Jabbadabba-Doubs
16. Oktober 2019

Eine herrlich ruhigen Nacht am Lac des Brenets. Also, vorher und nachher ist es wieder der Doubs. Aber der verwandelt sich zwischen­durch immer wieder gerne mal in einen kleinen See, wie wir heute lernen dürfen.

Es ist fantas­tisch neblig-mystisch. Man kann schon erkennen, dass es ein schöner Tag werden wird und die Sonne bald gewonnen haben wird. Aber noch ist der Nebel das beherr­schende Element rund um den See.

Mal kann man das andere Seeufer schon recht deutlich erkennen, mal sind die paar Bäume gegenüber nur noch schemenhaft oder gar nicht mehr zu sehen.

Und richtig toll wird es, als man das Steilufer weiter in Fliess­richtung des Flusses erkennen kann, das zuvor gänzlich unsichtbar war. Herbst, so schön wie er nur sein kann!

Sprin­gender Doubs

Wir fahren wenige Kilometer bis zum Wander­park­platz oberhalb des Saut du Doubs, des Sprung des Doubs, was eine sehr poetische Beschreibung für einen Wasserfall ist.

Das Ungewöhn­liche an diesem Parkplatz: Er liegt einen Kilometer, aber vor allem 150 Höhen­meter vom Wasserfall entfernt. Es geht also steil abwärts! Und wir freuen uns schon auf den Anstieg, wenn es dann wieder zurück zum MoMo geht…

Am Belvedere-Ausssichts­punkt, der immer noch weit oberhalb des Wasser­falls liegt, treffen wir auf eine Gruppe Schiffs­tou­risten, die alle an ihrer Plati­sk­pro­vi­anttüte leicht zu erkennen sind. Denn der eigentlich favori­sierte Anrei­seweg zum Wasserfall ist eine Bötchentour von Villers-Le-Lac bis kurz vor den Wasserfall.

Als die Touris­ten­gruppe alles wegge­guckt hat wird es dann schnell wieder einsam. Nur der Wasserfall rauscht vor sich hin und die feinen Wasser­par­tikel glitzern auch hier oben noch in der Luft.

Seefluss

Wir folgen dem Doubs in seinem weitern Lauf fluss­ab­wärts. Hierhin verirrt sich dann schon kaum noch jemand. Und das ist wunderbar für uns und schrecklich für die anderen. Denn sie verpassen eine wirklich tolle Strecke entlang des Flusses, den man zunächst nur vage durch die Bäume sehen kann, an dem man aber bald recht nah heran kommt und leicht oberhalb des Ufers entlang läuft.

Alsbald kommen wir an eine Stelle, wo es aussieht, als würde eine Insel im Fluss liegen, die ein bisschen wie ein Schiff aussieht. Es stellt sich aber heraus, dass es immer noch das andere Ufer ist, sich der Doubs dahinter aber wieder erweitert und zum Lac de Moron wird.

Und als wir wenig später durch einen kleinen Arch hindurch­schreiten, kommen wir uns ein bisschen nach Amerika versetzt vor. Und freuen uns.

Irre Elli

Am Lac de Moron machen wir wenig später eine Mittags­pause. Am Ufer liegen ein paar Boote, die im Sommer sicherlich eifrig benutzt werden. Jetzt sieht hier alles verlassen aus. Wir nutzen ein Boot als Sitzge­le­genheit und stärken uns erst mal.

Und dann legt Elli mit ihrer One-Dog-Show los:

Oh, guckt, ich kann Kreise laufen! Und Achten!

Und was ist das: Wasser? Will ich da rein? Schon, aber nur, wenn mein Bauch nicht nass wird!

Und das hier? Ein verkohlter Ast? Na, denn kann ich doch durch die Luft schleudern! Und genüsslich in Klein­teile zerlegen. Und das Moos? Das lässt sich ja fast so gut wie Sand buddeln!

Oh, was ist das aufregend. Ich liebe einfach alles hier!

Staumauer

Nachdem Elli sich ausgetobt hat können wir weiter. Es ist gar nicht mehr all zu weit, bis wir zu unserem Wende­punkt kommen. Denn der Lac ist kein natür­licher See. Er ist durch eine Staumauer entstanden, die den Doubs hier zurückhält. Während der See auf der einen Seite grünlich schimmert, sieht es hinter der Staumauer eher trostlos aus.

Und da es auf dem ebenfalls möglichen Rundweg weiter oberhalb mehrere Stellen mit Leitern geben soll, beschließen wir, unser Glück nicht überzu­stra­pa­zieren, sondern kehren einfach auf dem gleichen Weg zurück. War ja schließlich ein schönes Erlebnis!

Saut de Doubs zum Zweiten

Als wir zum Saut zurück­kehren, wird es gleich doppelt und dreifach laut. Zum einen, weil man den Wasserfall schon von weitem deutlich rauschen hört. Zum anderen, weil eine Schul­klasse (geschätzt 6./7. Klasse) auf Klassen­fahrt ist — die können gar nicht leise. Zum dritten, weil eine Lehrerin einen Schüler nach allen Regeln der Kunst anbölkt. Den Anschiss möchte ich nicht abgekriegt haben…!

Wir sind beein­druckter als gedacht von diesem Wasserfall. Der würde auch in Norwegen eine gute Figur machen! Und es ist ja jetzt noch nicht mal Hochsaison für ihn — bei der Schnee­schmelze wird das hier noch deutlich mehr rummsen !

Nachdem wir uns für den Aufstieg gestärkt haben, machen wir uns auf den Rückweg zum MoMo. Meine Fresse, geht das teilweise steil bergauf! Auf den letzten Metern kommt uns ein älterer Herr entgegen und fragt, ob er hier richtig auf dem Weg zum Wasserfall sei. Wir versuchen, ihn vorzu­warnen, aber er geht vergnügt weiter. Hoffentlich hat er den Rückweg gut verkraftet!

Ab ins Courbet-Land

Eigentlich sind wir von unserer Wanderung ganz schön platt. Aber wir wollen noch ein bisschen weiter. Und zwar 50 km weiter westlich. Wir verlassen den Doubs und fahren durch eine Landschaft, die uns mehr als einmal an die Schweiz erinnert — die Nachbar­schaft ist unver­kennbar.

In der Nähe des Ortes Ouhans fällt uns das Hinweis­schild auf das PAYS DE COURBET — PAYS D’ARTISTE auf. Wir befinden uns also in der Heimat des Malers Gustave Courbet — sicher ein gutes Zeichen!

Nachdem wir uns in einer Fruitière nochmal mit Lecke­reien einge­deckt haben, steuern wir unseren letzten Höhepunkt an. Den Belvédère du Moine. Lediglich eine Kuhherde, die von einer Weide auf die nächste getrieben wird, steht uns noch im Weg.

Den Aussichts­punkt haben wir mal wieder für uns alleine. Irre! Denn der Blick hinunter ins Tal der Loue ist wirklich beein­dru­ckend. Und was noch besser ist: Wir werden hier übernachten. Das Womoleben kann so schön sein!

 

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