Failte gu Alba
8. Mai 2019

Unsere Kabine erweist sich als gute Wahl. Denn im Liegen lässt sich das manchmal doch recht heftige Schaukeln ganz gut aushalten. Im besten Fall ist es so, als würde man in den Schlaf gewiegt, im schlimmsten Fall ist es wie kurz nach einer Fahrt mit dem Break­dancer auf der Kirmes. Ganz so erholsam, wie ich mir die Nacht vorge­stellt habe, ist sie dann leider nicht. Aber ich bin, was Seekrankheit angeht, auf einer Skala von 1–10 auch eher auf der Mimosen­seite zu finden…

Breakfast mit Unter­hal­tungswert

Um 7.30 Uhr öffnet der Breakfast Club seine Pforten. Und wer meint, dass sich so früh nur ein paar verstrahlte Gestalten einfinden, wird schnell eines besseren belehrt. Es füllt sich zusehends. Und als Punkt halb Acht die heiligen Hallen geöffnet werden, schwankt eine an die White Walker von Game of Thrones erinnernde Masse von Frühstücks­zombies zum Essen.

Und wir haben Glück, dass wir dazu gehören. Denn so kriegen wir noch einen Top-Deluxe-Platz am Fenster und müssen uns nicht in die langen Schlangen einreihen, die sich bald darauf am Buffet bilden. Wo kommen all die Leute her?

Ein junger Kellner kommt elegant mit einem Tablett frisch gepresstem O‑Saft zu mir. Und da die Kaffee­kannen zuvor auch an die Tische gebracht wurden, greife ich gerne zu. Ach, die kosten dann extra? Gutes Geschäfts­modell… Ist mir aber egal, denn ich brauche nach dieser Nacht nicht nur Koffein, sondern gerne auch ein paar Vitamine!

Beim Frühstück können wir dann schöne Charak­ter­studien betreiben. Unser Favorit: das Mittdrei­ßi­ger­pärchen, dass sich abwech­selnd liebevoll mit seinem hinrei­ßenden Baby beschäftigt. Aber auch die grimmig drein­schau­enden, asketi­schen Senioren in ihrem neonfar­benen Radfah­r­outfit sind spannend. Und ein echtes Gesamt­kunstwerk ist der ältere, grauhaarige Mann mit Mahatma-Ghandi-Brille, Konfu­zi­usbart, Strick­kippa und Kreuz­kettchen. Mehr Spiri­tua­lität geht echt nicht!

Alle Mann von Bord

Bei stürmi­schem Regen (oder regne­ri­schem Sturm?) kommen wir in Newcastle an. Und trotzdem ist uns das Wetter zunächst mal herzlich egal. Wir sind da!

Und nach einer erstaunlich kurzen (aber für EU-Verhält­nisse trotzdem gründ­lichen) Grenz­kon­trolle verab­schiedet sich der Grenz­beamte mit einem deutschen „Vielen Dank!“ und wir stürzen uns in den Links­verkehr. Und das klappt erstaunlich gut, da man mit jeder Meile, wie in einem Tutorial, an Kreis­ver­kehre und mehrspu­riges Fahren heran­ge­führt wird. Und in Newcastle ist dann richtig was los. Aber hier mache ich auch erste Bekannt­schaft mit der Höflichkeit der Engländer. Als ich mich an einer Stelle falsch einge­ordnet habe und die Spur wechseln muss, hält man sofort Abstand, als ich blinke und lässt mich die Spur wechseln. Klasse!

Durch Northum­berland

Bald hinter Newcastle wird es einsam. Auf der A696 herrscht angenehm wenig Verkehr, so dass wir entspannt hinter einem LKW hinter­her­dümpeln können. Die Landschaft wird karger, mooriger und es tauchen die ersten Schafe und gelben Ginster­sträucher auf. Und da zu dieser Landschaft ein trüber Niesel­regen eigentlich ganz gut passt, sind wir gar nicht mal so enttäuscht, dass das Wetter zu Beginn unserer Reise nicht so gut ist.

Kurz vor der „Border“ machen wir im Northum­berland National Park Station im Kielder Forest. Anscheinend ein Gebiet wo trotz Natio­nal­parks Forst­wirt­schaft betrieben wird. Wir beschließen, uns erst mal die Beine zu vertreten und auch den Hunden ein bisschen Auslauf zu verschaffen. Außer uns ist nur der Förster unterwegs. Und so können wir in aller Ruhe am dahin­plät­schernden Bach entlang spazieren und langsam reali­sieren, dass wir wirklich angekommen sind.

Eine poo-Fairy!
Eine poo-Fairy!
Killersheep?
Killersheep?
Das mit dem Gewicht war knapp...
Das mit dem Gewicht war knapp…

Regen-Abbey

Nach wenigen Meilen haben wir die schot­tische Grenze erreicht. Und das obliga­to­rische Foto vor dem „Welcome to Scotland“-Schild macht vor uns schon ein Auktio­nator indem er die komplette Spur blockiert. Der weiß, wie‘s geht!

Wir fahren weiter bis Jedburgh, um die dortige Abbey zu besich­tigen. Damit man das darf, lohnt es sich, vor allem aus psycho­lo­gi­scher Sicht, eine Jahres­mit­glied­schaft für Historic Scotland zu erwerben. Kostet für 2 Erwachsene zusammen 101£. Hiermit kann man dann jede Sehens­wür­digkeit besuchen, die zum Portfolio gehört. Und der psycho­lo­gische Vorteil ist, dass man ab sofort gar nicht mehr drüber nachdenkt, ob man etwas besich­tigen will oder nicht. Man macht es einfach. Ob es sich am Ende für uns finan­ziell gerechnet hat, werde ich nachreichen.

Im Gespräch erklärt uns die freund­liche Kassie­rerin dass wir zusätzlich noch 20% Rabatt in den Shops erhalten (praktisch! Dann ist der angegebene Pfund-Preis quasi der Euro-Preis) und dass in Schottland wirklich jedes ‑burgh so wie bei Edinburgh ausge­sprochen wird: Also Jed-boro. Oder mit schot­ti­schem Akzent gerne auch direkt Jed-bra.

Natürlich kriegen wir als Members auch noch einen kosten­losen Audio­guide mit auf die Besich­tigung. Also los!

Die Ruine der Abbey ist dann auch wirklich sehenswert in Szene gesetzt und bietet viele, viele Fotoge­le­gen­heiten. Und das alles bei mehr als beschei­denem Wetter!

Und einen dieser herrlich angegam­melten Friedhöfe mit verbli­chener Schrift und leicht schräg stehenden Grabsteinen gibt es als Bonus dann auch noch.

Ain‘t no money in Jedburgh

Da es sich langsam, aber sicher einregnet, verlassen wir das Gelände der Abbey und gehen in die Stadt, um endlich Geld zu wechseln.

Am ersten Geldau­to­maten denke ich noch „Kann ja mal passieren“ als die Meldung kommt, dass er leider außer Betrieb ist. Aber auch an der Royal Bank of Scotland das gleiche Spiel! Und mehr Banken und Geldau­to­maten scheint es nicht zu geben. Was nun?

In einem kleinen Super­markt wollen wir uns mit ein paar Dingen versorgen und mit Karte zahlen. Aber auch hier: Bargeld­loses Zahlen leider nicht möglich. Und meine Freude über den Geldau­to­maten im Laden verfliegt recht schnell, als klar wird, dass der einen so ungüns­tigen Umrech­nungskurs verwenden möchte, dass wir am Ende 20€ für die Trans­aktion bezahlt hätten! Frustriert verlassen wir das eigentlich ganz schnu­ckelige Jedburgh.

Next Abbey

Auch im nicht weit entfernten Kelso gibt es eine Ruinen­abbey. Und einen Parkplatz am Flüsschen Tweed. Hört sich ideal für einen ersten Übernach­tungs­platz an! Der Platz ist dann auch wirklich gut. Nur leider das Wetter nicht. Es regnet sich jetzt ziemlich ein, so dass wir nur eine kurze Runde drehen, um Geld zu besorgen (klappt problemlos) und unsere Einkäufe zu erledigen.

Ein gemüt­liches Sight­seeing heben wir uns aller­dings dann doch lieber für morgen auf, wenn der Regen hoffentlich etwas heller wird.

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