Verdop­pelter Wandertag

16. März 2019

Wir gucken aus dem Fenster und es sieht fantas­tisch aus.

Strah­lend blauer Himmel, Sonnen­schein. Aber einen Haken hat die Sache dann doch. Der Wind. Der ist nämlich frisch bis stürmisch und macht die ganze Sache dann doch so kühl, dass man sich für draußen auf jeden Fall eine Jacke anziehen muss.

Wir machen uns auf einen kleinen Erkun­dungs­spa­zier­gang. Anhand der Karte habe ich gesehen, dass man auf den schmalen Deichen wunderbar bis zum Plage Beauduc im Westen gehen kann und dann sogar in einer Rundwan­de­rung wieder zurück zum MoMo kommen kann. Ein perfekter ausge­dehnter Spazier­gang von vielleicht 8–10 Kilome­tern. Schaffen wir locker!

Deich­wege

Auf dem ersten Stück gibt es links Wasser und rechts Wasser. Übersicht­lich. Weit. Die Deiche werden ledig­lich durch Steine und Holzpfähle gesichert. Vor allem Letztere haben es uns angetan. Jeder einzelne von ihnen ist ein Unikat und hat einen eigenen Charakter. Fast schon eine regel­rechte Pfahl­armee, die den Deich bewacht. Manche dicker, manche dünner, manche mit Glatze, manche mit exqui­siter Frisur, manche mit Hut. Ein äußerst dankbares Fotomotiv!

Als wir uns dem Strand nähern, kommen immer wieder Fahrzeuge an uns vorbei, aber keine Womos. Wie wir später erfahren, gibt es diesmal weiter vorne aber keine Höhen- sondern eine Breiten­be­gren­zung von 2 Metern. Definitiv zu schmal für uns. Schade, denn sonst wäre das ein ganz schön toller Parkplatz direkt am breiten Sandstrand. Dort tummeln sich vor allem Kitesurfer, die neopren­be­an­zugt zum Meer hinpilgern.

Am Strand von Beauduc

Wir machen erst mal Rast. In die Dünen gekauert, da der Wind hier im Neopren­anzug super ist, in normalen Klamotten aber äußerst frisch ist. Erstaunt stellen wir fest, dass wir schon 7 Kilometer unter­wegs waren, aber noch nicht mal die Hälfte des Weges geschafft haben — da war meine Schät­zung wohl etwas ungenau!

Auch Pferde galop­pieren am Strand entlang — ansonsten gehört der prächtig breite Strand von Beauduc uns quasi alleine. Der Leucht­turm von Gacholle ist unser Fixpunkt am Horizont. Wir können aller­dings schlecht einschätzen, wie weit er weg ist — so sehr verschwimmt das Gefühl für Entfer­nungen an diesem langen und breiten Strand!

Am Ende des Strandes haben wir noch reich­lich Weg vor uns. Und wenn man sich auf weniger einge­stellt hat, fühlt sich das reich­lich heraus­for­dernd an. Wie gut, dass es da die Flamingos in den Etangs am Weges­rand gibt, mit deren Beobach­tung man sich die Zeit gut vertreiben kann, wenn die Füße mittler­weile jeden Stein unter den Sohlen spüren. Denn Wander­schuhe wollte ich für den Weg dummer­weise gar nicht anziehen…! Beson­ders spekta­kulär ist es wenn ein Zug von mehreren Flamingos über einen hinweg­fliegt und dann im Wasser landet. Das ist dann schon anders als im Zoo zuhause!

Erschöpft und mit qualmenden Füßen kommen wir endlich nach 16km am MoMo an. Wir beschließen, heute nicht mehr viel zu unter­nehmen. Statt­dessen wollen wir es uns auf dem Camping­platz Le Bois Flottés in Salin-de-Giraud gut gehen lassen.

Camping­platz mit Spezialtoilette

Der freund­liche Empfang und der zivile Preis in dem erst vor einem Jahr eröff­neten Platz lassen uns gutes hoffen. Aber so ganz werden wir mit dem Platz nicht warm. Die Stell­plätze sind mehr Staub als Rasen und die sanitären Anlagen sind origi­nell: Damit man in der Vorsaison nicht so viel putzen muss, hat man einfach einen Bungalow als Toiletten-/Dusch­haus auser­koren. Hier befindet sich genau eine Toilette und genau eine Dusche. Zugäng­lich vom einzigen Raum mit breiter Glasfront. Da die Dusche aber keine Umkleide hat und der Bungalow sich nicht abschließen lässt, darf man also quasi Open-House-Duschen. Wer‘s mag…

Sonnen­un­ter­gang deluxe

Auch hier weht ein frischer Wind, so dass wir uns früher, als uns lieb ist, ins MoMo verkrie­chen. Wir haben uns schon inner­lich von einem schönen Tag verab­schiedet, als wir noch mal nur pro forma auf den Himmel beim Sonnen­un­ter­gang gucken. Und meine Fresse, da braut sich was zusammen! Als lassen wir alles stehen und liegen und gehen schnell hinaus, um dieses Spektakel nicht zu verpassen.

Jetzt werde ich für meine mangelnde Vorbe­rei­tung bestraft. Denn rund um den Camping­platz gibt es eigent­lich keine wirklich zwingenden Motive. Und dieser Sonnen­un­ter­gang hätte welche verdient!

Bisher dachte ich bei Bildern aus der Camargue immer, dass die Fotografen da doch etwas sehr an den Farbreg­lern gedreht haben. Aber es leuchtet wirklich alles in den tollsten Schat­tie­rungen des Orange-Lila-Spektrums. Absolut sensationell!

Und ich male mir hinterher aus, was für Wahnsinns­bilder man vom Aussichts­punkt auf die Salinen hätte machen können, wo sich das Himmels­spek­takel noch mal in der Wasser­ober­fläche spiegelt. Dieser ist nur leider 2km entfernt — so viel zu verpassten Gelegen­heiten! Es sei aber als Tipp für den geneigten Leser sehr empfohlen.

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