Fotogra­f­en­traum
27. Mai 2019

Das Wetter hat sich wieder beruhigt. War ja auch wirklich nicht schön die letzten beiden Tage! Am Morgen zeigt sich der blaue Himmel noch etwas zaghaft. Das Wetter weiß noch nicht so recht wo es hin will, gibt sich aber deutlich Mühe.

So sehr, dass wir gegen Mittag zu einem längeren Strand­spa­ziergang aufbrechen. Auch, wenn es noch bedeckt ist, sehen wir in der Ferne doch größere blaue Streifen am Stück. Die Sonne hat es noch nicht bis zu uns geschafft, aber an den nördlicher gelegenen Küsten­streifen sehen wir den Strand hellgelb leuchten.

Rostköppe

Unseren Fund des Tages machen wir nach einem guten Kilometer. Am Strand liegen die Überreste eines komplett verros­teten Boots­ge­rippes. Also, vermuten wir. Denn so richtig nach Boot sieht es nicht mehr aus, aber wofür sollen die zwei Motor­blöcke sonst gut sein?

Als Annette mich darauf anspricht, dass das ja wohl zwei Charak­ter­köpfe seien, fällt bei mir auch der Groschen und ich kann es nicht mehr nicht sehen: Das sind echt zwei Rostköpfe, die sich da zur Schau stellen!

Und während ich mich fotogra­fisch abmühe, den richtigen Ausschnitt, den richtigen Winkel und die richtige Brenn­weite zu finden, um diesen rostigen Traum abzulichten, macht Annette sich auf den Weg Richtung Sonne. Und wird fündig.

Ich widme mich schließlich noch den ganzen kleinen Dingen, die einen Strand so erlebenswert machen. Jeder sollte einen Strand vor der Haustür haben — das macht einfach glücklich!

Sunny North Uist

Es kann ja sein, dass ich dem Südteil von Uist unrecht tue. Aber hier im Norden gefällt es mir einfach besser. Und alleine vom Wetter her scheint es auch freund­licher zu sein: Während wir im Süden dicke Wolken abregnen sehen scheint hier im Norden jetzt satt die Sonne.

Der Himmel wird immer blauer und es liegt auf einmal eine rechte Frühlings­stimmung in der Luft. Dazu die herrlich klare und frische Luft: So haben wir uns das vorge­stellt.

Unseren Camping­platz in Balranald haben wir gestern in weiser Voraus­sicht vorge­bucht. Wir haben mittler­weile verstanden: Hier kriegt man nicht mal eben so oder auf jeden Fall noch einen Platz mit Strom. Denn unsere andere Alter­native in Moorcroft war komplett ausge­bucht und auch hier haben wir für letzte Nacht keinen Platz mehr bekommen. Und verlängern ist leider auch nicht möglich, da der Platz für Morgen auch schon wieder ausge­bucht ist. Was schade ist, da es ein sehr feiner, kleiner Platz mit neuesten Facilities ist: dicke Empfehlung!

Wir machen es uns erst mal gemütlich und genießen das Draußen­sitzen in der strah­lenden Sonne — zumindest, wenn man im Windschatten sitzt, denn es weht ein durchaus kräftiger und eisiger Nordwind.

Amazing wildlife in a treeless landscape

Nachdem wir uns genug ausgeruht haben, wollen wir noch den Rundweg durchs nordwestlich von uns gelegene Balranald Nature Reserve machen. Gute Idee!

Wir gehen den vorge­se­henen Rundweg durch das Natur­re­servat aller­dings in umgekehrter Richtung gegen den Uhrzei­gersinn, da wir erst mal gucken, was der Strand kann, der quasi 1 Minute vom Camping­platz entfernt liegt. Und wie bei allen Stränden der Hebriden: Der kann was!

Elli tobt mit einem Border-Collie den Strand auf und ab und wir kommen mit seiner Besit­zerin ins Gespräch. Sie ist Sekre­tärin an der weiter­füh­renden Schule auf Uist und erzählt uns, dass ein paar Lehre­rinnen, welche jeden Tag die Fähre von Barra nehmen, nicht zur Schule gekommen sind, da die Fähre wohl einen Defekt habe. Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt! (Auch wenn es schlimmere Dinge gibt, als auf Barra gestrandet zu sein)

Der Rundgang durch das Natur­schutz­gebiet ist dann ein einziger Genuss. Man kann sich nicht entscheiden, ob man die Aussichtin die Bucht toller finden soll oder dann doch lieber den Weg, der vor einem liegt.

Ganz unschot­tisch ist der Weg diesmal sehr gut und sorgfältig gekenn­zeichnet und erkennbar. Es sieht fast so aus, als habe jemand mit einem kleinen Rasen­mäher einen Pfad in die Gänse­blüm­chen­wiese gemäht, durch die wir gehen.

Von den hier brütenden Vögeln sieht man zunächst wenig, dann aber immer mehr. Und im äußersten Zipfel der Halbinsel ist es dann für Ornitho­logen sicherlich ein Fest: Die verschie­densten Vögel stoßen ihre Rufe aus, segeln durch die Luft oder stolzieren hin und her. Da kann ich verstehen, dass wir bei der Anfahrt hierhin Fotografen mit den ganz dicken Geschützen gesehen habe.

Als wir gegen acht Uhr wieder am MoMo ankommen, steht die Sonne immer noch recht hoch am Himmel. Man merkt, dass es gegen Sommer­son­nen­wende geht. Vor 11 Uhr wird es nicht wirklich dunkel. Aber unser Rhythmus stellt sich so langsam um. Annette stellt sich in die Küche und zaubert wieder ein leckeres Abend­essen mit Puff Pastry. Und wir gehen einfach entspre­chend später ins Bett, dann passt das auch wieder.

Aber als ich schon am Blogeintrag schreiben bin, meldet sich dann doch noch mal die Sonne mit einem tollen Untergang zu Wort. Ich gehe also noch mal kurz raus, auch wenn ich heute eigentlich schon genug frische klare Luft hatte. Aber wenn es sich so lohnt: Die Hebriden sind bisher ein feuchter Fotogra­f­en­traum!

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht und die tollen Fotos!

    Antworten
    • Danke für das nette Feedback!

      Antworten

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