Feuer im Himmel
30. Juli 2017

IMG_5048.jpgEs war heiß, sehr heiß heute Nacht. Wer uns da immer ein bisschen über die Runden hilft, ist dieser kleine USB-Venti­lator. Man steckt ihn einfach in einen Akkupack und hat tatsächlich einen spürbar kühlen Luftstrom. Himmlisch! Auch nachts lassen wir ihn im Alkoven einfach durch­laufen, so dass immer ein kleines Lüftchen geht. Strom verbraucht er so gut wie keinen und leise ist er auch noch. Beste Anschaffung fürs Womo in diesem Jahr!

Die Aussicht, nach Carcas­sonne zu fahren, schreckt uns im Augen­blick eher ab. 33°? An einem Sonntag? In der Hochsaison? Mit kaputter Grauwas­ser­ent­sorgung? Nicht so prickelnd. Und aus dem Bauch heraus treffen wir mit die beste Entscheidung auf dieser Reise. Wir beschließen, dass uns Carcas­sonne sicherlich nicht wegläuft und da wir ohnehin noch einmal in diese schöne Gegend wieder­kommen wollen, werden wir es einfach noch mal später probieren.

Statt­dessen fahren wir Richtung Nordwesten. Nach Cordes-sur-ciel, dem mittel­al­ter­lichen Ort, an dem man in den Himmel aufsteigen soll, weil die Straßen so steil sind. Und einen sehr empfoh­lenen Camping­platz gibt es dort auch noch.Cordes-sur-ciel-001.jpg

Und so stehen wir nahezu Punkt 12 auf der Matte, um dort einen Platz für eine Nacht zu kriegen. Und der Empfang hier ist nun wirklich das völlige Gegenteil unserer Erfahrung an der Ardèche. So herzlich, so verständ­nisvoll für unser grauen­haftes Franzö­sisch! So geduldig und langsam alles noch mal wieder­holend und sich freuend, wenn man es endlich verstanden hat: Voilà! Madame ist wirklich eine Gastge­berin aus dem Bilderbuch. Und auch ihr Platz lässt keine Wünsche offen. Eine großzügige Parzelle unter schat­tigen Bäumen, wo wir es uns richtig gemütlich machen können. Denn wir stellen auch fest, dass es mal ganz gut tut, den Fuß noch mehr vom Gas zu lassen und einfach mal irgendwo zu sein. 

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Daher legen wir einen echten Gammeltag ein und planen, wie es auf dem nächsten Reise­ab­schnitt in den Pyrenäen weiter gehen soll.

Abends grillen wir noch mal unsere Vorräte weg und brechen dann recht spät auf, um den Ort zu erkunden. Denn das als einen der schönsten Orte im Languedoc-Rouss­illon beschriebene kleine Mittel­al­ter­städtchen wollen wir dann doch nicht unbesucht lassen.

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Der Fußweg von 2 km bis zum Beginn der Altstadt ist gut machbar und als wir die erste Gasse hinauf­steigen, kriegen wir schon eine Ahnung, warum der Ortszusatz „sur ciel“, zum Himmel, heißt. Die Touris­ten­ströme sind schon versiegt, die Geschäfte geschlossen, aber uns gefällt es ganz gut, dass so eine abend­liche Stille über dem Ort liegt.
Denn so bleibt genug Zeit, alles wegzu­fo­to­gra­fieren und zu bestaunen. Denn, auch wenn so hübsche mittel­al­ter­liche Gassen ja immer fotogen sind, hier ist es tatsächlich noch mal einen Tacken bezau­bernder. Ob das an den wirklich(!) steilen Straßen liegt? Die sind nämlich wirklich irre! Man denkt immer: Nach der nächsten Kurve bist du oben, da kommt nix mehr. Und was kommt dann? Natürlich die nächste steil nach oben führende Gasse. Und das mehrfach! Muss man erlebt haben, kann man nicht beschreiben! Also, wenn ein Ort seinen Namen zu Recht führt, dann dieser!

IMG_5053.jpgAls wir schließlich oben ankommen und es tatsächlich nicht mehr höher geht, genießen wir die Aussicht und sehen eine mittel­al­terlich gekleidete Schau­stel­ler­truppe. Deren Programm war auf einer Rekla­me­tafel unten in der „Neustadt“ bis 23 Uhr angekündigt. Aber jetzt sieht das eher nach Aufbruch und Ende aus. Schade!Cordes-sur-ciel-045.jpg

Wir können uns unter der großen offenen Markt­halle ein erfri­schendes Bierchen und schlendern noch ein bisschen durch die verwun­schenen Gassen und schwärmen so vor uns hin. Was auffällt, ist wie viele Kätzchen es sich hier oben gemütlich gemacht haben!Cordes-sur-ciel-048.jpg


Als wir uns gerade auf den Rückweg machen wollen, hören wir das aufge­regte Raunen eines erwar­tungs­vollen Publikums. Und tatsächlich: Unterhalb des beein­dru­ckenden Gebäudes mit den Bogen­fenstern ist eine Bühne entstanden und wir kommen in den Genuss einer Feuershow mit allem Piff-paff-puff. Super! Viel stimmungs­voller kann man einen Tag nicht zu Ende bringen.

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