Springende Ritter

17. Juli 2016

“Micha, die Sonne scheint! Das sieht so toll aus!” So beginnt der Tag mit einem Blick auf die wunderbar beschienene Landschaft. Der zweite Satz ist “Ach so, ist erst halb sieben…” Aber jetzt sind wir wach und ungewöhnlich früh brechen wir auf.

Der Peer-Gynt-Weg gehört uns zu dieser Zeit quasi allein und wir nehmen uns Zeit für die Schotterstrecke durch grandiose Landschaft. Lediglich die Schafe sind schon wach und gucken sich leidlich interessiert vom Straßenrand aus das MoMo an.

Vor der Fagerhøy-Alm ist ein absolut lohnender Aussichtspunkt. Mann, ist das ein Panorama! Und so fahren wir weiter von schöner Aussicht zu schöner Aussicht, auch wenn es mittlerweile leicht tröpfelt und sich etwas zuzieht.
Direkt hinter dem Schlagbaum der Mautstation halten wir noch einmal für einen letzten Blick zurück, da es so eine nett pittoreske rote Bank gibt, die einsam auf einem Hügel steht. Wird ausprobiert und für gut befunden.

Jetzt geht es wieder hinab ins Gudbrandsdal. Ganz schön steil! In Harpefoss überqueren wir den Lågen, fotografieren die tiefe Schlucht und sind wieder zurück auf der E6.

Hier komme ich mir vor wie eine Winkekatze. Womo nach Womo kommt an uns vorbei und wird gegrüßt. Man könnte meinen, alles was ein Wohnmobil hat, ist in Norwegen unterwegs! Daher bin ich dann auch ganz froh, als wir Richtung Heidal ins Tal entlang der wilden Sjoa abbiegen. Hier ist alles auf Rafting ausgerichtet und wer die Stromschnellen des Flusses sieht, kann sich vorstellen, dass das hier bestimmt richtig toll ist. Nach Heidal sind wir gefahren, weil ein Reiseführer davon schwärmte, dass es quasi wie ein Freiluftmuseum sei, weil es so viele alte Häuser gebe.

Wir halten zunächst mal an der Stabkirche und finden dort trotz “i”-Schild keinerlei Infos. Dafür aber eine wirklich schöne, schlichte Kirche, die uns in ihren simplen Symmetrie richtig gut gefällt. Entsprechend toben wir uns dort fotografisch mal ein bisschen aus. Auch schön!

Als wir schließlich weiterfahren, kommt zwar nach ein paar Metern der Ort, aber wir sehen keine wirklich ungewöhnlich alten oder besonderen Häuser. Und auch keine weiteren Infos hierzu. Schulterzuckend fahren wir weiter.
In Randsverk stellen wir fest, dass es von hier nur ein Katzensprung zum Ridderspranget ist, den ich mir schon vorab auf die “Will ich sehen”-Liste gepackt habe. Also nix wie hin!

Der Ridderspranget (zu deutsch: Rittersprung) ist eine schmale Stelle, wo man tatsächlich über die an dieser Stelle zehn Meter unter einem wild tobende Sjoa springen könnte. Der Sage nach hat das ein Ritter mit seiner Braut wirklich gemacht…

Wir halten uns da etwas zurück und genießen stattdessen die Ausblicke von oben und unten auf das tobende Wasser. Was ein Spektakel!

Und als wir zum Parkplatz zurückkehren, sehen wir, wie Leute ihre Kajaks klar machen, um sie offensichtlich unterhalb der Engstelle einzusetzen. Irre!

Wir haben mittlerweile festgestellt, dass wir uns viel zu nah am Jotunheimengebiet befinden, als dass eine Rückkehr zur E6, wie eigentlich geplant, noch Sinn machen würde. Also planen wir um und ziehen den Jotunheimen vor, den wir eigentlich eher gegen Ende machen wollten.
Hier finden wir im Sjodalen eine an Kanada erinnernde karge Landschaft mit einsamen Straßen vor. Muss ich erwähnen, dass die Landschaft grandios ist?
Wir suchen uns die Wanderung am Hulderstigen aus. Eine nette Rundwanderung von 2 Stunden. Genau das richtige, um sich einzulaufen.

Zunächst geht es auf einer definitiv nicht rollstuhlgerechten Brücke über die hier sehr breite Sjoa.
Entlang des Weges finden sich immer wieder kleine Tafeln, die tatsächlich kurz und knackig Besonderheiten entlang des Weges beschreiben. Gut gemacht! Denn die Wanderung wird dadurch kurzweilig und wir finden immer wieder schöne Blicke aufs Wasser. Lediglich die Mücken sorgen dafür, dass wir nirgends wirklich lange verweilen…

Als wir wiederkehren, ist es schon 19 Uhr und wir machen uns Gedanken, wo wir die Nacht verbringen. Das Trügerische: Hier herrscht gerade mal schönste Nachmittagsstimmung! Man hat noch gar keine Lust, nach einem Nachtquartier zu suchen. Tun wir aber trotzdem, da wir vom frühen Aufstehen und dem vollen Tag dann doch geschafft sind.

Wir finden einen vielversprechenden Platz per App und steuern ihn an. Etwas skeptisch, da an fast allen Parkplätzen das Schild “No Camping” zu finden ist. Aber tatsächlich finden wir zwischen Gjende- und Bygdinsee einen Platz vor, der schon von vielen Womos, Zelten und sogar einem Wohnwagen belegt ist. Auch für uns findet sich noch ein prima Plätzchen! Nur Internet gibt’s hier keines, so dass das Fertigstellen des Blogs erst mal warten muss.

 

Vassendenindex
Eher bedeckt und kühl mit Tröpfelregen, nachmittags aber auch sonnig
Sommerwetter: 2,5
Pisswetter: 0,5

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Norwegen und Schweden Sommer 2016
Volldampf voraus

Volldampf voraus

Ordnungsgemäß habe ich mir den Wecker gestellt, damit wir nicht die Fähre verschlafen. Wäre aber nicht nötig gewesen, da Annette schon wach wurde als unsere Berliner Nachbarn mit ihrem Bus losfuhren. Komisch, die wollten doch auch mit der Fähre nach Rostock...? Bis es...

Finale Furioso

Finale Furioso

Merkwürdig. Je mehr die Reise sich dem Ende zuneigt, um so früher wachen wir auf. Vorbereitung auf den Arbeitsalltag oder Auskosten jeder Minute, die noch bleibt...? Annette ist Feuer und Flamme, bei dem schönen sonnigen Wetter draußen zu frühstücken. Mir sitzt aber...

Endspurt

Endspurt

Wobei: Spurt trifft es nur bedingt. Wir brechen nämlich ganz gemütlich auf und auch die Fahrt ist alles andere als gehetzt. Aber es geht halt auf die Zielgerade. Die Ziellinie in Form des Trelleborger Hafens zeichnet sich klar im Kalender ab und daher müssen wir heute...

Kleine Tour zum Langen Jan

Kleine Tour zum Langen Jan

Die Entscheidung, noch eine weitere Nacht auf dem Campingplatz zu bleiben, fällt uns nicht schwer. Das Wetter ist heute mal wirklich richtig sommerlich - man kann tatsächlich ohne Reue in T-Shirt und Shorts rumlaufen. Hatten wir jetzt auch nicht so häufig... Wir...

Hey hey, my my

Hey hey, my my

Ein bisschen läuft uns das schlechte Wetter nach. Heute morgen ist es bedeckt und windig. Macht uns aber mittlerweile schon nix mehr aus. Wir fahren zur nahe gelegenen Burg Eketorp. Aber das Angucken von der Ferne reicht uns dann auch aus. Den eher happigen Eintritt...

Reif für die Insel

Reif für die Insel

Spät geht es heute los. Wir genießen das Trödeln und das freundlich-warme Wetter am kleinen Sandstrand unseres Stellplatzes. Dann geht es aber weiter in unsere "Heimatstadt": Nach Mönsterås! Wir wollen dort sicherheitshalber unsere leere Gasflasche auffüllen lassen....

Schwedenromantik

Schwedenromantik

Nachdem wir uns in Västervik noch mal mit Einkaufen und Volltanken für die letzten Tage gerüstet haben, geht es wieder auf die E22. Wir fahren weiter Richtung Süden. Annette hat im Womoführer den Tipp entdeckt, einen Abstecher nach Stensjö By zu machen. Ein eigentlich...

Windige Ecke

Windige Ecke

Nach den Gammeltagen auf dem Campingplatz müssen wir erst mal wieder auf Touren kommen. Aber gaaanz langsam! Also erst mal nur ein kurzes Stückchen bis nach Västervik, was die nächste etwas größere Stadt ist. Direkt an den Ostseeschären. Wir finden mitten im Zentrum...

Faulheit, Fahrrad und Piggelin

Faulheit, Fahrrad und Piggelin

Heute ist Teil 2 des ultimativen Seele-baumeln-lassens. Insofern gibt es hier nicht viel zu berichten. Das Wetter ist weiter heiter-stürmisch-bewölkt-warmkühl. Irgendwie für dauernd draußen sitzen zu kalt und für drinnen bleiben zu schön. Also wechseln wir beständig...

Gammeltag mit Unwetter

Gammeltag mit Unwetter

Eigentlich ist der heutige Tag schnell mit dem Wort "Gammeltag" zusammengefasst. Nach einem gemütlichen Frühstück ziehen wir vom provisorischen Wiesenplatz auf den Campingplatz um. Erfreulicherweise kriegen wir sogar unseren Wunschplatz unter all den Möglichkeiten,...

Endlich chillen

Endlich chillen

Ich werde ausgesprochen früh wach und nutze die Gelegenheit, um vor allen anderen zu duschen. Denn der Stellplatz liegt noch in friedlichem Schlummer vor mir - kein Wunder, ist ja auch Sonntag. Und auch die Dusche an diesem Stellplatz ist kostenlos, aber trotzdem top....

Umstellungen

Umstellungen

Man könnte es glatt persönlich nehmen. Auch heute morgen ist es wieder grau und trüb. Naja, dann fallen die Entscheidung zum Weiterfahren und der Abschied nicht so schwer. Trotz Landstraße kommen wir hier in Schweden einfach schneller und stressfreier voran. Tempomat...