Olympisch parken und Peer Gynt
16. Juli 2016

Das Wetter macht brav weiter, was es soll. Bis zum Morgen hören wir noch das Prasseln der Regen­tropfen auf dem Dach, welches aber pünktlich zum Aufstehen aufhört und dann einem weiteren schönen Sommer­morgen weicht.

Wir genießen noch ein bisschen die Stille und den schönen Blick auf den See bevor wir aufbrechen. Ein Abstecher führt uns zum Yacht­hafen, wo es ans Wasser­nach­füllen geht. Ansonsten sind wir uns einig: Kein schöner Platz. Und wie man sich dann im Liege­stuhl auf einen Schot­ter­platz setzen kann, wenn es doch so viel schönere Fleckchen in Norwegen gibt, verstehen wir auch nicht so ganz. Müssen wir aber auch nicht.

Denn für uns geht es nun weiter nach Lille­hammer. Die Fahrt führt uns wieder über die E6, wo man problemlos den Tempo­maten auf “80” stellen kann und dann in der Kolonne weiter­fährt. Es geht weiter durch die Alpen­vor­land­schaft am Mjøsasee bis zur Olympia­stadt. Dort wollen wir erst mal tanken und Brot für den morgigen Sonntag kaufen. Am riesigen Einkaufs­center mit der Kirsche entdecken wir am Eingang einen Stand der Elch‑, Rentier- und sonstige Salami verkauft. Und das alles auch fleißig zum Kosten aufschneidet. Wir probieren und sind angenehm überrascht: Das schmeckt wirklich sehr lecker! Und weil wir uns nicht entscheiden können, haben wir plötzlich 3 von den dicken langen Hartwürsten gekauft, die angeblich bis zu einem Jahr problemlos haltbar sein sollen. So alt werden die bei uns aber nicht!

Im Super­markt stellen wir fest, dass Alkohol tatsächlich ein sehr teures Vergnügen ist, aber viele Dinge auch auf einem völlig bezahl­baren Niveau liegen. Das hätten wir uns schlimmer vorge­stellt. Und da unsere Camping­platz­kosten bisher bei Null liegen, können wir ja kräftig in Naturalien inves­tieren…

Eigentlich war nun der Plan, das angeblich sehr sehens­werte Freilicht­museum von Lille­hammer zu besuchen. Aber alle Womostell­plätze sind voll belegt — manche von PKWs… Wir beschließen unser Glück an der Eisho­ckey­halle im Olympia­parken zu versuchen und können dort tatsächlich auf einem nahezu menschen­leeren Parkplatz olympisch parken. Der Name ist Programm!

Der Weg in die Stadt führt uns dann ein ganzes Stück steil bergab. In der sehr gut im Bahnhof versteckten und schlecht beschil­derten Tourist Infor­mation erhalten wir eine Broschüre über den Peer-Gynt-Weg, den wir morgen befahren wollen. Anschließend gehen wir in den kleinen, aber sehr gemüt­lichen Sondre-Park und setzen uns ins Gras. Annette zeichnet, ich lese und halte ein Nickerchen. Entspannung.

Anschließend bummeln wir noch ein bisschen durch die Haupt­straße und auch wenn fast alle Geschäfte schon geschlossen haben, gefällt uns Lille­hammer als Stadt richtig gut. Nett hier!

Auf dem Weg zurück zum MoMo entsteht der Plan, das schöne Wetter doch lieber in der Natur als auf einem Großpark­platz zu verbringen. Und das Museum kann auch noch bis zum nächsten Mal warten. Also geht es heute schon auf den Peer-Gynt-Weg!

Diese Straße verläuft nahezu parallel zur im Tal gelegenen E6, aber auf der westlichen Bergseite. Zunächst durchs breite, sanft anstei­gende Gausdal, dann immer steiler ansteigend und schließlich auf Schot­ter­piste wechselnd bis zum Ferienort Skei mit seinen vielen grasbe­wach­senen Häusern. Dort beginnt der eigent­liche, mautpflichtige Teil der Panora­ma­straße. Wir überlegen kurz, am großen und menschen­leeren Parkplatz vor der Schranke zu übernachten und uns den Weg für den morgigen Sonntag aufzu­heben. Aber da der Platz nur so mittel­at­traktiv ist, beschließen wir, weiter zu fahren. Was ein Glück! Denn jetzt wird die Straße wirklich abenteu­erlich. Teilweise mit recht ordent­lichen Schlag­lö­chern, so dass man konzen­triert fahren muss und nicht so viele Blicke in die tolle Landschaft rechts und links werfen kann, wie man eigentlich möchte.

Nach kurzer Zeit sehen wir ein Womo, dass neben der Straße steht und einen tollen Stell­platz an einem kleinen See gefunden hat. Neid! Wir fahren weiter und es tun sich immer wieder tolle Ausblicke auf. Und oberhalb des Nisjuvatn finden wir dann unseren Platz. Der Blick auf den See erinnert ein bisschen an Ladies View bei Killarney in Irland. Und netter­weise gibt es sogar eine Picknickbank für uns. Viel besser geht’s nicht!

Nur leider spielt das Wetter nicht mehr so ganz mit. Es ist zunehmend stärker bewölkt, böig und da wir fast auf 1000m Höhe sind, auch nicht mehr so warm wie in Lille­hammer. Wir beschließen erst mal Abendbrot mit unseren Einkäufen des Tages zu machen. Auch dann wird es nicht wirklich sonniger, so dass meine Fotoex­kursion Richtung See nicht so ganz befrie­digend ist. Aber egal! An diesem schönen Platz kann man auch bei bedecktem Himmel eine schöne Aussicht genießen. Und das tun wir!

Und als dann abends beim Blogschreiben noch zuerst eine kleine glöck­chen­klin­gende Schaf­herde vorbei­zieht und wenig später dann doch noch einmal die Sonne unter den Wolken durch­schaut sind wir einfach nur glücklich, dass wir in diesem tollen Land sind und freuen uns auf morgen!

Vassen­den­index

Sommer­wetter: 3

Pisswetter: 0

2 Kommentare

  1. wenn ihr auf googlemaps nach Nisju­vatnet sucht, sieht das angebotene Bild fast so aus wie hier das zweit­un­terste, scheint nur eine andere Jahreszeit und ein bisschen weiter weg zu sein. 🙂

    Gruß
    Johannes

    Antworten
    • Das nenne ich mal gründ­liches Lesen! ?
      Wundert mich nicht, dass man diese Aussicht auf anderen Bildern findet — ist einfach zu schön…!

      Antworten

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