Goodbye, Hebrides!
29. Mai 2019

Die Nacht war wieder mal eisig. Von den Tempe­ra­turen her könnte es gerne mal 5 Grad mehr sein. Denn wir schielen immer noch auf unseren Gasvorrat. Auch wenn wir heiztech­nisch sehr sparsam unterwegs sind, wird das noch eine enge Kiste. Momentan sieht es dennoch eher danach aus, dass wir wahrscheinlich mit dem letzten Hauch von Gas nach Hause kommen werden…

Kalt und doch nicht kalt

Beschweren können wir uns über das Wetter aller­dings im Großen und Ganzen nun wirklich nicht. Denn auch wenn das Thermo­meter 10° anzeigt: In der Sonne lässt es sich mit langer Hose und Pullover locker aushalten. Und ein gutes hat es auch: Alle unsere kurzen Sachen müssen zuhause gar nicht mehr gewaschen werden, sondern können unbenutzt in den Kleider­schrank zurück…

Entspre­chend angezogen kann man nämlich den auch heute noch grandiosen Ausblick ganz entspannt genießen. Der Wind ist etwas schwächer und somit fühlt sich alles direkt einen Tacken wärmer an als gestern.

Die Ebbe hat ihren Höhepunkt erreicht und das Meer ist weit, weit von uns entfernt, als wir den obliga­to­ri­schen Strand­spa­ziergang machen. Und sie hat ganz wunderbare wellen­förmige Rinnen in den Sand gezaubert, in denen man sich glatt verlieren kann: Endlose Weite.

Next island

Nachdem wir reichlich und ausgiebig Abschied von diesem großar­tigen Platz gefeiert haben, brechen wir auf. Morgen soll unsere Fähre nach Skye gehen, aber wir haben vorher noch eine Insel auf dem Plan: Berneray. Das ist die kleine Insel nördlich von Uist, die aber mal wieder über einen Damm erreicht werden kann.

Und man glaubt es kaum: Obwohl sie nur ein paar Meilen weiter gelegen ist, hat sie doch wieder eine ganz anderen, eigenen Charakter.

Am Südwest­zipfel, inmitten einer weiten Weide­land­schaft parken wir auf einem Wander­park­platz, um eine kleine Runde zu machen. Diese leicht hügelige Wiesen­land­schaft mit Blümchen­wiese ist von Schafen und Kühen so flach gemäht, wie es kaum ein Rasen­mäher besser hinkriegen würde. Mit dem Unter­schied, dass die Tiere die Blümchen stehen lassen und es einfach ganz bezau­bernd aussieht. Eine Mischung aus Teletubbyland und Auenland. Fehlen nur noch die Hobbit­höhlen…

Bull in the field. Diesmal wirklich.

Als wir am Weststrand von Berneray entlang­gehen (natürlich inklusive klarem Wasser und feinem Sand) wird Annette auf einmal klar, dass das jetzt unser letzter Strand auf den Hebriden sein wird. Wie schnell man sich daran gewöhnen kann, dass jeder Strand so schön ist! Da ist jetzt der Abschieds­schmerz schon enorm und die Pläne für das Wieder­kommen werden geschmiedet — wir sind noch nicht fertig mit euch, Hebriden!

In den mächtigen Dünen gibt es genau einen Durchgang zurück zum Auto. Und in dem steht: eine Kuh. Sehr stoisch, sehr gemütlich. Aber ich fühle mich natürlich sofort an unser unschönes Erlebnis mit der vorwit­zigen Kuh auf Barra erinnert. Mal gucken, was diesmal passiert.

Und als wir den Engpass passiert haben, sehen wir auch die Herde. Und den Bullen, der das ganze beauf­sichtigt. Was ein Brummer! Gefühlt mindestens das Doppelte von einer normalen Kuh. Er nimmt aber nicht wirklich Notiz von uns, sondern hat anscheinend andere Sorgen. Zumindest steht er sehr eng und willig neben einer Jungkuh…

Wir fragen uns trotzdem, wie wir da jetzt vorbei­kommen. Vor allem wegen der Hunde. Und da hilft es auch nichts, dass uns die freund­liche ältere Dame neben uns erzählt, dass ja immer mal wieder Leute durch einen Bullen zu Tode kommen.

Wir warten zunächst geduldig ab, bis die Herde etwas weiter gezogen ist und gehen dann mit den Hunden in großem Bogen vorbei. Aber der Bulle scheint schon regis­triert zu haben, dass wir unterwegs sind. Guckt der nicht gerade ganz auffällig genau in unsere Richtung? Annette hat die Idee, dass wir ja die Hunde auf den Arm nehmen könnten, damit er nicht die Vierbeiner als poten­tiell gefährlich entdeckt. Also nehmen wir Elli und Mia auf den Arm und schreiten zügigen Schrittes und zunehmend schwitzend Richtung Gatter am Parkplatz.

“Geschafft!” ruft uns der Mann, der mit uns zusammen losge­gangen war, auf deutsch zu. Hundelos war er deutlich schneller als wir. Als ich ihn frage, woher er denn käme, ist die Überra­schung perfekt: Er ist ein Deutsch­lehrer aus Newcastle, spricht einwand­freies Deutsch, hat sogar einen leichten badischen Akzent und erkennt sogar unser Autokenn­zeichen RS als Remscheid! Sachen gibt’s…

Tristes Fährter­minal

In Lochmaddy, wo unsere Fähre abfährt, ist der Hund begraben. Das hatten wir uns irgendwie doch ein bisschen mehr wie Stadt vorge­stellt! Immerhin gibt es aber das Lochmaddy Hotel, wo wir abends den Abschied von unseren jetzt schon heißge­liebten Äußeren Hebriden mit einem leckeren Essen feiern. Scallops, die Jakobs­mu­scheln, schmecken hier einfach noch mal ein paar Tacken besser als auf dem Festland. Und auch mein Seebarsch ist so frisch und saftig, dass es eine Freude ist.

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