Dänemargue
15. Juli 2020

Unser letzter Tag in Dänemark! Das Wetter spielt mit und wir sind lange unschlüssig, was wir machen sollen. In der näheren Umgebung haben wir das wichtigste abgeklappert. Jetzt stellt sich die Frage: Meer oder Inland? Was sollte man noch gesehen haben? Da kann man schon mal 2 Stunden drüber philo­so­phieren, bevor man aufbricht …

Uns ist klar, dass wir heute mit dem MoMo unterwegs sein werden. Und da der Platz sich in den vergan­genen Tagen zusehends gefüllt hat, hoffen wir das Beste, dass unser Platz durch die Räder und den Tisch hinrei­chend deutlich gekenn­zeichnet ist. Da schlägt dann doch ein sehr deutsches Badehandtuch-Reser­vie­rungsherz in unserer Brust. Nicht schön, aber was soll man machen?

Gechillter Hafen in Gjøl

Unser Weg führt uns nach Süden. Zum Limfjord. Familiär verbinden wir den mit einem gräss­lichen Ferienhaus, wo es vor Ohren­k­neifern nur so wimmelte. Eklig! Aber heute soll er noch mal eine Chance bekommen. Der Weg dorthin ist dänisch entspannt, auf meistens schnur­ge­raden Strecken mit wenig Verkehr.

Wir haben uns den Hafen im Örtchen Gjøl ausge­guckt, weil dort vor allem der örtliche Kro lobend erwähnt wurde, der vom Dorf quasi in Eigen­regie vor der Schließung bewahrt, renoviert und neu verpachtet wurde. Und Smørrebrød hatten wir ja auch noch keins.

Kro Gjøl

Als wir aussteigen, begrüßt uns zunächst ein sehr strenger Meeres­geruch. Nicht unbedingt unangenehm, aber sehr eindeutig mit einer leicht penetranten Note. Man gewöhnt sich aber schnell daran.

Was viel toller ist: Wir fühlen uns sofort wieder an die entspannten Hafentage im letzten Sommer erinnert, wo man den Eindruck hatte, dass Zeit wirklich im Überfluss vorhanden ist. Alles sehr beschaulich und von seiner ganzen Ausstrahlung her vermit­telnd: „Mach mal langsam!“

Annette im hafen

Machen wir dann auch und bummeln entlang der Boote im Hafen und gucken uns mal den Hafen-Womo-Stell­platz unmit­telbar am Limfjord an. Mit 150 Kronen nicht ganz billig, aber dafür zwischen Hafen und Limfjord wirklich top gelegen.

Gjøl Hafen

Smørrebrød

Die ganze Zeit haben wir schon die drama­tisch schwarzen Wolken am Himmel beäugt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die wohl doch an uns vorbei­ziehen. Prompt fängt es natürlich an zu regnen, nachdem wir auf der Terrasse des Kros unsere Bestellung aufge­geben haben. Da gehen wir doch lieber nach drinnen – nur die Hunde dürfen uns nicht begleiten, sondern müssen leider nach skandi­na­vi­scher Sitte ins MoMo verfrachtet werden.

Troll
Micha im Kro

Unser Smørrebrød besteht diesmal aus einer in Butter gebra­tenen Scholle mit Krabben. Sehr lecker! Zusammen mit der ausge­sprochen freund­lichen Bedienung macht das eine fette Empfehlung – so eine gute Idee muss doch unter­stützt werden!

Smørrebrød

Pferde im Wasser

Was jetzt kommt, steht in keinem Reise­führer, ist für uns jedoch das absolute Highlight des Tages. Ein abgedeichter, schmaler Seitenarm des Limfjords zwischen Gjøl und Øland, Ulvedybet, ist hier als Vogel­schutz­gebiet gekenn­zeichnet. Als wir den Damm befahren (für Fahrzeuge >3,5t gesperrt!), fühle ich mich an die Salzfelder von Guerande erinnert. Links Wasser, rechts Wasser. Aber was wir dann erleben, haben wir nicht erwartet.

Damm Ulvedybet
Blick auf den Limfjord
Spiegelung

Warum ist denn da ein Pferd im Wasser? Moment, da sind ja noch mehr! Aber der läuft ja immer weiter ins Wasser! Im Trab! Laut wiehernd! En absolut unwirk­liches Szenario – noch dazu mit dem sich im Wasser spiegelnden unend­lichen Himmel! Dass wir hier im verschla­fensten Dänemark auf einmal so etwas wie die Camargue in Südfrank­reich entdecken, hatten wir wirklich nicht erwartet.

Isländer im Wasser
Isländer im Wasser
Isländer im Wasser
Isländer im Wasser

Am Ende des Damms gibt es eine Vogel­be­ob­ach­tungs­station, die wir aber gar nicht benötigen. Denn auch unser wiehernder Isländer hat mittler­weile das andere Ufer erreicht – und steht in einer großen Herde mit vielen Fohlen. Es sieht wirklich paradie­sisch aus.

Ulvedybet
Isländerherde
Isländer am Wasser

Papir­kunst

Wir fahren weiter in Richtung Norden auf der Marge­ri­ten­route. Seit dem letzten Jahr sind wir Fans dieser landschaftlich schönen Strecken. Wir werden auch heute nicht enttäuscht.

Unser Ziel ist Hune, der Ferien­haus­vorort vom Strand­städtchen Blokhus. Dort haben wir die Qual der Wahl zwischen einem schönen Garten, einem Skulp­tu­renpark und dem Museum for Papir­kunst.

Wir entscheiden uns für das erst in 2018 eröffnete Papier­kunst­museum, weil es uns das origi­nellste zu sein scheint. Gärten und Skulp­turen kann ja schließlich jeder.

Papierkunst
Papierkunst

Und es ist eine gute Wahl. Weil wir so etwas wirklich noch nicht gesehen haben. Hier dreht sich alles um Papier und was man daraus entstehen lassen kann. Und im Beson­deren um die Meisterin der Psali­grafie, Bit Vejles.

Papirkunstmuseum

Psali-was? Auf Deutsch: Scheren­schnitt. Aber das hier ist wirklich next-level. Riesig große Bilder, in die symme­trische Muster und bildliche Motive teilweise auf feinste Art und Weise hinein- oder ausge­schnitten wurden. Alles mit der Schere. Denn Messer sind, wie es an einer Stelle heißt, etwas für Warmdu­scher. Unvor­stellbar, dass diese filigranen Kunst­werke jemand geschaffen hat, ohne, dass da alle naselang das feine Papier gerissen ist.

Unser Favorit ist der bestimmt 3 Meter hohe Baum, in dessen Geäst es immer neue skurrile Dinge zu entdecken gibt.

Abschieds­son­nen­un­tergang

Nachdem wir noch mal Vorräte aufge­füllt und das MoMo vollge­tankt haben, kehren wir zum Camping­platz zurück. Ich bezahle schon mal, damit wir morgen früh auch zeitig zur Fähre loskommen und höre bei der Frau vor mir in der Schlange, dass der Platz jetzt wohl nahezu ausge­bucht ist. Unseren treuen Stell­platz für die vergan­genen 6 Tage finden wir aber genau so vor, wie wir ihn verlassen haben. Und schaffen es erst am letzten Abend dann doch, uns wirklich eben hinzu­stellen.

Grillwürstchen

Nachdem wir zur Feier des Tages das erste Mal gegrillt haben, können wir abends noch mal einen dieser genialen Sonnen­un­ter­gänge am Strand genießen.

Also wenn die Dänen eines können, dann Sonnen­un­ter­gänge!

Sunset deluxe
Sunset deluxe

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dänemark/Norwegen Sommer 2020
All inclusive

All inclusive

Unser letzter kompletter Tag in Norwegen ist leider grau und regnerisch. Aber es gibt auch Gutes zu berichten. Unsere Nacht neben der Kirche war friedlich und unspektakulär. Die Bauarbeiter, die hier letzte Arbeiten am neuen Parkplatz vornehmen, nehmen von uns...

Weiße Stadt

Weiße Stadt

Huch! Wir hatten ganz vergessen, dass es in Norwegen auch im Sommer nachts schon mal kalt wird. Anscheinend sind wir hier in einem Kälteloch: 7° zeigt das Thermometer morgens. Das Gute daran: Es war eine klare Nacht und morgens scheint die Sonne. Auf unserer...

Kajak und Knuten

Kajak und Knuten

Gestern haben wir das Paddeln ja wegen des auffrischenden Windes lieber mal verschoben. Zu hubbelig sah uns die Wasseroberfläche für uns ungeübte Anfänger aus. Heute Morgen ist es zwar kein spiegelglatter See, aber mit den kleinen Wellen werden wir wohl fertig. Die...

Tømmer­renna

Tømmer­renna

In der Nacht hat uns diesmal ein Tropfgeräusch auf Trab gehalten, von dem wir nicht sagen konnten, woher genau es kommt. Auf jeden Fall nicht aus dem Wasserhahn. Erst, als den Ausgleichskeil unter dem Vorderrad wegnehme, dämmert es mir. Es kommt nämlich ein Schwall...

Back to basic

Back to basic

Eine merkwürdige Nacht liegt hinter uns. Irgendwo auf dem Campingplatz wurde gefeiert. Sehr lauthals. Auch noch um 3 Uhr nachts. Zu unserem Glück so weit weg, dass wir nicht bei jedem „Hey!“ senkrecht im Bett stehen, aber auch so, dass man nicht wirklich ruhig...

Paddel­som­mertag

Paddel­som­mertag

Was wir heute erleben, ist unser erster richtiger Sommertag. Also, schöne Tage hatten wir ja schon viele. Sonnige auch. Aber ein schöner, sonniger und warmer Tag fehlte uns bis jetzt noch in der Sammlung. So ein Tag, wo man sich freut, dass man auch mal in den...

Flech­ten­steine

Flech­ten­steine

Wir befinden uns jetzt langsam aber sicher auf dem Heimweg. Von jetzt an geht es nach Süden. Und so wie es aussieht, für die letzte Woche wieder mit deutlich besserem Wetter. In Rysstad fragen wir im Fjellmuseum, ob wir wieder Wanderempfehlungen kriegen. Die sind...

Hochwas­serfall

Hochwas­serfall

Wir sind froher Hoffnung. Nach dem Aufwachen ist doch tatsächlich der Himmel blau und es sieht so aus, als würde die Sonne endlich zurückkommen. Na ja, fast. Denn bis wir aufbruchbereit sind, im Supermarkt eingekauft, an der Tankstelle getankt und ver- und entsorgt...

Regensee

Regensee

Es pladdert. In der Nacht so unaufhörlich und heftig, dass Elli sich wohl an das Unwetter in Torla erinnert und kläglich um unsere Aufmerksamkeit jammert, damit wir sie vor dem Regen beschützen. Das ist jetzt der Teil an einer Norwegenreise, der immer leicht nervt....

Schwanz in Sicht

Schwanz in Sicht

Der Regen setzt sich fort. Und bis Mittwoch ist da keine Besserung in Sicht. Wir passen also unser Reiseverhalten an. Sprich: ausschlafen und gammeln. Man verpasst eh nicht viel. Erst gegen Mittag machen wir uns auf den Weg nach Egersund, dem westlichstem Punkt...

Ruhetag deluxe

Ruhetag deluxe

Der Wetterbericht hat ja so was von recht. Nachts schüttet es, morgens schüttet es. Kein Wetter, bei dem man gerne raus möchte. Außer dem Norweger, der mit T-Shirt und Shorts an uns vorbeigeradelt kommt. Brrr! Wir machen zunächst mal einen gehörigen Hüttenbrumm und...

Verpasste Gelegen­heiten

Verpasste Gelegen­heiten

Wir tun uns schwer mit dem Abschied von einem unserer Lieblingsorte dieses Jahres. Zu schön ist der Platz neben dem Leuchtfeuer. Vor allem bei dem immer noch ausgesprochen guten Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein, leichte Brise. Aber der Wetterbericht kündigt nichts...