Breakfast am Loch
13. Mai 2019

Was ein Luxus. Wir stehen hier am wunder­baren Loch Katrine und haben ihn quasi für uns alleine. Denn am Anleger ist „früh“morgens um 8 Uhr nichts los. Dafür scheint die Sonne und wir können uns an einem Picknick­tisch neben dem MoMo nieder­lassen. Und das alles, ohne zu frieren! Denn es wird jetzt (und laut Wetter­be­richt auch in der kommenden Woche) Frühling! Nichts mehr mit nächt­lichem Zähne­klappern und Angst, dass das Gas nicht reicht. Apropos Gas: Irgendwas ist da schief gegangen. Mit meinem tollen neuen Ultra­schall­mess­stift erziele ich auch nach 2 frischen Nächten und Kochen und Kühlen das exakt gleiche Ergebnis. Also hoffentlich viel Lärm um nichts!

Scottish Breakfast

Gegen 9 Uhr kommt unser Host Brian mit seinem Weima­raner-Labrador-Mix Castro an. Ein herrlich entspannter und hübscher Hund — aber bei der Vorstellung, so ein 60kg-Kalb bei uns im MoMo zu haben wird uns dann doch etwas anders…

Im Pier gibt es verschiedene Frühstücks­an­gebote, wobei wir uns fragen: Für wen? Denn bis 11 Uhr ist hier keine Menschen­seele! Naja, dann halt für uns! Natürlich ein Full Scottish Breakfast und was soll ich sagen: Kracher! Gehört definitiv in meine Top3 von Britisch-irischen Frühstücken, die wir bisher hatten. Und unser erstes Haggis, was in Fladenform ebenfalls dabei ist, schmeckt wie Saumagen auf Speed — super­lecker! Aber auch die anderen Bestand­teile sind richtig gut zubereitet — die nächste Überra­schung für uns: die schot­tische Küche hat uns bisher voll überzeugt!

Radtour zu Fuß

Vom Pier aus müssen wir danach erst mal einen Verdau­ungs­spa­ziergang machen. In Richtung Nordwesten führt eine Straße rund um das Nordufer des Loch Katerine und wir ärgern uns heute tatsächlich, dass wir die Räder diesmal bewusst nicht mitge­nommen haben. Das wäre eine tolle Radtour geworden!

Statt­dessen erkunden wir zu Fuß zumindest ein Stück der Strecke und genießen es, dass sich die Pullover aufgrund des sonnigen Wetters schon fast als zu warm erweisen. Frühlings­ge­fühle!

Richtung Meer

Leicht wehmütig brechen wir schließlich unsere Zelte am Pier ab und fahren die lange und auch auf der Rückfahrt wunder­schöne Strecke Richtung Aberfoyle zurück. In den Wäldchen blühen wahre Meere von diesen blauen Blumen, deren Namen wir als Botani­knieten mal wieder nicht kennen. Aber schön sind sie!

Nachdem wir in Callander nochmal das Nötigste einge­kauft haben fahren wir durch eine abwechs­lungs­reiche Landschaft: tiefblaue Lochs, karge Täler, in denen viele Bäume leider abgeholzt sind und schließlich wieder freund­licher, je näher wir dem Meer kommen.

Urige Kirche

Am Loch Awe verpassen wir zunächst die eine Attraktion (Kilchurn Castle), weil wir eine Abfahrt verpassen und finden unver­hofft eine andere, richtig tolle am Wegesrand: St. Conan‘s Kirk! Diese alte Kirche hat richtig viel Flair und ist bestimmt ein heißer Kandidat, auch mal in Filmen mitzu­spielen. Mit dem Kreuzgang, der kleinen, aber feinen Kirche und den tollen Wasser­speiern bekommt man auf kleinem Raum viel geboten!

Räucherei im Nirgendwo

Kurz vor Taynuilt geht es ab zur Räucherei Inverawe Fisheries&Smoker. Über eine zwischen abenteu­erlich und wildro­man­tisch schwan­kende Single-Track-Road fährt man ein ganzes Stück. Gut, dass man auf dem Weg von Schildern bei Laune gehalten wird — wir wären sonst sicherlich umgekehrt…!

Da wir schon in Skandi­navien unsere Liebe für frisch geräu­cherten Fisch entdeckt haben, wandert natürlich auch hier so einiges in den MoMo-Kühlschrank! Ein beson­derer Fund ist dann noch das „Wild Guide“-Buch für Schottland, was ich nach einem kurzen Durch­blättern früh spannend genug halte, dass man es auspro­bieren sollte. Wir werden berichten, ob es etwas kann!

Camping im zweiten Anlauf

Wir sind etwas überrascht, wo heute die Zeit geblieben ist. Klar, wir haben es am Loch Katrine sehr gemütlich angehen lassen und sind spät aufge­brochen. Aber plötzlich ist es schon früher Abend! Man merkt, dass man ähnlich wie in Norwegen, deutlich langsamer als Zuhause voran kommt. Zumindest auf den Neben­strecken.

Wir fahren also den nördlich von Oban gelegenen Camping­platz North Ledaig an. Die Lage direkt an der A828 ist nicht so toll, aber die geschot­terten Stell­plätze mit großen, ebenen Rasen­flächen mit Blick aufs Meer sehen super aus. Aber als wir uns in der Rezeption anmelden wollen, heißt es mitleidig „Sorry, we‘re full!“ Es ist doch erst Anfang Mai!

Wir wählen Plan B. Camping südlich von Oban. Und es sieht zunächst mal gar nicht so gut aus. Denn der Zufahrtsweg ist eng und scheint immer enger zu werden. Dafür aber direkt am Meer entlang und mit reichlich Passing Places, so dass es am Ende überhaupt kein Problem darstellt. Und auch der knorrige Camphost hat einen feinen Humor und weist uns in die Platz­regeln ein. Aber da es noch mehr als reichlich freie Flächen gibt, stellt sich am Ende scheinbar doch jeder so hin wie er will. Und bei dem doch sehr unebenen Gelände um hinteren Bereich des Platzes ist das auch sinnvoll, wenn man halbwegs eben stehen möchte.

Aber als wir das dann nach einigem Hin und Her geschafft haben, können wir getrost den Tisch aufbauen und unser in Callander gekauftes schot­ti­sches Feier­abend­bierchen genießen. Und abends dann einfach mal den Blick auf das gegen­über­lie­gende Inselchen schweifen lassen.

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