Strandnirvana

Um es mal direkt vorwegzunehmen: Ja, wir wissen, dass wir uns komplett unglaubwürdig machen, wenn wir heute schon wieder vom „schönsten“ Strand reden. Und wahrscheinlich wird es uns hier auf den Hebriden sogar noch ein paar mal passieren, dass wir wieder so in Entzückung geraten.

Aber so einen Platz wie diesen, den wir heute fast mehr durch Zufall entdeckt haben, gibt es einfach nicht so oft. Ziemlich sicher sogar. Denn heute ist uns beim Fahren über die Kuppe vor dem Strandplatz schlicht die Kinnlade runtergeklappt. Und das, obwohl wir auf der Fahrt hierhin schon mehr als genug traumhafte Ausblicke hatte.

Wir schauten unterwegs auf surreal breite Strände, die man mit einer schnöden Fotografie nicht mehr wirklich wiedergeben kann.

Auf pittoreske, strohgedeckte und weiß gekälkte Häuschen vor dem herrlichsten Strandpanomrama.

Auf azurfarbenes Wasser in allen möglichen Schattierungen, welches am Horizont verheißungsvoll leuchtet.

Und hier haben wir das ganze jetzt in epischer Breite vor uns liegen. Auch wieder so breit und spektakulär, dass die Netzhaut Purzelbäume schlägt, um das alles zu verarbeiten.

Planänderung

Diese Bucht an den Clachan Sands bietet für uns alles, was das Womoreisen so toll macht. Denn nicht nur ist die Aussicht grandios. Nein, es gibt einen offiziellen Stellplatz, zur Verfügung gestellt vom lokalen Landwirt, der mit 10£ in die Honesty Box entlohnt wird und dafür recht ebene Grasplätze, Picknicktische, Frischwasser und einen Müllcontainer bietet.

Für uns ist nach wenigen Minuten klar, dass wir unseren eigentlichen Plan mal wieder verwerfen werden. Wir hatten nämlich gestern bereits im Westford Inn, dem “einzigen” Pub auf North Uist, für heute einen Tisch fürs Abendessen reserviert und uns schon drauf gefreut, dass man dort dann auch gerne nach ein oder zwei Bierchen übernachten darf.

Die Anfahrt auf dem schotter-sandigem Weg wirkt auf den ersten Blick durchaus womoabschreckend, lässt sich aber durchaus passabel fahren. Und ganz große Angsthasen (zu denen zumindest eine Hälfte der MoMo-Besatzung nicht gehört) können auch ihr Fahrzeug erst mal am schön gelegenen Doppelfriedhof ca. 500m vorher abstellen. Aber seid euch sicher: Ihr werdet das Fahrzeug später dann doch den geschwungenen Weg mit dem kurvigen Gefälle entlangfahren, um länger etwas von dieser Aussicht zu haben!

Da wir hier mal wieder am Ende der Welt stehen, gibt es standesgemäß auch keinen Mobilfunkempfang. Aber netterweise leiht mir unsere Nachbarin Marilyn ihr Handy, mit dem sie (komischerweise ebenfalls mit Vodafone) Empfang hat, damit ich dort absagen kann. Und wir kommen mit ihr und ihrem Mann ins Gespräch, da beide einen Hymer 4×4 fahren, der schon mal nicht ganz verkehrt aussieht. Vor allem der Stauraum ist gegenüber unserem MoMo natürlich um Galaxien besser und man sieht ihm seine 7m Länge gar nicht mal so sehr an. Nice vehicle! Die beiden machen übrigens alles richtig: Sie haben sich für 2 Monate auf dem Campingplatz in Balranald eingemietet und haben auch ansonsten anscheinend alle Zeit der Welt für schöne Touren.

Was bisher geschah

Bevor wir an diesen Traumplatz gekommen sind, haben wir allerdings schon ordentlich was gemacht. Für unsere Verhältnisse sind wir früh aufgestanden, damit wir um 10 Uhr an der „guided tour“ mit einem Ranger vom Vogelschutzreservat der RSPB (Royal Society for Protection of Birds) teilnehmen können.

Nicht, weil wir besonders viel über Vögel wissen oder ornithologische Ambitionen haben. Sondern, weil es immer Spaß macht, auf so einer Tour ein bisschen etwas mitzunehmen, was man vorher noch nicht wusste. Also fragt uns bitte nicht nach Namen von Vögeln, die wir gesehen haben: Hoffnungslos. Bis auf den Corncrake, den Wachtelkönig, haben wir uns da nix merken können. Und der Corncrake ist vor allem deswegen so spannend, weil man ihn häufig hört, aber so gut wie nie sieht. Sein Ruf klingt, als würde man mit einem Nagel einen dicken Kamm entlang ratschen.

Lohnenswerte Guided Tour

Spannend ist es auch, zu hören, wie ungewöhnlich die Landwirtschaft hier funktioniert, damit dieses Vogelschutzgebiet erhalten bleiben kann. Denn das Land gehört nicht der RSPB, sondern den Bauern, die aber eine Vergütung bekommen, damit sie ökologisch wertvoll wirtschaften. Also keine Pestizide oder Herbizide und eine ganz bestimmte Ackerfolge, damit die Böden nährstoffreich bleiben.

Gestern auf unserer Wanderung haben wir schon Sandfelder gesehen, die ein bisschen nach Acker aussahen. Wir konnten uns aber kaum vorstellen, dass da wirklich was drauf wächst.

Heute haben wir gelernt, dass dort in der Tat Hafer und Roggen angebaut werden können, obwohl der Boden so sandig aussieht, als würde da kein Saatgut drin halten, geschweige denn wachsen. Aber gerade dieser sandig-torfige Dünengrasboden, die Machair, ist das besondere an den Hebriden. Ein Boden aus diesem feinen Muschelsand, der auch die Strände so unvergleichlich macht.

Was wir leider nur in den Anfängen mitkriegen, ist die tolle Wildblumenblüte, die hier in ein paar Wochen so richtig loslegen soll und dann die Wiesen in ein noch größeres Spektakel verwandeln als wir es gestern schon fanden. Das ist bestimmt super!

Und am Ende der Tour drehen über uns am Himmel noch 2 Seeadler ihre Kreise. Nichts zum Fotografieren, da sie so weit weg sind, aber mit Fernglas ein eindrucksvoller Anblick.

What the people say

Wir haben uns heute übrigens mit vielen Leuten über unsere anstehende Weiterfahrt nach Skye unterhalten. Und von “lovely” bis “bloß nicht!” waren alle Meinungen vertreten. Es sei crowded und meistens regnerisch-nebelig. Es sei, sobald man die Hauptstraße mit den Haupttouristenattraktionen verlässt, großartig und gewaltig. Wie gut, dass wir uns da bald selbst ein Bild von machen dürfen!

Noch mehr Strand

Am Nachmittag entdecken wir dass hinter den Clachan Sands ein noch viel größerer Strand in südlicher Richtung liegt. Der helle Wahnsinn! Wir gehen ihn entlang und wundern uns schon nicht mehr, dass uns trotz Prachtwetters nur ein einziger Spaziergänger entgegenkommt. Elli kann also nach Herzenslust toben und rasen.

Am Ende der Bucht kommt man an eine Art Mündungsbucht, denn das Meerwasser sieht hier wirklich so klar aus wie Trinkwasser. Unglaublich schön!

Der x-te tolle Sonnenuntergang

Sonnenuntergang geht ja immer. Der Himmel weiß noch nicht so recht, wo er heute mit seiner Lightshow hin will. Zunächst vielversprechend, dann eher gedämpft und im Finale dann noch mal großes Kino.

Besonders gut machen ihre Arbeit als Statisten heute die Austernfischer, die sich kurz vor Sonnenuntergang alle am Rande der sanften Wellen zum Stelldichein treffen und andächtig still ein letztes Sonnenbad nehmen.

2 Kommentare
  1. Frohmi sagte:

    Ach herrje, wie schööön! Da werd ich ja schon ganz hibbelig, da müssen wir unbedingt nochmal hin!!! Danke für die Erinnerung 😊

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    • Michael sagte:

      Bei den Clachan Sands habe ich auch an euch gedacht. Da waren auch andere Kitesurfer, die ihr ganzes Equipment den langen Strand entlang geschleppt haben. Aber ich wüsste nicht, ob man mit eurem Schlachtschiff den Zufahrtsweg fahren kann…

      Antworten

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