Rund um Les Baux
19. März 2019

Als wir vormittags in der Vorbe­reitung für unsere heutige Wanderung nach Les-Baux sind, spricht uns eine deutsche Camping­platz-Nachbarin an. Wir sollten besser mal auf unsere Wertsachen achten. Ihnen sei gestern Abend das Womo ausge­räumt worden, als sie eine Viertel­stunde zum Spülen weg waren. Ach du Schreck! Die Armen. Und ihr wird abwech­selnd kalt und heiß als ich daran denke, dass wir gestern Nachmittag alle Fotosachen auf dem Tisch liegen hatten und keine Rollos runter gemacht hatten. Nach dem Motto „Was soll auf einem so beschau­lichen Camping­platz in der absoluten Vorsaison schon passieren?“ Da hatten wir wohl einfach Glück, dass Mia als Wachhund auf ihrem Stamm­platz auf dem Beifah­rersitz schnarchte…

Es lebe die Zwiebel­schale

Auch heute ist es noch etwas mistralig. Blauer Himmel, eisiger Wind. Also ziehen wir uns in mehreren Schichten an. Hemd, Fleece­jacke, winddichte Jacke. Einen franzö­si­schen Fashion-Award gewinnen wir damit nicht, dafür sind wir aber für alle Fälle gewappnet. Und auf den ersten Kilometern gegen den Wind sehr froh.

Es ist eine schöne Rundwan­derung, die ich in der Tourist-Info gefunden habe. Erst nach Les-Baux-de-Provence, seines Zeichens zweit­meist­be­suchtes Dorf nach Riquewihr im Elsass, dann in großem Bogen nach Le Paradou und wieder zurück zum Camping. Und sie führt uns zunächst mal mittemang über einen Golfplatz. Sachen gibts! Und prakti­scher­weise haben wir immer die Felsen, auf denen die Festung von Les-Baux thront, im Blick.

Und alle paar Minuten wechseln wir dann die Zwiebel­schale: Erst immer weniger, dann im Schatten wieder eine Jacke, undso­weiter.… Das macht aber alles nichts, da die Aussicht sowohl nach oben zu den Felsen als auch in die Ferne grandios ist. Denn dank des Mistrals haben wir tolle Fernsicht und klare Luft.

Nix los in Les-Baux

Unseren Besuch in Riquewihr haben wir noch in zweifel­hafter Erinnerung. Schön, aber touris­ti­scher Overkill. Was wird uns also im zweit­häu­figst besuchten Dorf erwarten? Nun, nicht viel. Also, was die Touristen angeht. Wenn nicht je eine deutsche und eine franzö­sische Schul­klasse hier wären, könnte man es fast schon als ausge­storben bezeichnen. Aber wir wollen uns nicht beschweren… Statt­dessen die Empfehlung: Wenn man die Touris­ten­massen vermeiden will, scheint Mitte März ideal zu sein!

Wir sind eigentlich eher angenehm überrascht. Keine ganz furcht­baren Touri-Läden und sogar ein Mittags­imbiss mit Pommes und Crêpe zu völlig zivilen Preisen finden wir bemer­kenswert.

Das Dorf an sich ist sicher sehenswert, aber wir haben irgendwie das Gefühl, dass man ein „charmantes, altes franzö­si­sches Dorf“ andernorts genau so gut erleben kann. Und der Festungs­besuch ist uns mit 8€ dann schlicht zu teuer für ein paar verfallene Mauern und die sicherlich tolle Aussicht — denn diese hatten wir (anders als die Autotou­risten) bei unserer Wanderung bereits wahrscheinlich ähnlich gut.

Über rote Erde

Wir verlassen den Ort über die Westseite und sind bereits nach wenigen Schritten wieder alleine und werden auch auf den kommenden Kilometern nur wenige Leute treffen. Am Wanderweg kann es nicht liegen, denn der ist richtig toll und durchaus abwechs­lungs­reich.

Die Felsen der Alpilles sehen einfach toll aus! Immer wieder anders und mit ein bisschen Fantasie kann man auch sehen, wie ein Haifisch ein Haus auffrisst…

Wir wandern durch Oliven­haine und wundern uns über die rote Erde, die es hier immer wieder zu sehen gibt. Wir vermuten, dass es weniger der uns aus den Ocker­brüchen bekannte Lehm ist, sondern vermutlich vom Bauxit stammt, von dem Les-Baux schließlich seinen Namen hat.

Bilderbuch-Provence

Auf dem weiteren Weg geht es dann durch eine Bilder­buch­land­schaft. Mehr Provence-Klischee geht echt kaum. Oliven, Platanen, Anwesen im proven­za­li­schen Stil und Zypressen. Ein Genuss für die Augen!

Wir sind dann aber trotzdem froh, als wir nach 15km wieder am MoMo ankommen. Und unsere alte Mia hat ihren Wachhundjob so gut gemacht, das keine Langfinger das Wohnmobil geknackt haben — wir hätten aber sowieso alle Wertsachen dabei gehabt…

Den Rest des Tages genießen wir die Sonne im Windschatten der Hecke, die hier Gottseidank jeder Stell­platz hat. Einen abend­lichen Restau­rant­besuch ersparen wir uns aller­dings mit einer Mischung aus Erschöpfung und Sorge um das MoMo. Blöd, wenn man das immer so im Hinterkopf hat…!

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