Landunter
31. Mai 2019

Der Wetter­be­richt hat nicht gelogen. Grau in grau. Trüb. Feucht. Mehr als feucht. Nass. Igitt­wetter.

Für uns steht eine folgen­schwere Entscheidung an: Wollen wir, wie geplant, bis Sonntag auf Syke bleiben und dann in zwei längeren Etappen nach Newcastle zurück? Oder brechen wir unsere Zelte heute ab und machen uns auf kürzeren Wegen auf den Rückweg?

Zunächst wirkt das Wetter noch gar nicht mal so schlimm. Man sieht zwar nichts von den Bergspitzen, aber es scheint eher zu nieseln. Aber als wir losfahren, wird der Regen schon stärker. Unser erster Stopp am Kiltrock fällt dementspre­chend kurz aus, denn es ist wirklich ungemütlich. Man hakt die durchaus sehens­werte Steil­küste mit Wasserfall eher ab, als dass man sie wahrnimmt.

Ist das voll hier!

Was uns sofort auffällt: Skye ist eine ganz andere Liga als die anderen Ziele, die wir bisher aufge­sucht haben. Bei der nächsten großen Attraktion, der Felsnadel Old Man of Storr sind alle Parkplätze am Straßenrand (und das sind richtig viele!) besetzt. Ganz am Ende finden wir zwar den aller­letzten, sind dann aber doch über das plötzlich wieder vorhandene Internet erfreuter als über die Aussicht darauf, mit Dutzenden anderen Touristen durch den strömenden Regen zu einem Felsen zu gehen, den man kaum sehen wird. Denn die Wolken hängen wirklich tief!

Kleiner Exkurs zum mobilen Internet in den vergan­genen Wochen: Mit Vodafone gelinde gesagt eine reine Katastrophe. Das skurrile: Wir hatten oft guten Telefon­empfang! Aber daten­mäßig wurde G angezeigt. So wie garnix. Manchmal gab‘s E. So wie entnervend. 3G oder 4G gab es tenden­ziell, vor allem auf den Inseln (auch in den „Städten“!), eher selten. Selbst wenn man neben einem Mobil­funkmast stand. Hat da jemand Erfah­rungen, ob das grund­sätzlich so ist, oder ob man mit der Telekom da besser unterwegs wäre?

Als wir durch Portree fahren, kriegen wir spontan Lust, einen kleinen Stadt­bummel zu machen. Sieht nett aus. Aber: Alle Parkplätze mehr als voll. Wir kurven also einmal rum, machen lange Gesichter und fahren weiter.

Ein bisschen ist es tragisch, die großartige, ausge­sprochen norwe­gisch anmutende Landschaft nur im Vorbei­fahren zu erleben und die Spitzen der Cuillins, der mächtigen Gebirgs­kette auf Skye, nur erahnen zu können. Noch dazu, wenn das Fahren bei dieser Witterung alles andere als spaßig ist, da auf Skye auch so viel Verkehr herrscht, wie wir ihn jetzt lange nicht mehr hatten und wir Geschwin­dig­keiten über 50mph auch nicht mehr gewohnt sind.

Spaß an der Fähre

Als wir in Armadale, dem Fährhafen zum Festland ankommen, frage ich den Gelbwesten-Einweiser, ob wir wohl mit der nächsten Fähre mitkämen, auch wenn wir für Sonntag reser­viert hätten. Er steht stoisch im Regen und erklärt mir, dass das dann auch vor Sonntag nichts werden würde. Schließlich hätte ich das ja gebucht. Und warum ich denn jetzt schon weg wolle? Ich deute zum Himmel. „Weather!“ Grinsend fährt er fort: „Ich bin 137 Jahre alt. Man sieht das meiner Haut nur nicht an, weil ich so oft im Regen stehe. So schlecht ist das Wetter doch gar nicht!“ Spätestens jetzt ist klar, dass er sich seinen Job einfach versüßt, indem er sich ein Späßchen daraus macht, zumindest ein bisschen Konver­sation mit den Fährgästen zu haben. Natürlich kommen wir mit!

Auch seine anderen Kollegen sind für so ein Pisswetter erstaunlich gut drauf. Bei ihnen ist es anscheinend ein Ding, ein Törchen so elegant zuzuschubsen, dass es so gerade eben ins Schloss fällt. Und wenn es klappt, freut man sich, als hätte man ein wichtigstes Tor in der Premier League geschossen. Und auch beim Einweisen kriegt man immer ein Zwinkern, ein Thumbs-up oder ein Grinsen ab. Ich mag das.

Traum­strecke mit Alptraum­wetter

Die Strecke zwischen Mallaig und Fort William gehört mit zu den schönsten Strecken in Schottland. Es gibt dauernd etwas zu sehen. Es wird nie langweilig. Wenn das Wetter mitspielt.

Heute ahnen wir mehr etwas davon, als dass wir es genießen können. Denn es schüttet jetzt. So sehr, dass die kleinen Wasser­fälle am Straßenrand das Wasser nicht mehr halten können, sondern es teilweise auf die Straße ergießen. Abenteu­erlich! Und auch gefährlich, wenn man durch so einen überra­schenden See auf deer Fahrbahn fährt und noch Gegen­verkehr dazu kommt. Eklig schön. Schön eklig.

Die Dampflok, den „Harry-Potter-Zug“, der auf dieser Strecke verkehrt, sehen wir nur für ein paar Sekunden. Die mächtigen Dampf­wolken dafür etwas länger…

Stau und Tankstellen-fail

In Fort William passiert etwas, was wir schon ewig nicht hatten: Stau. Die Straße kriegt den Berufs­verkehr einfach nicht bewältigt und dazu sehen wir, dass ab morgen auch noch Mountainbike-WM in der Stadt ist. Wir kommen uns vor wie in einer Metropole!

Wenige Meilen hinter Fort William ist die Tankstelle, wo wir laut unserer Gas-Experten aus Oban unsere Gasflasche befüllen lassen können. Und da meine Kalku­lation mit Hilfe des Gasmess-Stiftes bis ca. Montag Abend reicht, wollen wir mal auf Nummer sicher gehen. Aber leider ist es eine Fehlin­for­mation: Was sie dort können, ist LPG auffüllen. Mit unseren deutschen Gasfla­schen können Sie nichts anfangen. Als ich aber später abends noch mal den Gasfüll­stand prüfe, haben wir angeblich in den letzten 2 Tagen Null Gas verbraucht und müssten jetzt auf der sicheren Seite sein. Trotzdem werde ich mir für das Gasproblem eine Lösung überlegen. Es nervt, wenn man so viel Energie für dieses Thema verwenden muss!

Happy End

Ein gutes hat unser Aufenthalt an der Tanke aber. Der Dieseltank ist wieder voll und wir kriegen ein eindrucks­volles Bild von den enormen Pfützen und Wasser­du­schen, die die Autos hier erzeugen.

Ich rufe bei 2 Camping­plätzen an, die aber schon voll sind. Das kennen wir mittler­weile ja schon. Beim kleinsten der drei Plätze, die ich in der Nähe gefunden habe, haben wir aber Glück. Pitch No.1 ist noch frei. Reser­viert!

Und als wir ankommen, sehen wir einen schönen, neuen Stell­platz direkt zwischen Straße und Loch Creran. Wir richten uns auf Pitch 1 ein und lassen erst mal den Regen aufs Dach prasseln.

Da es mit dem Regen aber einfach nicht aufhört, stapfe ich schließlich doch durch den Regen und gehe über die Straße zur Rezeption. Unser Host, Jim, ist mal wieder ein Muster­bei­spiel für schot­tische Herzlichkeit. Wir plauschen nett und er findet, dass das Wetter in den letzten 4 Wochen doch ganz okay gewesen sei. Er habe mal einen Gast gehabt, der 4 Wochen im Juli total verregnet erlebt habe. Als dieser dann im folgenden Jahr wiederkam, war er ganz überrascht, dass es auf der anderen Seite des Lochs Berggipfel zu sehen gebe…

Selbst wenn das Wetter heute keine Werbung für Schottland macht: Die Schotten sind für sich schon Grund genug, dieses großartige Land zu besuchen!

2 Kommentare

  1. Deinem letzten Absatz:
    Selbst wenn das Wetter.….…..großartige Land zu besuchen!
    Kann ich nur zustimmen. Wir waren 2015 in Schottland und waren voll begeistert.

    Danke für eueren tollen Schott­land­be­richt.

    Antworten
    • Freut mich, dass der Bericht dir gefällt. Wir erwägen ernsthaft eine Fortsetzung im Herbst!

      Antworten

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