Kajak und Knuten
3. August 2020

Gestern haben wir das Paddeln ja wegen des auffri­schenden Windes lieber mal verschoben. Zu hubbelig sah uns die Wasser­ober­fläche für uns ungeübte Anfänger aus. Heute Morgen ist es zwar kein spiegel­glatter See, aber mit den kleinen Wellen werden wir wohl fertig.

Paddeln Ogge

Die Boote kriege ich heute in Rekordzeit aufgebaut. Es lohnt sich, eine Sache mehrmals zu wieder­holen. Irgendwann kann man es dann auch fehlerfrei.

Herrlicher Ogge

Wir fahren hinaus auf den Ogge und finden es richtig klasse, dass man hier um kleine Inselchen herum­kurven kann und dauernd etwas Neues zu sehen bekommt. Es ist ein ganz anders Gefühl als auf dem im Vergleich riesigen Byglandsfjord.

Paddeln Ogge

Das Fahren gegen den Wind macht nach einiger Zeit sogar ein bisschen Spaß. Die Kajaks tanzen auf den kleinen Wellen, gegen die wir anfahren und wir kommen uns wie mutige Entdecker vor.

Paddeln Ogge

Nach einer Dreivier­tel­stunde machen wir Pause auf einer kleinen Insel. Hier müssen wir uns richtig­gehend eine Anlege­stelle suchen, denn so ganz klar kann man nicht erkennen, wo man jetzt gut an Land kommt. Wir landen in einer grasigen Bucht, die Elli sehr erleichtert zum Anlass nimmt, sich mal die Beine zu vertreten. Man muss aber auch sagen, dass sie das Leben als Bordhund super meistert – wobei sie nicht wirklich begeistert von unserem neuen Hobby und vor allem ihrer Schwimm­weste scheint.

Paddeln Ogge
Paddeln Ogge
Elli-Suchbild
Leckere Kekse

Auf dem Rückweg umrunden wir noch zwei Inseln und gucken schon etwas neidisch auf die schicken Ferien­häuschen auf den Inseln. Vielleicht sollten wir doch mal einen Ferien­hausurlaub in Verbindung mit dem Paddeln auspro­bieren? Oder direkt eine Mehrta­gestour mit Zelten? Das ist schon sehr super hier.

Paddeln Ogge
Paddeln Ogge
Paddeln Ogge

Noch ein Knuten

Da der Tag noch jung ist, brechen wir nach dem Kaffee­trinken auf und suchen nach weiteren so tollen Parkplätzen mit Anlegesteg in dieser Gegend. Das wäre doch was! Aber leider finden wir auf den kommenden Kilometern, die wir den Ogge entlang­fahren, praktisch gar keine Möglichkeit zum Parken, geschweige denn zum Übernachten. Dafür gibt es an den möglichen Stellen einfach zu viele Häuser in der Nähe.

Aber auch so sind wir mehr als zufrieden. Denn das Wetter ist göttlich, die Landschaft sehr skandi­na­visch und die Straße spannend. Nur schnell ist man hier eher nicht unterwegs. Uns gefällt’s.

Agder
Agder
Agder
Agder

Annette hat fleißig recher­chiert und wieder einen Tipp ausge­graben, der nicht in unseren Reise­führern steht, sich aber sehr vielver­spre­chend anhört. Wir wollen nach der positiven Erfahrung mit dem Linde­knuten einen weiteren Knuten besteigen. Den Heimdals­k­nuten.

Das gibt’s doch gar nicht

Es gibt einen großen Parkplatz, auf dem wir die einzigen Besucher sind. Und da er schön an einem See gelegen ist, wissen wir auch schon, wo wir schlafen werden: Das ist super hier!

Heimdal
Wanderung Heimdalsknuten

Der Weg hinauf auf den Knuten ist super ausge­schildert. Da kann man nichts falsch machen. Erst folgt man der Fahrstraße und gewinnt so schon einige Höhen­meter, bevor es in den Wald geht.

Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten

Hier sind es dann immer wieder fein gestrickte rote Wander­schals, mit denen die Bäume gewärmt werden. Sieht gut aus!

Wanderung Heimdalsknuten

Was wir dann aber wirklich nicht haben kommen sehen, ist das Haus, dass hier über einem See thront. Wie zum Teufel haben die das denn an diese komplett unzugäng­liche Stelle bekommen? Da hat doch jetzt nicht wirklich ernsthaft jemand alle Bauma­te­rialen auf diesem Stolper­waldpfad hier hochge­tragen! Denn mit Fahrzeugen kann man dieses Haus definitiv nicht erreichen. Oder gibt es hier in Norwegen einen Hubschrau­ber­dienst, der fertige kleine Norwe­ger­häuser dorthin fliegt, wo man sie haben will?

Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten

Rundum­aus­sicht

Auf den letzten Metern vor der Knuten­spitze bin ich mir fast sicher: Das wird nichts mit der Aussicht. Die Bäume scheinen zu hoch zu sein, als dass man von oben wirklich Weitsicht haben könnte.

Falsch gedacht.

Auf den letzten paar Metern geht es hinauf und plötzlich ist man auf einem Plateau, das man vorher nicht mal erahnen konnte. Sehr cool. Und der verspro­chene Rundum­blick ist nicht nur touris­ti­sches Marketing, sondern wirklich wahr.

Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten

Eine Beson­derheit, die ich so auf einem Aussichts­punkt noch nie gesehen habe, ist die Anzei­ge­tafel, welcher Gipfel oder welcher Ort wo zu finden ist. Man dreht eine Art Peilstab und kann anhand der Beschriftung dann nicht nur sehen, wie der Punkt heißt, sondern auch wie weit er weg ist. Das will ich ab sofort auf allen Gipfeln haben – super­prak­tisch und macht Spaß!

Wanderung Heimdalsknuten

Spaß macht es aber auch, einfach die Abend­sonne auf dem Plateau zu genießen. Das ist richtig liebevoll einge­richtet, sogar mit einem wahrscheinlich ausran­gierten Esstisch für die zwei Bänke. Und ich frage mich schon wieder: Wie kriegt man den Kram hier hoch?

Wanderung Heimdalsknuten

Das einzige, was optisch nicht so ein Hingucker ist, ist der Mobil­funkmast. Aber wenn ich dafür die hervor­ra­gende Netzqua­lität in Norwegen kriege, ist das wohl ein annehm­bares Opfer.

Wanderung Heimdalsknuten

Noch mal zur Schule gehen

Für den Rückweg gibt es sogar einen Alter­na­tivweg, sodass wir nicht genau den gleichen Weg zurück gehen müssen. Er führt uns vorbei an ganz schön abgeholzten Wäldchen zu den hübschen Norwe­ger­häusern von Heimdal. Wenn man die sieht, wird das Bullerbü-Feeling schon recht groß.

Wanderung Heimdalsknuten
Wanderung Heimdalsknuten

Unterwegs sehen wir den Wegweiser zur Skule, aber der Groschen fällt bei mir erst kurz vor der Ankunft am MoMo. Hatte ich das nicht auf visitnorway.de gelesen? Das war doch bestimmt die ehemalige Dorfschule, die man jetzt als Sehens­wür­digkeit herge­richtet hat?

Heimdal Skule

Also mache ich mich noch mal auf den Weg zur Heimdal Skule. Und meine Erwar­tungen werden mehr als erfüllt. Das ist eine kleine Zeitreise in die Welt, die unsere Eltern noch kennen. Denn im Jahr 1958 wurde die im Jahr 1900 erbaute Schule geschlossen und soll sich in genau dem Zustand befinden, den sie damals hatte. Glaubt man sofort!

Heimdal Skule
Heimdal Skule
Heimdal Skule
Heimdal Skule
Heimdal Skule
Heimdal Skule
Heimdal Skule

Es ist wieder mal eine dieser kleinen Entde­ckungen am Wegesrand, die ich an unserer Art zu reisen so liebe. Da wäre man im Leben nicht extra für hinge­fahren, ist dann am Ende aber froh, dass man es gefunden hat.

Es beein­druckt mich auch wieder, dass es in Norwegen einfach möglich ist, so etwas unver­schlossen zu lassen, ohne dass vanda­liert wird oder Dinge gestohlen werden. Der einzige Vanda­lismus, den ich beobachten konnte, waren die Tafel­be­schrif­tungen durch die Kinder, die dort zu Besuch waren.

Ein kleiner, aber feiner Geheimtipp!

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