Jetzt hinein gehen sie in Parkplatz
17. März 2019

Noch ganz beseelt vom tollen Sonnen­un­tergang habe ich mir den Wecker gestellt. Wenn der Untergang so fantas­tisch war, ist es der Sonnen­aufgang sicherlich auch. Naja, nicht immer.

Denn es ist bewölkt. Und frisch. Ich raffe mich trotzdem auf — in meinem Kopf mache ich schon fantas­tische Bilder von der urigen Rhône­mündung. Die Realität ist dann ernüch­ternd. Am Fähran­leger wartet eine Handvoll Autos auf die Überfahrt.

Aber wohin das Auge auch schaut: Indus­trie­an­lagen oder Windräder. Nichts maleri­sches oder beson­deres. Zumindest nicht da, wo ich entlang gehe. Also gehe ich wieder zurück ins Womo und wir kuscheln uns noch mal ins Bett. Auch nicht schlecht!

Durchs Ödland

Erst gegen Mittag wird es etwas freund­licher. Für uns das Start­signal. Wir machen noch den Abstecher zum Aussichts­punkt über die Salinen und ich male mir aus, wie es wohl beim Sonnen­un­tergang hier aussieht. Bestimmt ein guter Fotospot!

Wir nutzen die Fähre, um uns den langen Umweg über Arles zu ersparen. Aber 10€ für Womos für diesen Katzen­sprung ist schon eine Ansage!

Und das Ganze nur, um anschließend durch den sicherlich unattrak­tivsten Teil der Provence zu fahren. Indus­trie­an­lagen und riesige Öltanks machen die Gegend nun mal nicht schöner.

Aber recht­zeitig vor unserem Tagesziel Carro wird ab Martigues die Landschaft auch wieder proven­ca­li­scher.

Charmantes Carro

Carro ist ein kleines Hafen­städtchen wie aus dem Bilderbuch. Sogar komplett mit Fisch­markt­ständen am Hafen, wo die Fischer ihren Fang verkaufen. Als wir kommen, ist für sie der Tag aber schon gelaufen — oder am Sonntag ist ohnehin Ruhetag.

Wir werden abenteu­erlich wegen einer Baustelle durch den halben Ort gelotst. Aber immerhin ist die Deviation sogar extra für Womos ausge­schildert. Denn am Ende der Umleitung gibt es einen wirklich großen Stell­platz für Wohnmobile. Wir finden ihn aber erst im zweiten Anlauf, da vorher noch ein PKW-Parkplatz kommt und wir uns schon ärgerten, dass so viele PKWs die schönen Womostell­plätze zuparken.

Aber der eigent­liche Stell­platz ist dann beschrankt und mit einem charmanten Jetzt hinein gehen sie in Parkplatz öffnet sich nach Bezahlung die Barriere. Hinein!

Es sind noch reichlich Plätze frei und zu unserem Entzücken sogar mehrere mit Meerblick. Annette entdeckt natürlich den besten direkt gegenüber des San-Crist-Kreuzes.

Auf der Kaffeebank

Unterhalb des Kreuzes befindet sich eine plateau­artige Fläche von krisse­ligen Felsen. Und oberhalb dieser Fläche, auf der sich mehrere Angler und Sonntags­bummler tummeln, gibt es noch ein paar Bänke. Eine davon wird unsere Kaffeebank für die Tarte au citron, die Annette morgens in der Boulan­gerie erstanden hat. Immer lecker!

Wir beschließen es für den Nachmittag mal gemütlich anzugehen. Also einfach da sitzen und mit Blick auf den Phare du Cap Couronne dem Treiben zusehen.

Die Sonne kann was

Recht­zeitig zum Sonnen­un­tergang bin ich bereit. Stativ, Kamera, winddichte Jacke. Denn für die Nacht und die kommenden Tage ist Mistral vorher­gesagt, der stürmische Nordwestwind, für den die Provence berüchtigt ist. Bis jetzt merkt man aber nur seine Vorboten.

Dafür spielt die Sonne diesmal mit mir. Mal ziert sie sich etwas und verschwindet hinter den Wolken, mal kommt sie hervor und zaubert tolle Farben an den Himmel und die Wolken. Und ich darf das alles wegfo­to­gra­fieren. Danke!

Abend­essen bei Francine

Jetzt haben wir aber auch Hunger. Und wir haben schon vorab recher­chiert, wo es gut sein könnte. Jedoch: Mitte März ist hier noch der Hund begraben! Alle Restau­rants, die wir uns ausge­guckt haben, haben bereits (oder immer noch) zu. Wir schlendern die Haupt­straße entlang und wollen schon aufgeben als ich ein beleuch­tetes Geschäft sehe. Das Chez Francine wirkt aber so, als würde man hier auch gleich den Laden dicht machen. Am Fenster sitzt die komplette Beleg­schaft und isst zusammen. Ist auch hier Feier­abend? Nein, Gottseidank nicht!

Wir werden von der etwas verhärmt wirkenden Chefin hinein­ge­beten und dürfen uns nicht an irgend­einen Tisch setzen, sondern sie weist uns einen zu. Denn der Laden macht gerade erst auf und es füllt sich zusehends mit Gästen. Von wegen Feier­abend!

Wir haben die Qual der Wahl, entscheiden uns aber richtig. Und insbe­sondere an meinen Linguini mit Meeres­früchten und Safran­sauce werde ich mich noch lange erinnern — so lecker!

Als wir schließlich pappsatt am MoMo ankommen, rüttelt der stärker werdende Mistral bereits am MoMo — das könnte eine ruckelige Nacht geben!

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