Goodbye, Hebrides!

Die Nacht war wieder mal eisig. Von den Temperaturen her könnte es gerne mal 5 Grad mehr sein. Denn wir schielen immer noch auf unseren Gasvorrat. Auch wenn wir heiztechnisch sehr sparsam unterwegs sind, wird das noch eine enge Kiste. Momentan sieht es dennoch eher danach aus, dass wir wahrscheinlich mit dem letzten Hauch von Gas nach Hause kommen werden…

Kalt und doch nicht kalt

Beschweren können wir uns über das Wetter allerdings im Großen und Ganzen nun wirklich nicht. Denn auch wenn das Thermometer 10° anzeigt: In der Sonne lässt es sich mit langer Hose und Pullover locker aushalten. Und ein gutes hat es auch: Alle unsere kurzen Sachen müssen zuhause gar nicht mehr gewaschen werden, sondern können unbenutzt in den Kleiderschrank zurück…

Entsprechend angezogen kann man nämlich den auch heute noch grandiosen Ausblick ganz entspannt genießen. Der Wind ist etwas schwächer und somit fühlt sich alles direkt einen Tacken wärmer an als gestern.

Die Ebbe hat ihren Höhepunkt erreicht und das Meer ist weit, weit von uns entfernt, als wir den obligatorischen Strandspaziergang machen. Und sie hat ganz wunderbare wellenförmige Rinnen in den Sand gezaubert, in denen man sich glatt verlieren kann: Endlose Weite.

Next island

Nachdem wir reichlich und ausgiebig Abschied von diesem großartigen Platz gefeiert haben, brechen wir auf. Morgen soll unsere Fähre nach Skye gehen, aber wir haben vorher noch eine Insel auf dem Plan: Berneray. Das ist die kleine Insel nördlich von Uist, die aber mal wieder über einen Damm erreicht werden kann.

Und man glaubt es kaum: Obwohl sie nur ein paar Meilen weiter gelegen ist, hat sie doch wieder eine ganz anderen, eigenen Charakter.

Am Südwestzipfel, inmitten einer weiten Weidelandschaft parken wir auf einem Wanderparkplatz, um eine kleine Runde zu machen. Diese leicht hügelige Wiesenlandschaft mit Blümchenwiese ist von Schafen und Kühen so flach gemäht, wie es kaum ein Rasenmäher besser hinkriegen würde. Mit dem Unterschied, dass die Tiere die Blümchen stehen lassen und es einfach ganz bezaubernd aussieht. Eine Mischung aus Teletubbyland und Auenland. Fehlen nur noch die Hobbithöhlen…

Bull in the field. Diesmal wirklich.

Als wir am Weststrand von Berneray entlanggehen (natürlich inklusive klarem Wasser und feinem Sand) wird Annette auf einmal klar, dass das jetzt unser letzter Strand auf den Hebriden sein wird. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, dass jeder Strand so schön ist! Da ist jetzt der Abschiedsschmerz schon enorm und die Pläne für das Wiederkommen werden geschmiedet – wir sind noch nicht fertig mit euch, Hebriden!

In den mächtigen Dünen gibt es genau einen Durchgang zurück zum Auto. Und in dem steht: eine Kuh. Sehr stoisch, sehr gemütlich. Aber ich fühle mich natürlich sofort an unser unschönes Erlebnis mit der vorwitzigen Kuh auf Barra erinnert. Mal gucken, was diesmal passiert.

Und als wir den Engpass passiert haben, sehen wir auch die Herde. Und den Bullen, der das ganze beaufsichtigt. Was ein Brummer! Gefühlt mindestens das Doppelte von einer normalen Kuh. Er nimmt aber nicht wirklich Notiz von uns, sondern hat anscheinend andere Sorgen. Zumindest steht er sehr eng und willig neben einer Jungkuh…

Wir fragen uns trotzdem, wie wir da jetzt vorbeikommen. Vor allem wegen der Hunde. Und da hilft es auch nichts, dass uns die freundliche ältere Dame neben uns erzählt, dass ja immer mal wieder Leute durch einen Bullen zu Tode kommen.

Wir warten zunächst geduldig ab, bis die Herde etwas weiter gezogen ist und gehen dann mit den Hunden in großem Bogen vorbei. Aber der Bulle scheint schon registriert zu haben, dass wir unterwegs sind. Guckt der nicht gerade ganz auffällig genau in unsere Richtung? Annette hat die Idee, dass wir ja die Hunde auf den Arm nehmen könnten, damit er nicht die Vierbeiner als potentiell gefährlich entdeckt. Also nehmen wir Elli und Mia auf den Arm und schreiten zügigen Schrittes und zunehmend schwitzend Richtung Gatter am Parkplatz.

“Geschafft!” ruft uns der Mann, der mit uns zusammen losgegangen war, auf deutsch zu. Hundelos war er deutlich schneller als wir. Als ich ihn frage, woher er denn käme, ist die Überraschung perfekt: Er ist ein Deutschlehrer aus Newcastle, spricht einwandfreies Deutsch, hat sogar einen leichten badischen Akzent und erkennt sogar unser Autokennzeichen RS als Remscheid! Sachen gibt’s…

Tristes Fährterminal

In Lochmaddy, wo unsere Fähre abfährt, ist der Hund begraben. Das hatten wir uns irgendwie doch ein bisschen mehr wie Stadt vorgestellt! Immerhin gibt es aber das Lochmaddy Hotel, wo wir abends den Abschied von unseren jetzt schon heißgeliebten Äußeren Hebriden mit einem leckeren Essen feiern. Scallops, die Jakobsmuscheln, schmecken hier einfach noch mal ein paar Tacken besser als auf dem Festland. Und auch mein Seebarsch ist so frisch und saftig, dass es eine Freude ist.

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