Traum­strände
24. Mai 2019

Heute gibt es eine MoMo-Küchen­ex­tra­vaganz. Annette macht uns ein schot­ti­sches Frühstück. Mit Rührei. Tomate. Bacon. Und Haggis! Letztere hatten wir uns bei der Räucherei in Glenuig gekauft und sind gespannt, ob sie so gut schmecken wie sie gekostet haben. Und sind dann sehr zufrieden, dass sie nicht nur prima schmecken, sondern vor allem Haggis uns beiden so richtig gut schmeckt. Weniger schön: Das MoMo duftet danach schon sehr nach Küchendunst… Immerhin ein leckerer.

Da das Wetter eher unspek­ta­kulär ist, lassen wir uns bis Mittags Zeit mit dem Aufbruch. Ein bisschen fällt es uns schwer, uns von diesem charmanten Platz zu verab­schieden. Ich rufe noch mal bei Angus an, um zu fragen, wie wir denn jetzt bezahlen sollen. Denn er kam gestern Abend gar nicht mehr zum Kassieren vorbei! „Just put it in the honesty box in the kitchen.“ Passt irgendwie total zu diesem Platz.

Steiler als gedacht

Wir fahren nochmal am Flughafen vorbei, aber die Flüge für den Tag sind schon durch. Dafür liegt der Tràigh Mor sandig-blauschim­mernd vor uns. Auch heute wieder ein toller Anblick.

Unser Ziel ist aber ein anderes. Heute wird der höchste Berg von Barra bestiegen! Naja, auf einer kleinen Insel kann das ja so schwer nicht sein. Lediglich 383m ist der Heaval hoch. Machen wir mal eben.

Also: So haben wir uns das gedacht. Was wir nicht bedacht haben: das geht ganz schön steil nach oben! Und der Weg ist nicht wirklich gekenn­zeichnet. Also, so wie: gar nicht. Not at all. Und so versuchen wir, einen Weg auszu­machen, nachdem wir die 2 Tore zu Beginn des Aufstiegs durch­schritten haben. Eigentlich ja auch einfach: immer bergauf.

Aber wir stellen fest, dass unsere Kondition noch nicht so gut ist, wie wir es uns gedacht haben. Mehr als einmal bleiben wir schwer atmend stehen und müssen erst mal Pause machen. Und das gemeine: Auf den Bildern wird das nicht wirklich deutlich! Sieht eigentlich ziemlich läppsch aus…

Das gute: Man kann nichts falsch machen. Denn die Route, die wir nehmen, hat vor uns wahrscheinlich noch kaum jemand genommen. Außer vielleicht ein paar Schafen oder Kühen, deren Hinter­las­sen­schaften man hier auf Schritt und Tritt findet.

Von oben hat man dann im leider kühlen Wind einen tollen Rundum­blick und kann Barra und Vatersay, die Nachbar­insel überblicken.

Beschissene Madonna

Was uns wundert: Auf den Fotos, die wir in der Beschreibung für diese Tour gesehen haben, ist eine Madon­nen­statue mit Jesus auf der Schulter zu sehen. Sollte die etwa demon­tiert worden sein? Wir können sie nirgendwo entdecken!

Aber vom Gipfel aus können wir einen Trampelpfad entdecken: Das muss der „offizielle“ Weg nach unten sein, den wir beim Aufstieg vergeblich gesucht haben. Wir folgen ihm und nach einiger Zeit sehen wir dann auch die Statue.

So einen schönen Ausblick gönnt man den beiden dann sehr. Weniger gönnt man ihnen, dass sie von Vögeln ganz schön zugeschissen sind…

Kleiner Tipp für zukünftige Bergbe­steiger: Haltet euch nach dem zweiten Gatter erst mal ca. 200m lang am Zaun entlang wieder nach rechts. Dann erahnt man den „offizi­ellen“ Weg nach oben. Denn mit Schildern oder Markie­rungen hat sich hier keiner Mühe gegeben.

Verschlafene Haupt­stadt

Wir fahren weiter nach Castlebay und sind verblüfft, wie verschlafen es in der Insel­haupt­stadt zugeht. Alles wirkt irgendwie sehr verlangsamt und entschleunigt. Auch die Leute in den Geschäften wirken eher etwas schüchtern-reser­viert — das offen-redselige, was wir von so vielen Begeg­nungen hier kennen, suchen wir heute vergeblich.

Dafür gibt es bei Hebridean Toffee die gewohnt leckeren Short­bread und Fruitcake mit ungewohntem Pappge­schirr und ‑bechern.

Herrliches Vatersay

Uns hält nicht viel in Castlebay, daher steuern wir die Insel Vatersay an, die über einen Damm leicht zu erreichen ist.

Am Community Center kann man gegen eine Spende von 5£ in die Honesty Box über die Nacht stehen. Nehmen wir dankend an, auch wenn die Duschen gerade repariert werden und der Stell­platz leider sehr schräg ist, so dass wir das auch mit den Auffahr­keilen nur halbwegs ausgleichen können.

Was. Ein. Strand.

Schon bei der Anfahrt zum Community Center hat uns kurz der Atem gestockt, als wir auf den Strand blicken konnten, der direkt davor liegt. Milchig weißes Türkisblau, das sich ganz sanft abgestuft zwischen blauem Meer und hellbeigem Strand ausbreitet.

Das ist jetzt selbst für uns, nach den Traum­stränden der vergan­genen Tage, noch mal eine Steigerung. Dass es so was überhaupt gibt!

Und das Sahne­häubchen: Man ist ganz alleine. An so einem Strand. Surreal!

Ach nee. Da ist ja noch einer!

Von der Karte wissen wir, dass das Gemein­dehaus an der Engstelle der Insel liegt, wo man nach wenigen Minuten Fußweg noch einen Strand vor der Haustür hat. Den Tràigh Siar. Da lassen wir uns doch nicht lumpen!

Und fallen schon fast wieder in Ohnmacht: Können die mal aufhören mit diesen Wahnsinns­stränden? Man wird ja ganz unglaub­würdig, wenn man immer wieder von Neuem berichten muss, dass dieser Strand jetzt aber wirklich der tollste ist, den man bis jetzt auf den Hebriden zu sehen bekommen hat. Aber wenn es doch so ist…?

Hier am Weststrand sieht man den rauhen Atlantik vor sich. Heute hat er aber einen vergleichs­weise entspannten Tag. So wie wir.

Einfach den Strand einmal der Länge nach ablaufen. Und staunen. Und ganz besoffen davon sein, wie schön das ist. Und auch hier: wieder keine Menschen­seele zu sehen.

Das Leben­digste, dem wir begegnen, sind die Strand­läufer, die in einer schrägen Choreo­graphie mal hierhin, mal dahin laufen.

Und wie schon an den Tagen zuvor sind wir uns sicher: Schöner kann es jetzt doch wirklich nicht mehr werden!

2 Kommentare

  1. Solche Strände hätte ich da absolut nicht vermutet! Beein­dru­ckend!!

    Den „Trübtag“ kann man leider nicht aufrufen. Da kommt immer „Es konnte leider nichts gefunden werden“.

    Antworten
    • Danke für die Info! Ist behoben.
      Ich hatte noch einen Schreib­fehler entdeckt und wollte ihn korri­gieren. Aber auf einmal war unsere Inter­net­ver­bindung kaputt und der Beitrag war wieder offline.
      Mobiles Internet und Schottland sind auch nicht wirklich zwei Dinge die zusammen gehören. Fühlt sich oft eher nach Brandenburg an…

      Antworten

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