Sturm­strand
26. Mai 2019

Der Tag fängt so an, wie der gestrige geendet hat. Grau und trüb. Mann, ist das trostlos! Aber wir hatten uns ja an unserem Übernach­tungs­platz eine kleine Spazier­wan­derung ausge­sucht, die man auch bei dem schwachen Niesel­regen getrost machen kann.

Die Cladh Hallan Round­houses hören sich auf dem Papier spannend an: Uralte Häuser, die schon zu Tut-anch-amuns Zeiten bewohnt waren und wo man sogar die einzige Mumie auf den briti­schen Inseln gefunden hat.

Was man dann nach wenigen Minuten in den Dünen findet, sind eher unspek­ta­kuläre, kreis­runde Mauer­über­reste. Da muss man schon Ärchäologe sein, oder halt die Geschichte dazu kennen, um sich länger dort aufzu­halten. Die heutigen Bewohner sind Karnickel und Strand­vögel. Letztere nisten im Sand unter dem Mauerwerk und sind zurecht empört, dass wir stören.

Wir sind aber auch nicht traurig, dass sie uns zum Aufbruch drängen, denn der Niesel­regen inten­si­viert sich gerade. Nach einem kurzen Abstecher zum grauen Strand drehen wir ab in Richtung MoMo. Und obwohl wir gar nicht so lange weg waren, kehren wir durch­nässt zurück. Brrrr…

Ab durch die Mitte

Wir fahren weiter auf der A865. Das ist die Wirbel­säule der Insel. Die Haupt­ver­kehrs­straße, die uns von Süd nach Nord führt. Und was ist die bei diesem Wetter trist! Torfgelb links, Torfbraun rechts, dazu ein paar Strom­masten. Fertig ist die Straße.

Erst als wir wieder ein bisschen näher ans Wasser kommen, wird es spannender. Wir folgen für ein paar Meilen dem Hinweis­schild zu einer Smokery, um dann festzu­stellen, dass die am Sonntag dann aber auch mal Pause machen und alles dicht ist. Sah aber auch alles mehr nach einer indus­trie­ar­tigen Verar­beitung als nach der Handarbeit von Glenuig aus.

Beein­dru­ckend sind dann die Dämme, die die Insel Benbecula mit South- und North-Uist verbinden. Steinwall links, Steinwall rechts und dahinter dann das heute schmutzig-helltürkis leuch­tende, aufge­peitschte Meer.

Der Sturm legt zu

Auf Benbecula kann man von der A865 abfahren und einen Schlenker an der Atlan­tik­küste entlang machen. Puh, stürmt das! Am ersten Aussichts­punkt verkneifen wir uns noch das Aussteigen. Zu ungemütlich sieht das aus.

Aber als wir vor Nunton kurz die Dünen und die Brecher auf dem Atlantik sehen, ist uns klar, dass wir doch noch mal an den Strand müssen. Und es führt ein Sträßchen zu einem halbwegs windge­schützten Strand­park­platz hinter den Dünen. Perfekt!

Und ich weiß gar nicht, wofür ich mich mehr begeistern soll: Für die eindrucks­volle Kulisse der breit auslau­fenden Wellen­berge, die in der Bucht ankommen oder die verros­teten Ölfässer, die in einer Dünen­senke so ungewöhnlich arran­giert sind, dass man unwill­kürlich an ein Kunstwerk denkt.

Auch nach diesem kurzen Ausflug sind unsere Klamotten natürlich wieder feucht. Heute ist wirklich ein Tag, an dem man die Natur­ge­walten spürt!

Wir überlegen kurz, ob wir heute wegen des von Westen kommenden Sturms an der Ostseite der Insel nicht besser aufge­hoben wären. Die Insel Flodda finden wir ja schon wegen des Namens charmant, stellen aber auch fest, dass am Ende des Weges ein Buswen­de­platz ist, an dem man nicht stehen möchte, da zwei mal täglich der Bus vorbei­kommt… Aber landschaftlich war bei diesem Wetter Flodda auch nicht der Brüller. Da sind wir von den Hebriden anderes gewohnt!

Traum­platz

Wir sind mutig und fahren doch wieder an die Westküste. Auf North Uist angekommen steuern wir die Insel Samala an, wo es einen Picknick­platz geben soll. Und man ahnt bis zum Schluss nicht, an was für einem tollen Strand man diesmal rauskommen wird.

Sehr weit, sehr weiß, sehr umtost. Denn der Sturm hat jetzt wohl seinen Höhepunkt erreicht. Da ich aber das MoMo geschickt in den Wind stelle, hören wir zwar das Pfeifen, stehen aber erstaunlich stabil und werden kaum durch­ge­rüttelt. Hinaus­gehen wollen wir aber lieber nicht: Innerhalb von Sekunden ist die Windschutz­scheibe vom Regen zu einer Zerrfolie umfunk­tio­niert worden, durch die man das Meer nur noch erahnen kann. Brrrr!

Nach einer längeren Kaffee- und Lesepause passiert aber ein kleines Wunder: Wir sehen erst ein kleines bisschen blau am Himmel und spüren, dass der Wind deutlich nachge­lassen hat. Schnell nutzen wir die Gelegenheit und gehen mit den Hunden nach draußen. Boah, ist das schön!

An einigen Stellen sieht man das Meer glitzern und kriegt erst beim Spazieren ein Gefühl für die Weite des Strandes. Die berühmte Stille nach dem Sturm hat einge­setzt. Auch wenn es immer noch bedrohlich dunkel am Horizont links und rechts von uns aussieht.

Aber der schlimmste Regen ist jetzt wirklich durch und wir können uns wieder auf sonnigere und hoffentlich auch wieder etwas wärmere Tage freuen. Denn beim Steine­fo­to­gra­fieren bekomme ich dann doch irgendwann klamme Finger.

Die Hebriden machen ihrem Ruf als Nordland im Augen­blick wirklich alle Ehre! Aber wir lieben es ja so.

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