Springende Ritter

“Micha, die Sonne scheint! Das sieht so toll aus!” So beginnt der Tag mit einem Blick auf die wunderbar beschienene Landschaft. Der zweite Satz ist “Ach so, ist erst halb sieben…” Aber jetzt sind wir wach und ungewöhnlich früh brechen wir auf.

Der Peer-Gynt-Weg gehört uns zu dieser Zeit quasi allein und wir nehmen uns Zeit für die Schotterstrecke durch grandiose Landschaft. Lediglich die Schafe sind schon wach und gucken sich leidlich interessiert vom Straßenrand aus das MoMo an.

Vor der Fagerhøy-Alm ist ein absolut lohnender Aussichtspunkt. Mann, ist das ein Panorama! Und so fahren wir weiter von schöner Aussicht zu schöner Aussicht, auch wenn es mittlerweile leicht tröpfelt und sich etwas zuzieht.
Direkt hinter dem Schlagbaum der Mautstation halten wir noch einmal für einen letzten Blick zurück, da es so eine nett pittoreske rote Bank gibt, die einsam auf einem Hügel steht. Wird ausprobiert und für gut befunden.

Jetzt geht es wieder hinab ins Gudbrandsdal. Ganz schön steil! In Harpefoss überqueren wir den Lågen, fotografieren die tiefe Schlucht und sind wieder zurück auf der E6.

Hier komme ich mir vor wie eine Winkekatze. Womo nach Womo kommt an uns vorbei und wird gegrüßt. Man könnte meinen, alles was ein Wohnmobil hat, ist in Norwegen unterwegs! Daher bin ich dann auch ganz froh, als wir Richtung Heidal ins Tal entlang der wilden Sjoa abbiegen. Hier ist alles auf Rafting ausgerichtet und wer die Stromschnellen des Flusses sieht, kann sich vorstellen, dass das hier bestimmt richtig toll ist. Nach Heidal sind wir gefahren, weil ein Reiseführer davon schwärmte, dass es quasi wie ein Freiluftmuseum sei, weil es so viele alte Häuser gebe.

Wir halten zunächst mal an der Stabkirche und finden dort trotz “i”-Schild keinerlei Infos. Dafür aber eine wirklich schöne, schlichte Kirche, die uns in ihren simplen Symmetrie richtig gut gefällt. Entsprechend toben wir uns dort fotografisch mal ein bisschen aus. Auch schön!

Als wir schließlich weiterfahren, kommt zwar nach ein paar Metern der Ort, aber wir sehen keine wirklich ungewöhnlich alten oder besonderen Häuser. Und auch keine weiteren Infos hierzu. Schulterzuckend fahren wir weiter.
In Randsverk stellen wir fest, dass es von hier nur ein Katzensprung zum Ridderspranget ist, den ich mir schon vorab auf die “Will ich sehen”-Liste gepackt habe. Also nix wie hin!

Der Ridderspranget (zu deutsch: Rittersprung) ist eine schmale Stelle, wo man tatsächlich über die an dieser Stelle zehn Meter unter einem wild tobende Sjoa springen könnte. Der Sage nach hat das ein Ritter mit seiner Braut wirklich gemacht…

Wir halten uns da etwas zurück und genießen stattdessen die Ausblicke von oben und unten auf das tobende Wasser. Was ein Spektakel!

Und als wir zum Parkplatz zurückkehren, sehen wir, wie Leute ihre Kajaks klar machen, um sie offensichtlich unterhalb der Engstelle einzusetzen. Irre!

Wir haben mittlerweile festgestellt, dass wir uns viel zu nah am Jotunheimengebiet befinden, als dass eine Rückkehr zur E6, wie eigentlich geplant, noch Sinn machen würde. Also planen wir um und ziehen den Jotunheimen vor, den wir eigentlich eher gegen Ende machen wollten.
Hier finden wir im Sjodalen eine an Kanada erinnernde karge Landschaft mit einsamen Straßen vor. Muss ich erwähnen, dass die Landschaft grandios ist?
Wir suchen uns die Wanderung am Hulderstigen aus. Eine nette Rundwanderung von 2 Stunden. Genau das richtige, um sich einzulaufen.

Zunächst geht es auf einer definitiv nicht rollstuhlgerechten Brücke über die hier sehr breite Sjoa.
Entlang des Weges finden sich immer wieder kleine Tafeln, die tatsächlich kurz und knackig Besonderheiten entlang des Weges beschreiben. Gut gemacht! Denn die Wanderung wird dadurch kurzweilig und wir finden immer wieder schöne Blicke aufs Wasser. Lediglich die Mücken sorgen dafür, dass wir nirgends wirklich lange verweilen…

Als wir wiederkehren, ist es schon 19 Uhr und wir machen uns Gedanken, wo wir die Nacht verbringen. Das Trügerische: Hier herrscht gerade mal schönste Nachmittagsstimmung! Man hat noch gar keine Lust, nach einem Nachtquartier zu suchen. Tun wir aber trotzdem, da wir vom frühen Aufstehen und dem vollen Tag dann doch geschafft sind.

Wir finden einen vielversprechenden Platz per App und steuern ihn an. Etwas skeptisch, da an fast allen Parkplätzen das Schild “No Camping” zu finden ist. Aber tatsächlich finden wir zwischen Gjende- und Bygdinsee einen Platz vor, der schon von vielen Womos, Zelten und sogar einem Wohnwagen belegt ist. Auch für uns findet sich noch ein prima Plätzchen! Nur Internet gibt’s hier keines, so dass das Fertigstellen des Blogs erst mal warten muss.

 

Vassendenindex
Eher bedeckt und kühl mit Tröpfelregen, nachmittags aber auch sonnig
Sommerwetter: 2,5
Pisswetter: 0,5

 

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