Plane­spotting
23. Mai 2019

Aus der wechselnden leichten Bewölkung von gestern ist heute morgen leider eine dichte graue Wolken­decke geworden. Aber trotzdem ist der Blick auf die vor uns liegende türkis-dunkelblau schim­mernde Bucht beim Frühstücken ein Genuss.

Wir beschließen, uns von den trüben Wetter­aus­sichten für die kommenden Tage nicht verrückt machen zu lassen und einfach das Beste daraus zu machen. Und wenn das ein Gammeltag mit prasselndem Regen auf dem Dach ist, dann wird uns das auch mal ganz gut tun. Heute ist aber nicht dieser Tag.

Denn wir wären ja verrückt, wenn wir nicht die einmalige Attraktion auf Barra besuchen würden, die buchstäblich direkt um die Ecke zu finden ist. Denn eine Bucht weiter befindet sich der einzige Linien­flug­hafen der Welt, der eine Start- und Landebahn am Strand hat. Nix Asphalt, nix Beton: Sand!

Wir packen uns also gut ein und stiefeln los. Zunächst mal Richtung Strand. Der ist hier beim Camping­platz eher steinig und schmal, weitet sich aber schon bald beträchtlich.

Und hier gibt es skurriles Strandgut: Rudimentäre Überreste von Autos rosten hier vor sich hin. Eins hier, eins dort. Sieht aber eher wie coole Kunst als unange­nehmer Müll aus.

Flugbe­trieb

Als wir uns dem Flughafen nähern, sehen wir eine Maschine im Anflug auf die Insel. Da wir aber noch zu weit entfernt sind, verschwindet sie leider hinter den Dünen und wir verpassen die Landung.

Aber das macht nichts, denn auf dem Flugplan steht, dass die nächste Maschine bereits in einer halben Stunde eintrifft. Denn wir haben Glück: Heute sind ganze 3 Starts und Landungen am Airport Barra: Rush-Hour!

Wir machen es uns also am Stran­drand bequem und folgen dem gemüt­lichen Treiben auf dem Rollfeld. Denn was auf Großflug­häfen immer wie ein orches­trierter Ameisen­haufen wirkt, ist hier klar struk­tu­riert.

Die Start­pro­zedur läuft wie folgt ab: Nachdem alle Passa­giere den Flieger bestiegen haben, startet der Pilot den rechten Propeller seiner Maschine. Dann gibts er ein Zeichen an den Fahrer des Pisten­autos, der noch mal kontrol­liert, ob der Runway auch wirklich frei von Fußgängern ist.

Denn der Flugha­fen­strand Tràigh Mhòr ist zu Zeiten, wo keine „windsock“ als Signal für Flugverkehr weht, für alle Spazier­gänger und Muschel­sucher frei zugänglich!

Wenn das Pistenauto grünes Licht gibt, startet der Pilot den linken Propeller der Maschine und begibt sich auf die Takeoff-Position. Heute ist das an der anderen Seite der Bucht, so dass das Flugzeug fast auf uns zu fährt, als es beschleunigt und schließlich abhebt. Cooles Erlebnis!

Airport-Café

Nachdem beide Maschinen abgeflogen sind, können wir uns eine Stärkung im Flughafen gönnen. Und auch hier ist alles etwas anders und dann aber auch genau so wie an einem „richtigen“ Flughafen.

Es gibt natürlich die übliche Sicher­heits­warnung und auch einen Sicher­heits­be­reich, den alle Flugpas­sa­giere durch­queren müssen. Einziger Unter­schied: Das alles befindet sich im Flughafen-Café. Herrlich skurril!

Im Café gibt es dann leckerste Kuchen und natürlich auch jede Menge Souvenirs vom einzigen Linien­flug­hafen mit einer Strand­lan­debahn. Besonders gefallen haben uns die Vogel­mo­saike an den Wänden, die aus Muschel­bruch­stücken gefertigt wurden.

Mörderstrand

Frisch gestärkt gehen wir über die Straße zum westlich vom Flughafen gelegenen Strand Tràigh Eais. Und der ist schon wieder der schönste Strand, den wir bisher gesehen haben! Sind wir denn jetzt so leicht zu beein­drucken, oder muss man das einfach neidlos so anerkennen?

Dumm ist nur, dass eine dunkle Regenwand auf uns zukommt. Wir packen uns regen­dicht ein und erleben dann das Phänomen, dass man auch nur von einer Seite aus nass werden kann: Da wo der Wind herkommt…!

Wir sind uns beide sicher, dass wir, zurück am MoMo, erst mal alles entsanden und entfeuchten müssen, so sehr sind wir eingesaut. Aber der Regen ist nur ein Schauer und als wir das nördliche Ende des Strandes erreicht haben, kommt sogar die Sonne raus. Was. Ein. Anblick!

Oberhalb einer kleinen Schlucht bleiben wir stehen und schauen den Möwen zu, die kunstvoll ihre Runden drehen und sich einen Spaß daraus machen, im Wind genau zum richtigen Zeitpunkt abzudrehen, um noch mal richtig Fahrt aufzu­nehmen.

Bull in field?

Am Ende des Strandes geht es steil bergauf. Wir landen auf einer Kuhweide und werden von einer Kuh sehr aufmerksam beäugt. Und sie fängt an, neugierig hinter uns her zu laufen. So ganz können wir nicht einschätzen, ob das Neugier oder Revier­ver­halten ist. Waren da nicht auch Kälber auf der Weide?

Als wir uns kurz mit anderen Wanderern unter­halten, die uns von der Aussicht vom Eisen­zeitfort Dun Sgurabhal auf dem Hügel vor uns vorschwärmen, kommt unsere Killerkuh wieder etwas näher und scheint besonders Mia inter­essant zu finden. Als ich sie beherzt anschreie und vertreibe, inter­es­sieren sich auch die anderen Kühe, die hier rumstehen, auf einmal sehr für das, was da vor ihrer Nase passiert. Fühlt sich komisch an…

Natürlich geht dann doch alles gut, aber als wir auf dem Heimweg das Schild „Bull in field“ an einer anderen Weide sehen, wird mir doch etwas anders: Hatte „unsere“ Kuh eigentlich ein Euter…?

Relax­aus­sicht

Am MoMo kommen wir dann kaputter als erwartet an. An den Kilometern hat es nicht gelegen, aber weicher Strand, Regen­schauer und die zerklüftete Kuhweide mit ihren Knochen­bre­cher­lö­chern haben uns doch mehr zugesetzt als gedacht.

Wenn man dann aber in der herrlich heime­ligen Dusche frisch­ge­duscht hat und mit einer so tollen Aussicht den Nachmittag verbringt, dann kehren die Lebens­geister schnell wieder.

Und abends folgt dann wieder ein netter Schwatz mit Angus, der mit sorgen­voller Miene seinen Reser­vie­rungs­ka­lender betrachtet, da er die „hookups“ für die kommenden Tage überbucht hat. Aber auch dafür wird er sicherlich eine gute Lösung finden…

Wichtige Info für Nachah­mungs­täter: Der Scurrival campground ist nur von April-Ende September geöffnet. Angus: „Six months are enough.“ Kann man auch verstehen, wenn man sieht, wie Angus von Wagen zu Wagen geht, um liebevoll sicher­zu­stellen, dass alle auch wirklich den bestmög­lichen Platz für sich gefunden haben und mit jedem einen kurzen oder gerne auch längeren Schnack hält. Ein wirkliches Unikum!

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