So haben wir uns das vorge­stellt. Angenehme Tempe­ra­turen und trotzdem Sonnen­schein. Und ein frischer Wind, der das ganze perfekt macht.

Spaziergang durch den Sommer

Da wir nur ein paar Kilometer von Nysted, einem angeblich hübschen kleinen Städtchen entfernt sind, beschließen wir, einen kleinen Fußweg dorthin zu unter­nehmen. Wanderung kann man das kaum nennen. Denn wir gehen erst mal auf der Straße vorbei an den hübschen Häuschen, von denen ich gestern schon so begeistert war. Ich kann diesmal sogar ein paar Fotos machen.

Auch der Weg mitten durch die Getrei­de­felder ist geradezu ein Inbegriff von Sommer. Warm und gelb ist es rund um uns. Und ein paar Mohn- und Kornblu­men­sprenkler gibt es gratis dazu.

Sommer in #dänemark

Waldumweg

Bevor wir den Ort erreichen, kommen wir an das Wäldchen, das zum Schloss Aalholm gehört. Es bietet sich förmlich für einen kleinen Schlenker an. Wir stolpern über ein paar Rebhühner, die hier anscheinend in größerer Zahl angefüttert werden. Lustig, wie schnell die Burschen sich im Unterholz verkrümeln, als wir kommen. Dabei wollten wir doch gar keine Massen­panik verur­sachen!

Unser geplanter Abstecher, um am Ufer entlang zum Schloss und zur Stadt gelangen, fällt dann aber flach. Denn ein Zaun versperrt den Weiterweg, so dass wir den Rundweg fortsetzen und ans westliche Ufer der kleinen Halbinsel gelangen.

Über Stock und über Steine

Wir sehen vom Ufer aus den Hafen von Stubberup. Es gibt einen kleinen, leicht zugewach­senen Feldweg, der parallel zum Ufer verläuft. Wir könnten ja auch auf diesem Weg zurück­gehen und dann mit dem MoMo in die Stadt fahren! Gesagt, getan.

 

Aber so ganz klasse war die Idee dann doch nicht. Denn der Weg ist reichlich zugewachsen und im Sommer ist auch der Weg entlang des Rapsfeld­randes gut mit Disteln und Gräsern zugewachsen. Nur so mittel­lustig, wenn man mit Sandalen unterwegs ist. Und auch die blinde Mia pflügt sich tapfer durch das hüfthohe Gras. Noch mal ein richtiges Abenteuer für unsere Seniorin!

Fahrprüfung

Das nächste Abenteuer wartet dann auf Annette. Sie hat sich „diesmal aber wirklich“ vorge­nommen, das Lenkrad zu übernehmen und uns für den Rest des Tages zu kutschieren. Und so wird es auch gemacht. Denn die dänischen Straßen hier auf Lolland zeichnen sich vor allem durch eines aus: Nix los. Besser wird’s nicht.

 

Und es läuft bis hinein nach Nysted auch gut. Wir machen nur den Fehler, dem Schild „Centrum“ zu folgen, anstatt auf das Navi zu hören. Denn die Straße, durch die wir jetzt fahren, ist zwar nicht viel befahren, wirkt aber wie eine Einbahn­straße. Nur mit dem Unter­schied, dass einem schon mal jemand entge­gen­kommt… Und das ist für Womo-Fahran­fänger dann nicht wirklich lustig. Aber auch diesen Schreck übersteht Annette und bringt uns sicher zum Parkplatz am Hafen. Und der ist dann so großzügig und leer, dass das Einparken keine weiteren Probleme aufwirft.

Dänen­ent­spannung

Das ist hier wirklich das krasse Alter­na­tiv­pro­gramm zu gestern. Wo auf Fehmarn alles vollge­parkt und stressig war, ist hier alles tiefen­ent­spannt. Man schlendert durch ein schnu­cke­liges Hafen­areal mit kleinen Hüttchen und Restau­rants. Und ein paar Leutchen bummeln auch hier rum. Und das, obwohl es hier ausge­sprochen nett ist. Nicht spekta­kulär, aber eben: Nett. Freundlich. Angenehm. Und in uns reift der Plan, den Schwe­denteil zu streichen und einfach in Dänemark zu bleiben. Annette wird sogar so radikal, nur noch in Lolland bleiben zu wollen. Mal gucken…

2 Kugeln sind 1 Kugler

Rechnen tun sie aller­dings komisch, die Dänen. Wir feiern Annettes Womofahrt mit einem Eis am Hafen. Dort gibt es für freund­liche 3€ eine Kugel Eis. Aber wenn man doch feiern will…? Als ich sehe, wie klein die Kugeln sind, beschließe ich, die 50ct drauf­zu­legen, damit noch eine zweite Kugel in das riesige Hörnchen wandert. Es würde sonst zu verloren aussehen… Aber als ich drankomme, sehe ich, dass der Eisver­käufer für jede „offizielle“ Kugel zweimal in den Eisbe­hälter langt. Wir haben also am Ende mit der Bestellung „2 Kugler“ jeder 4 Kugeln Eis im Hörnchen. Ob die das alle so rechnen?

Nettes Nysted

Wir erkunden noch ein bisschen den Ort und mir fällt ähnlich wie letztes Jahr in Ribe auf, wie ausge­sprochen leer die Straßen hier wirken. Fast schon ein bisschen zu leer! Aber die schönen beblumten Häuser, die es auch hier gibt, gefallen uns immer noch gut.

Ab an den Hafen

Wir wundern uns ein bisschen, dass es hier zwar einen Hafen, aber keine Möglichkeit der Toilet­ten­ent­sorgung gibt. Das wäre dann doch mal nötig. Aber Annette hat in Sakskøbing einen kleinen Binnen­hafen am Ende des Minifjords Smålands­far­vandet gefunden, der anscheinend super für Wohnmobile sein soll. Probieren wir aus!

Mit jedem Kilometer am Steuer wird Annette zuver­sicht­licher, dass eine Fahrt mit dem MoMo vielleicht doch ohne Crash enden könnte. (Man muss dazu wissen, dass sie eine gute Autofah­rerin ist und lediglich den Pin im Kopf hat, dass unser „großes“ Gefährt etwas anderes und anspruchs­volles sei — es hat also mehr mit dem Kopf als mit dem Fahrver­mögen zu tun). Ich genieße auf jeden Fall die ungewohnte Rolle des Beifahrers und staune darüber, was man als Beifahrer so alles entdecken kann, wenn man nicht größten­teils auf die Straße guckt.

Der Hafen entpuppt sich dann als absoluter Volltreffer. Wir können weiter unser Fehmarn-Trauma bearbeiten: Hier stehen um 15 Uhr gerade mal 3 Womos und es gibt Platz für 4mal so viele! Und es ist alles feinsten angelegt, so dass wir uns nur noch einen schicken Platz aussuchen müssen und dann im Windschatten des MoMos die Sonne genießen können. Prima!

Zu unserem Rollen­tausch für den Tag gehört dann natürlich noch, dass ich koche und den Abwasch mache. Ehren­sache. Und es tut mal ganz gut, zu sehen, wie viel Arbeit das ganze ist. Während ich mich sonst vom Fahren bei Bierchen und Lesen/Bloggen erhole, darf ich mir jetzt erst mal alles in der Küche zusam­men­suchen und stelle peinlich berührt fest, wie wenig ich mich in der Bordküche auskenne. Geschmeckt hat mein berühmter Papa-Auflauf aus dem Omnia mit Nudeln, Mais, Thunfisch und Blauschim­melkäse aber trotzdem. Gelernt ist gelernt…

Und am späten Abend ist der Platz dann überra­schen­der­weise doch sehr gut gefüllt. Aber so, dass man eigentlich immer noch genug Platz hat. Wenn sich nicht jemand ohne Not in den Freiraum zwischen uns und unseren Nachbarn stellt, wie der Kuschel­camper, der sich in die Lücke links neben uns quetscht. Und man muss dazu sagen, dass die Plätze sehr deutlich gekenn­zeichnet sind…!