Zu-spät-Tag
1. Juni 2019

Der Regen ist über Nacht heller geworden. Es ist nahezu freundlich.

Wir fahren weiter zum Castle of Aaaaarrrrrrggghhh. Zumindest Monty-Python-Fans wissen jetzt Bescheid. Schottland-Kenner würden jetzt eher vom Castle Stalker sprechen. Eine Wasserburg, wo auch mal wieder die Ritter der Kokosnuss gedreht wurde.

Wir stellen uns auf den Parkplatz vom Castle Stalker View Cafe und gönnen uns nach dem Betrachten der Aussicht Scones und Fish Cake. Wobei das, was die Schotten einem als Cake verkaufen, hierzu­lande dann eher Frika­delle heißen würde.

Glen Coe

Unser Weg führt uns heute ins Glen Coe. Dieses Tal ist nicht zu Unrecht berühmt für seine tolle Landschaft und die schönen Aussichten. Wir können das bestä­tigen und fühlen uns hier wirklich sehr an Norwegen erinnert. Mächtige Berge links und rechts und man fühlt sich noch ein bisschen kleiner, als man als Mensch in dieser Landschaft ohnehin schon ist. Leider spielt das Wetter noch nicht so ganz mit. Es ist schwer bewölkt und zwischen­durch regnet es gerne auch mal.

Was auf dieser Strecke aber ziemlich nervt (zumindest als Fahrer) ist der enorme Verkehr und die doch eher sparsam ausge­baute Straße. Da hat man dann, zusammen mit dem Links­verkehr, nur noch begrenzt Kapazi­täten, um das alles auch wirklich erfassen, geschweige denn genießen zu können.

Immerhin an ein paar Parkplätze steuern wir an, damit ich auch mal gucken kann. Und auch hier wieder mein Gedanke: Wie muss das erst im Sommer sein! Und: für so eine vielbe­fahrene Straße könnten die Schotten durchaus mal ein Lifting spendieren!

Was vom Schafe übrig blieb…

Unser Ziel nach dem Glen Coe ist das Städtchen Killin. Dort gibt es die Falls of Dochart, welche ein Wasserfall mitten in der Stadt sein soll. Hört sich spannend an, fahren wir hin.

Was wir dann sehen, würde ich eher als Strom­schnellen mit Gefälle bezeichnen. So richtig tief fallen tut da nix. Ist uns aber fast egal, da die eigent­liche Attraktion der Stadt etwas anderes ist: Über die Falls führt eine Brücke, die aber so schmal ist, dass es eigentlich einer Ampel bedarf, damit sich keine Staus bilden. Haben sich die Stadt­oberen aber geschenkt und statt­dessen einen hohen Unter­hal­tungswert vorge­zogen.

Die Brücke des Grauens

Denn nicht nur ist es eine schmale Brücke. Nein, sie ist dazu auch noch kurvig angelegt, damit es nicht zu einfach wird. Und sie ist lang, so dass man nicht mal eben in eine Ausweich­lücke zurück­setzen kann. Und auf die netten Mäuerchen am Rande setzen sich auch gerne Kunden des nahege­le­genen Pubs. Also alles ideal vorbe­reitet, um Chaos zu stiften. Und so geschieht es.

Annette überlegt zunächst noch ernsthaft, die Brücke mit den Hunden gar nicht zu betreten, weil sie Sorge hat, dass sie von einem Auto erfasst werden könnten. Die Sroge kann ich ihr aber nehmen. Denn uns entgegen kommen bereits mehrere Autos, aber hinter uns ist auch ein Reisebus schon auf die Brücke gefahren. Und das bedeutet: Still­stand.

Der Busfahrer steht auf dem Stand­punkt: Ich bin dick und lang, ich bewege mich hier schon mal gar nicht, auch wenn hinter mir eigentlich genug Platz zum Zurück­setzen ist, da seine Hinter­männer mitge­dacht haben. Dumm nur, dass die 6 PKWs ihm gegenüber sagen: „Wir sind aber mehr!“ Und so passiert über mehrere Minuten gar nichts mehr. Außer, dass sich der Verkehr staut und staut und staut.

Schließlich muss sich der Busfahrer doch geschlagen geben und setzt rückwärts. Vielleicht, weil er gesehen hat, dass ihm gegenüber jetzt auch schon ein anderer Reisebus in der Schlange steht. Unrer dem Gejohle der Zuschauer setzt sich schließlich die Karawane in Gang und nach 5 Minuten hat sich der Spuk verflüchtigt.

Stau im Nirgendwo

Wir verlassen Killin in Richtung Süden und wollen noch mal nach Callander. Aber nach wenigen Kilometern ist mitten auf der Strecke auf einmal Stau. Nichts geht mehr. Ein Blick auf die Karte verrät uns: Mal eben umfahren kann man den Stau hier in den Highlands nicht. Also bleibt nur abwarten.

Nach mehreren Minuten sehen wir einen Abschlepp­wagen zurück­kommen, der in Killin noch rasant an uns vorbei gefahren war. Anscheinend wurde er aber nicht gebraucht, denn seine Ladefläche ist leer. Nach einiger Zeit kommen uns weitere Rettungs- und Feuer­wehr­wagen entgegen. Alles sieht nach einem größeren Unfall aus. Wir rätseln: Vielleicht ein Motor­rad­fahrer? Oder der Autofahrer, der uns und zwei Motor­räder auf dem Weg nach Killin halsbre­che­risch überholt hat? Wir werden es nicht erfahren, da sich der Stau dann erstaunlich schnell norma­li­siert und auf der Strecke nichts auf einen drama­ti­schen Zwischenfall hindeutet. Sicherlich auch besser so!

Und noch ’n Umweg

In Callander wollen wir noch mal in die Wollen Mill, da wir beide auf dem Kaschmir-Trip sind. Wir sind uns todsicher, dass wir beim letzten Mal um kurz vor sechs dort waren, also durch den Stau nicht wirklich wertvolle Zeit verloren haben. Und sind entspre­chend gebügelt, als wir sehen, dass schon um 5 Uhr Feier­abend war. Ohne Stau hätte das vielleicht noch was werden können…

Wir freuen uns aber, dass endlich die Sonne rausge­kommen ist und wir uns wirklich und wahrhaftig auch mal ohne Jacke wohl fühlen. Das ist jetzt wirklich schon lange her! Und als wir durch Callander fahren, sehen wir einen großen Parkplatz am Fluss, auf dem auch mehrere Womos stehen. Und es gibt eine große Grünanlage und Pubs in der Nähe. Das wäre doch was! Aber als wir auf den Parkplatz fahren, sehen wir auch schon das Schild: No sleeping in vehicles… Und es ärgert mich, dass es offen­sichtlich so viele Idioten gibt, dass so ein Schild nötig ist. Denn eigentlich hätte die Stadt doch richtig was davon, wenn Leute wie wir Geld in Restau­rants und Pubs tragen, anstatt es, wie heute, im Porte­monnaie zu lassen.

Finale am Lake

Annette hat noch eine echte Kurio­sität ausge­kund­schaftet. Wir übernachten nämlich am einzigen See, der in Schottland auch wirklich Lake und nicht Loch genannt wird. Der Lake of Menteith. Neben dem Namen ist das besondere, dass es auf ihm eine Insel gibt, wo wir mit unserer Historic-Scotland-Membership die Inchmahome Priory besuchen können. Stilecht mit Überfahrt.

Heute natürlich nicht mehr, da an der Abfahr­stelle schon alles verriegelt und verrammelt ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Dafür finden wir einen wirklich prima Parkplatz ein paar Hundert Meter weiter. Es gibt drei Parkbuchten, die fast ein bisschen wie Womo-Stell­plätze aussehen. Leider nicht so ganz eben, so dass wir mit den Keilen etwas nachhelfen müssen. Aber dann ist es wirklich ein himmlisch ruhiger Platz mit Blick auf die Bäume vor dem See und dem gelegent­lichen Klopfen eines Spechts im Hinter­grund. Idyllisch.

Bei einem kleinen Abend­spa­ziergang hören wir auf einmal noch jauch­zende Kinder­stimmen. Da ist echt eine vierköpfige Familie in den See gesprungen und hat die Badesaison eröffnet! Als wir den Famili­en­vater auf die Tempe­ratur des Wassers ansprechen, schätzt er mal eben 10°…

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