Sonni­ges Willkom­men
16. Juli 2020

Unser letzter Morgen in Dänemark beginnt früh. Und wegen der üblichen Fähre-nicht-verpas­sen-Sorge und spätem Blogschrei­ben auch unaus­ge­schla­fen. Sind wir ja gar nicht mehr gewöhnt! Der Camping­platz liegt morgens um 7 Uhr noch in tiefs­tem Schlum­mer, obwohl es schon taghell ist. Wir verab­schie­den uns von unserem Stand­platz für die letzten 6 Nächte und kommen gerne wieder!

Campingplatz am Morgen

Entwe­der lotst uns das Navi merkwür­dig oder der Anfahrts­weg zur Fähre in Hirts­hals ist von Løkken kommend wirklich so komisch. Man kann die Fähre schon von Weitem sehen, dreht aber immer wieder an einem Kreis­ver­kehr „falsch“ ab und fährt wieder von ihr weg. Das Spiel wieder­holt sich so 3–4 mal, bis wir endlich am Check-in ankom­men.

Alles wie immer

Die Schlan­gen an den Check-in-Schal­tern sind beein­dru­ckend voll. Wir sind offen­sicht­lich nicht die einzi­gen, die Sehnsucht nach Norwe­gen hatten – es stehen reich­lich Wohnmo­bile in den Schlan­gen.

Checkin Hirtshals
Warteschlange in Hirtshals

Wir sind gespannt, wie es sich in Corona-Zeiten an Bord einer Fähre anfühlt. Das Proze­dere beim Einwei­sen ist schon mal komplett normal – die Autos halten keinen Sicher­heits­ab­stand. Und an Bord findet man zwar die üblichen Hinweise und auch Desin­fek­ti­ons­spen­der in den Gängen, aber ansons­ten ist alles beruhi­gend (oder beängs­ti­gend, je nach Panik­le­vel …) normal. Wir waren gespannt, wie die stren­gen Norwe­ger das alles handha­ben, aber der empfoh­lene Mindest­ab­stand liegt hier sogar nur bei 1 Meter. Wer bietet weniger? Es gibt nur wenige Masken­trä­ger und die Kinder spielen auf dem Kletter­ge­rüst auf Deck als wäre es nie anders gewesen. Alles in allem: Es fühlt sich alles an, als wäre Corona zwar präsent, aber eben nicht alles bestim­mend.

Auf der MS Bergensfjord

Sonnige Kreuz­fahrt

Pünkt­lich zu unserem Abschied von Dänemark kommt die Sonne raus und beleuch­tet das Sonnen­deck. Hier lässt es sich aushal­ten! Wir müssen nur noch den passen­den Platz finden. Denn am Oberdeck pfeift der Wind und macht es kühl, sodass man sich tunlichst einen Platz im Windschat­ten sucht. Den finden wir aber schließ­lich, holen unsere Norwe­gen-Reise­füh­rer raus und überle­gen mal, wie die Reise jetzt weiter­geht. Denn wir sind dieses Mal ausge­spro­chen planlos und werden uns noch mehr treiben lassen als sonst.

Auf der MS Bergensfjord
Auf der MS Bergensfjord
Auf der MS Bergensfjord

Bei der Ankunft passiert etwas, was wir so nicht erwar­tet hatten: Es ist in Norwe­gen wärmer als in den 6 Tagen zuvor in Dänemark. Sommer! Bei unserer Einfahrt in die Schären von Lange­sund werden wir von wild winken­den Kindern am Leucht­feuer begrüßt. Mehr Skandi­na­vi­en­fee­ling geht nicht!

Ankunft Langesund

Mini-Wande­rung

Auch die Einreise nach Norwe­gen ist norma­ler als normal. Keine Passkon­trolle, kein Fieber­mes­sen, keine Zollkon­trolle. Einfach durch­fah­ren. So wie immer. Und schwupp­di­wupp sehen wir wieder den gelben Mittel­strei­fen auf den Straßen und fahren los.

Bei diesem Wetter wollen wir aber gar nicht weit fahren, sondern möglichst bald ausstei­gen und Landschaft und Wetter genie­ßen. Und wenn es geht, auch noch etwas Meer sehen. Das geht wunder­bar vom Parkplatz zur Jypleviktangen-„Wanderung“, den wir über eine unbefes­tigte Holper­stre­cke errei­chen. Erster Skandi­na­vi­en­test fürs MoMo II: bestan­den.

Jypleviktangen

Auf dem Weg zur Meeres­bucht atmen wir tief durch, um den typischen Kiefern­duft zu schnup­pern und arbei­ten uns dann über einen steinig-verwur­zel­ten Pfad zum Meer. Also auch hier alles so, wie wir es in Erinne­rung haben. Nach wenigen Minuten errei­chen wir die Bucht, wo es auch einige Ferien­häu­ser für die Sommer­fri­sche gibt. Einige Familien haben es sich am Stein­strand und auf der Wiese gemüt­lich gemacht und wir tun es ihnen gleich und pickni­cken erst mal mit dem überra­schend köstli­chen Krabben­sa­lat, den wir gestern in Dänemark gekauft haben. Im Sonnen­schein bei strah­lend blauem Himmel. In Norwe­gen!

in der Schärenbucht
in der Schärenbucht

Erste Paddel­erfah­rung

Wir haben eine wunder­bare Übernach­tungs­stelle mit See gefun­den. Zwischen Ulefoss und Lunde liegt der Nomevann, ein See am Telemark­ka­nal, von dem wir ohnehin schon viel als Paddel­re­vier gelesen haben. Ideal für die erste Tour mit unserem Scubi!

Nomevann

Das Boot ist ein Faltka­jak, der sich leicht aufbauen lassen soll. Wir holen unsere Packta­sche mit dem zusam­men­ge­fal­te­ten Kajak aus der Heckga­rage, studie­ren brav die gut bebil­derte und geschrie­bene Anlei­tung und haben nach einer halben Stunde tatsäch­lich ein aufge­pump­tes und stabi­les Boot am Start. Das war ja einfach!

Paddeln auf dem Nomevann

Zunächst darf Micha aufs Wasser und testet, wie es sich in unserem Kajak fährt. Um es kurzzu­ma­chen: super! Leise über den See zu gleiten ist wirklich eine großar­tige Sache und von den Fahrei­gen­schaf­ten ist es für Einstei­ger auch wunder­bar zu handha­ben.

Paddeln auf dem Nomevann

Was wir noch komplett falsch einschät­zen sind Entfer­nun­gen. Wenn man selber glaubt, nur ein bisschen weg vom Ufer gepad­delt zu sein, kommt es dem Beobach­ter an Land so vor, als wäre der Kajak schon ganz schön weit weg.

Paddeln auf dem Nomevann
Paddeln auf dem Nomevann

Wir sind begeis­tert von unserem schönen neuen Hobby und üben auch schon mal das Ausein­an­der­bauen und wieder im MoMo verstauen. Nach einem ersten Schreck, dass das Paket jetzt größer ist als zuvor, kriegen wir es doch noch gut verstaut. Alles bestens!

Skandi­na­vi­scher Sonnen­un­ter­gang

Und so können wir dann nach dem Abend­essen für die Boots­taufe mit unserem Taufsekt von Kanu Schröer ansto­ßen. Die Flasche wollte aber partout nicht am Gummir­umpf zerschel­len …

Taufsekt

Und so sitzen wir da am Ende des Tages am Seeufer und beobach­ten das Gesche­hen. Neben uns ein Paar aus Beckum mit Mops und auf der anderen Seite eine norwe­gi­sche Familie, die für eine Nacht mit den Kindern zeltet. Auf der Wiese verschie­dene Grüpp­chen, gerne mit Lager­feuer. In der Ferne hört man einen Mann orien­ta­lisch zu seinem Saiten­in­stru­ment singen, was sich in dieser nordi­schen Landschaft doppelt skurril anfühlt. Und die Sonne geht unter während über uns ein Motor­flug­zeug einen Segel­flie­ger nach dem anderen in die Lüfte zieht.

Viel besser kann eine Norwe­gen­reise nicht starten!

Nomevann sunset

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