Driving Home For Christmas

5. Dezember 2019

Ja, so muss Winter sein! Eisig kalt, klare Luft und Raureif auf den Feldern.

Wir sind entzückt! Für unseren letzten Tag hier im Norden kriegen wir noch mal alles geboten, was man sich für einen Wintertag wünschen kann: Warme Bude, schöne Aussicht und die Möglichkeit, sich noch draußen zu bewegen.

Denn den Urwald hatten wir uns bewusst für heute aufgehoben. Das wäre gestern in der Abenddämmerung echt verschwendet gewesen. Wir müssen allerdings feststellen, dass wir hier nur auf dem Papier im „Urwald“ stehen. Die eigentliche, urwüchsige Zone des Neuenburger Urwalds ist geschrumpft und nur noch nördlich der B437, der Urwaldstraße, zu finden. Da wir deutlich südlicher davon stehen, müssen wir erst mal etwas laufen.

Wandern nach Zahlen

Aber das gestaltet sich hier recht einfach. Das Wegenetz ist zum einen gut ausgebaut und zum anderen mit nummerierten Knotenpunkten versehen. Man kann sich also praktisch eine Route anhand der Nummern zusammenstellen und diese dann ablaufen: 23-19-17-12. So weit die Theorie.

Schwierig wird es, wenn man meint, dass man das auch ohne die Zahlen hinkriegt. So wie wir. Dann ist es blöd, wenn man sich angeregt unterhält und dann plötzlich vor einer querenden Landstraße auskommt. Und erst mal wieder zurück laufen darf. So viel zum Thema „idiotensicher“…

Gut, dass das heute so gar nichts ausmacht. Denn ich kann schon wieder von Prachtwetter berichten. Obwohl es eisig frisch ist, scheint die Sonne durch die Bäume und lässt den Reif auf den Blättern und Gräsern nur so glitzern. Fein!

Baumruinen

Nachdem wir ein Stück entlang der Bundesstraße gelaufen sind (immerhin mit separatem Fuß-/Radweg) kommen wir in den urigen Urwald. Hier können einem auch schon mal Äste auf den Kopf fallen. Annette hält fleißig Ausschau, aber sie kann nichts fallendes entdecken. Ist auch besser so.

Der Urwald ist dann vor allem wegen der Baumruinen beeindruckend, die hier rumstehen oder -liegen. Die alte Buche, die trotzig auf zwei Beinen stehenbleibt, obwohl sie von innen schon ausgehöhlt ist, finden wir besonders toll. Was so ein Baum alles aushält, bis er dann irgendwann doch umkippt!

Aufgeräumter Urwald

Was in einem Urwald etwas irritiert sind die vielen Sprühmarkierungen an manchen Bäumen. Wird hier jetzt doch bewirtschaftet? Und wenn man mal drüber nachdenkt: Ist das eigentlich ja sehr praktische Knotenpunktsystem nicht das genaue Gegenteil eines „Ur“waldes? Ich glaube, dass es kaum einen deutscheren Wald als diesen gibt! Noch dazu vor allem mit Buchen und Eichen…

Driving Home For Christmas

Als wir nach zwei Stunden wieder am MoMo ankommen wird es zusehends diesiger. Das für die kommenden Tage angekündigte schlechte Wetter hält sich strikt an den Fahrplan.

Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass man doch eigentlich aufhören soll, wenn es am schönsten ist. Wir hatten eine wunderbare Woche hier in Ostfriesland und besser wird es nicht mehr werden. Also warum nicht schon heute und nicht, wie geplant, erst morgen nach Hause fahren? Wir liebäugeln zwar mit einem Dacapo für die Fischpfanne im alten Sielhaus in Ditzum, entscheiden uns dann aber doch dafür, den Heimweg anzutreten. Da hat die gestrige Dauerbeschallung mit „Driving Home For Christmas“ anscheinend was ausgelöst…

Wir wünschen allen Lesern eine schöne Vorweihnachtszeit, friedliche Festtage und melden uns dann noch mal zum Jahresende wie gewohnt mit den Großen 12 des Jahres 2019.

2 Kommentare

  1. Hallo Ihr Zwei,

    sehr schöner Reisebericht aus dem winterlichem Ostfriesland.Auch wir waren schon öffters dort aber nur Frühjahr-Herbst, da wir ein Saisonkennzeichen haben.In dem Link könnt Ihr mal sehen wie es in Ostfriesland im Frühsommer aussieht.Eure Homepage ist sehr schön, habe dort viele Gemeinsamkeiten gefunden. So wie Ihr lieben wir ebenfalls Skandinavien, bevorzugt aber Norwegen. In Euren Berichten aus dem Hohen Norden, habe ich viele Bilder wieder erkannt. Wenn mich nicht alles täuscht seit auch Ihr aus dem Bergischen Land, vielleich begegnet man sich ja mal.Wünsche Euch noch weiterhin viel Spaß mit Eurem “MOMO”
    LG aus Wipperfürth, Michael

    Antworten
    • Vielen Dank für die freundlichen Worte, Michael! Im Sommer ist Ostfriesland echt eine andere Hausnummer – reichlich voll, oder?
      Jetzt gerade freuen wir uns auf unsere zweite Schottlandtour im März – das müsste wieder sehr großartig werden. Und wenn alles glatt läuft, bauen wir Irland auch noch mit ein. Zwei absolute Traumziele auf einer Reise – what‘s not to like?

      Liebe Grüße zurück nach Wipperfürth!

      Antworten

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