Grau zu Blau
2. Juni 2019

Och nööö. Schon wieder Regen. Und beim ersten Spaziergang mit den Hunden schießt Annette zwar schwer stimmungs­volle Bilder in Varia­tionen von grau, aber das ist nicht das, was wir uns für den letzten Tag in den Highlands gewünscht haben.

Priory mit Priority

Unseren Plan, die Inchmahome Priory zu besuchen, geben wir trotzdem nicht auf. Denn der Regen soll im Laufe des Tages aufhören. Diese Abtei ist insofern besonders, als dass sie mitten auf dem See liegt. Wir dürfen also wieder Bötchen fahren!

Als wir uns an den Steg begeben, kommt gerade das kleine Boot an, das uns hinüber bringen wird. Wir kriegen eine gründ­liche Sicher­heits­ein­weisung, setzen uns gerne unter das kleine Vordach und lassen unsere Skipperin im leichten Fissel­regen stehen. Fühlt sich an wie eine Luxus­be­handlung, dass das Boot nur für uns zwei gefahren wird.

Die Insel ist dann ganz anders, als wir uns das vorge­stellt haben. Eher etwas verwildert, was aber für eine ganz eigene Stimmung sorgt. Hier ist nicht so sehr die Ruine der Priory der Star, sondern viel mehr die Natur.

Viele vermooste und urig gewachsene Bäume, die teilweise schon uralt sein müssen, säumen den Uferweg, den man auf keinen Fall auslassen sollte.

Wir nehmen also nicht den direkten Weg zur Ruine der Abtei sondern umrunden erst mal die Insel. Aber als der Regen dann wieder stärker wird sind wir doch froh, dass man sich unter eines der wenigen halbwegs funktio­nie­renden Dächer der Priory stellen kann.

Leider zu nass zum Hinsetzen…

Touri-Shopping

Nachdem wir uns wieder haben zurück­schippern lassen geht es weiter ins nahege­le­genen Aberfoyle. Dort gibt es das Scottish Wool Centre. Angeblich ein Must-see wenn man schot­tische Produkte shoppen will. Wir werden so halb fündig. Eine Verkäu­ferin kann für mich auf wundersame Weise den schwarzen Rollkra­gen­pulli besorgen, der eigentlich ausver­kauft schien.

Annette probiert viele Tweed-Jackets durch, wird aber mit keinem zu 100% glücklich. Und das sollte man bei den hohen (und gerecht­fer­tigten) Preisen für Harris-Tweed dann auch sein. Immerhin gibt es aber noch ein paar Mitbringsel für Zuhause. Und beim Verlassen noch eine Hütehundshow, der ein paar Laufenten durch einen Parcours lotst.

Abschied von den Highlands

Wir machen auf einem kleinen Parkplatz mitten im Grünen erst mal ein Kaffee­päu­schen. Und danach einen Verdau­ungs­spa­ziergang durchs wirklich üppig Grüne.

Denn danach steht Autofahren und der Abschied aus den Highlands auf dem Programm. Wir haben heute schon so viel Zeit mit unseren Unter­neh­mungen verbracht, dass unser optimis­ti­scher Plan „und nachmittags machen wir Edinburgh“ schon Makulatur ist. Müssen wir aufs nächste Mal verschieben.

Wir suchen uns statt­dessen einen Platz aus, der sich gut anhört. Prestonpans liegt östlich von Edinburgh an der Nordsee und es gibt einen Platz direkt am Meer. Gute Alter­native! Wir lassen also auch den Besuch bei den von der Autobahn toll ausse­henden Kelpies aus und fahren straight an Edinburgh vorbei.

In Prestonpans stehen bereits mehrere Womos in Reih und Glied unmit­telbar am Meer. Ganz schön gute Aussicht! Auch wenn die Franzosen neben uns sich ein bisschen ärgern, dass wir Ihnen jetzt in der Sicht auf die (nicht sehr attraktive) Häuser­front des Ortes stehen.

Das Bier des Grauens

Für den Abend haben wir uns einen Ausflug ins Nacht­leben von Prestonpans vorge­nommen. Und zu unserer Verzü­ckung ist es nicht nur sonniger geworden, sondern auch noch richtig warm: 20°! Wir können also lediglich mit einer dünnen Jacke bekleidet nach draußen und würden jetzt auch nicht frieren (Der gemeine Schotte hat während­dessen bereits Shorts und T‑Shirt an). Sensa­tionell!

An der etwas herun­ter­ge­kom­menen Seaside gehen wir spazieren. Die Häuser sehen alle etwas runter­ge­kommen aus und auch der Betonpier, auf dem wir gehen, hat schon bessere Tage gesehen.

Aber Rost und Algen geben dann halt ganz gute Fotomotive ab. Geht schon in Ordnung.

Annette hat das Gothenburg als „the place to be“ ausge­macht. Ein Pub, in dem man auch etwas zu Essen kriegt. Perfekt! Und als wir dort ankommen, sieht alles nach einer richtig guten Pub-Atmosphäre aus. Viele Einwohner, die sich lautstark am Tresen unter­halten, die Männer eher leger, die Frauen eher aufge­brezelt.

Als ich am Tresen nachfrage, wie es mit Essen aussieht, kommt die nieder­schmet­ternde Antwort: „Ab sieben macht die Küche zu.“ Es ist kurz vor sieben und für uns gibt es nichts mehr. Mist. Dann aber immerhin Bier und Chips als Notlösung. Ich bestelle uns ein IPA. Einer Eingebung folgend nur als half-pint, so dass ich mir schon Sprüche von meinem Tresen­nachbarn anhören muss, was dass denn für ein armse­liges Bierchen sei.

Es stellt sich dann aber als Glücksfall heraus, denn das Bier, frisch aus dem Zapfhahn, ist dann die berühmte aus den Asterix-Heften bekannte „lauwarme Cervisia“. Boah, schmeckt das scheisse! Nicht erfri­schend, nicht so, wie sich das der Brauer gedacht hat — kurz vor ungenießbar. Brrrrr!

Die Pommes des Grauens

Da wir immer noch Hunger haben, machen wir uns auf die Suche und treffen die dümmst­mög­liche Entscheidung. Denn schon bei Tripadvior hatten wir einen gemischten Eindruck und als wir zum Pub gingen, sahen wir. eine Familie, die sich gar nicht mal so appetit­liche Pommes teilten.

Aber der Hunger lässt einen manchmal merkwürdige Entschei­dungen treffen. Unsere ist dann auf der nach oben offenen Deppen­skala schon mal bei bekloppt einzu­ordnen. Wir bestellen Haggis bzw. Black Pudding in einer panierten Version zusammen mit Pommes. Und was soll ich sagen: Gar nicht mal so lecker!

Die Pommes so weich, mehlig und und blass, dass sie einem fast schon leid tun können. Der mangelnde Geschmack wird dann mit Tonnen von Salz kaschiert. Die Panade für die eigentlich ganz okayen Haggis und Black Pudding ist zäh und fad. Und alles zusammen liegt schwersten im Magen. Da helfen erst mal zwei(!) Pinnchen Killepitsch, als wir am MoMo ankommen. Gut, dass wir unseren Schnaps dabei haben!

Dafür gibt es dann aber schön stimmungs­vollen Sonnen­un­tergang für unseren wahrscheinlich letzten Abend auf schot­ti­schem Boden.

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