicht die Gefahr mit sich bringt, dass man einfach über die Kante geweht wird), wird man reichlich belohnt. Unter einem kommen erst dann die Lochs und „kleinen“ Gipfel vor der Abbruch­kante zum Vorschein, was dem ohnehin ganz großar­tigem Ausblick wirklich noch die Krone aufsetzt. Einmalig. Und mal wieder durch die Fotos nur ansatz­weise wieder­zu­geben.

Aber Achtung an alle Nachahmer: Es geht an dieser Stelle wirklich steil nach unten! Prüft vorher dreimal nach, wie der Wind steht und macht lieber einen Schritt zu wenig als zu viel in Richtung Kante. Nicht, dass ihr noch auf Schaf­scheisse in den Abgrund rutscht!

Birthday Coffee

Nachdem wir wieder am MoMo angekommen sind, sind wir auch reichlich platt. Von einer zweistün­digen Wanderung. Wir brauchen eine Verschnauf­pause.

Ich fand mich gestern megaschlau, dass ich den Camping­platz in Staffin vorre­ser­viert habe. Denn unser eigentlich gewählter Camping­platz an der Waternish-Halbinsel war (wieder mal) schon ausge­bucht. Aber hier in Staffin ist richtig wenig los. Gerade mal drei Womos verlieren sich auf dem Gelände mit vielen ebenen geschot­terten Plätzen, von denen wir uns einen belie­bigen aussuchen dürfen.

Und nachdem wir uns in den antiken, aber heißen Duschen erfrischt haben, gibt es erst mal einen Geburts­tags­kuchen und Kaffee. Und da es sich draußen langsam, aber sicher einregnet, machen wir es uns erst mal gemütlich und planen, wie und wo wir die letzten Tage in Schottland verbringen möchten.

Beach is a bitch

Annette bringt vom Hunde­s­pa­ziergang gute Neuig­keiten mit. Sie hat von unseren Campground­hosts das Kilmartin als Empfehlung bekommen und die netten Betreiber des Camping­platzes haben für uns einen Tisch für viertel nach sieben reser­viert. Super!

Da bleibt noch genug Zeit, um mit den Hunden gemeinsam dem verlo­ckenden Hinweis­schild zum „Beach“ zu folgen. Strand geht ja immer.

Aber nach 10 Minuten Stapfen durch torfig-feuchtes Gelände stehen wir mitten im Nirgendwo und ein Strand ist noch nicht zu sehen. Hä? Wir beschließen, wenigstens noch bis zur Felskante zu gehen, von der man dann Richtung Meer runter­gucken kann. Und sehen: zumindest keinen Strand. Sondern eine Felsküste und einen Beton-Boots­an­leger. Nicht so ganz das, was wir Hebri­den­ver­wöhnten unter „beach“ verstehen…

Pub-Grub im Kilmartin

Als wir zum Camping­platz zurück­kehren, werden wir von unserem Camphost schon erwartet. Warum wir denn um zehn vor sieben noch da seien? Den Tisch habe er doch für viertel vor sieben reser­viert? Ups. Annette klärt das Missver­ständnis dann telefo­nisch und wir brechen strammen Schrittes unter immer stärker werdendem Regen auf zum Abend­essen.

Gut, dass wir reser­vieren hatten! Denn der Laden ist voll und unser Tisch in der hinteren Ecke wartet schon auf uns. Die Karte ist dann sehr übersichtlich. 3 Vorspeisen, 3 Haupt­ge­richte und noch ein paar Specials. Also das, was man in England als pub-grub bezeichnet. Fish&Chips, Steak Pie und irgendwas mit Lamm geht da immer.

Annette wählt sich ein Gericht mit Haggis aus und ich probiere dann mal todes­mutig was Neues: Steak Pie (denn Fish&Chips ist für heute aus…). Und es kommt dann auch genau das, was man in Großbri­tannien erwarten würde: Pommes, Erbsen und Möhren (die erst mal Bekannt­schaft mit Salz machen müssen), Mais am Kolben und ein Steak, was keines ist. Denn das, was sich in der kleinen Auflaufform unter der Blätter­teig­haube befindet, würde in Deutschland deutlich eher unter Gulasch als unter Steak laufen! Aber es ist lecker gewürzt, so saftig wie versprochen und vor allem: eine echt große Portion.

Nachdem wir dann nur mäßig nass wieder am MoMo angekommen sind, lassen wir den Tag mit einem Schlückchen Whisky stilvoll ausklingen.

2 Kommentare

  1. Herzlichen Glück­wunsch zum Geburtstag!!

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