Tømmer­renna
2. August 2020

In der Nacht hat uns diesmal ein Tropf­ge­räusch auf Trab gehalten, von dem wir nicht sagen konnten, woher genau es kommt. Auf jeden Fall nicht aus dem Wasserhahn.

Erst, als den Ausgleichskeil unter dem Vorderrad wegnehme, dämmert es mir. Es kommt nämlich ein Schwall Wasser vom Dach hinunter. Anscheinend waren wir so perfekt ausba­lan­ciert, dass das Regen­wasser vom Dach nur tröpf­chen­weise abfließen konnte. Vorzugs­weise, wenn man sich im Alkoven umdreht. Sachen gibt’s!

Camping Bjønndalen

Sensa­tio­nelle Zufalls­ent­de­ckung

Auch heute wollen wir wieder ein paar Kilometer Richtung Meer machen. Auf dem Weg auf einer kleinen Neben­straße fällt uns auf, dass hier viele Autos geparkt sind und sich Familien auf einen Ausflug begeben. Komisch, wir hatten doch gar nichts über eine große Attraktion in dieser Ecke gelesen? Am Kraftwerk des Steinfossen wenden wir kurzent­schlossen, fahren die paar Meter zum größeren Parkplatz zurück und machen uns bereit für einen kleinen Spaziergang, um uns den Wasserfall anzugucken, zu dem hier anscheinend alle laufen.

Tømmerrenna

Nachdem wir die Brücke überquert haben, sehen wir sowohl Fluss als auch Wasserfall. Aber weder die schäu­mende Otra noch der aus dem Berg sprudelnde Wasserfall sind der Star. Das ist hier die hölzerne Tømmer­renna (Flößer­rinne) von Vennesla, die neben dem Fluss entlang führt und heute nicht mehr zum Flößen von Baumstämmen aus dem Hinterland benutzt wird, sondern eine 1a-Touris­ten­at­traktion ist. Denn in der hölzernen Rinne läuft man ca. 4 Kilometer fluss­auf­wärts.

Tømmerrenna

Was eine abgefahrene Wanderung

Am Anfang einigen wir uns darauf, dass man das ja auch mal gemacht haben muss und wollen nach der ersten Biegung bald wieder umkehren, da wir ja nur auf einen Mini-Fotostop einge­stellt sind. Aber daraus wird schnell mehr, weil es einfach zu verlo­ckend ist, sich bei dem präch­tigen Wetter, das wir heute haben, auch noch den nächsten Ausblick zu gönnen. Und den nächsten. Aber jetzt drehen wir um? Boah, hast du die Brücke gesehen? Weiter!

Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna

Wir geraten regel­recht in einen Sog, der uns immer nach dem nächsten Ausblick gieren lässt und werden von den abwechs­lungs­reichen Ausblicken, der faszi­nie­renden, an manchen Stellen leicht verfal­lenen Rinne und dem einfachen Vorwärts­kommen immer weiter die Tømmer­renna hochge­sogen. Wir können einfach nicht aufhören!

Tømmerrenna

Zu einfach, zu schwer

Was diese Strecke ausmacht, ist die gleich­zeitige absolute Sicherheit und Problem­lo­sigkeit bei gleich­zei­tigem Nerven­kitzel. So eine irre Kombi­nation haben wir noch nie erlebt. Es sind wirklich viele Familien unterwegs und die Kleinen laufen gefahrlos, weil ja links und rechts alles abgeschlossen ist. Aber gleich­zeitig wird es kribbelig, wenn man jemandem begegnet, weil sich dann einer auf die Seite lehnen muss, damit der andere passieren kann. Und wenn Elli dann auf die Idee kommt, dass sie über den Rand springen muss, um Platz zu machen, geht der Puls dann doch hoch…

Tømmerrenna

Die 2 Hänge­brücken über den Fluss, der übrigens wieder mächtig Hochwasser hat, sind dann richtige, schwingend vibrie­rende Highlights der Tour. Für Annette mit ihrer Höhen­angst gar nicht so leicht zu meistern, aber sie schafft es vorbildlich – sie meint nur, dass der Angst­schweiss doch etwas länger zum Trocknen brauche.

Tømmerrenna

Zug verpasst

Hinter der Picknickarea Paulengård zweigt dann eine Art brüchiger Damm zum still­ge­legten Kraftwerk Kringsjå ab. Wenn man die Wasser­kraft der Otra hier sieht, kann man fanta­sieren, dass sie das Kraftwerk einfach geschrottet hat.

Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna

Wir beschließen, die Tømmer­renna eine Weile zu verlassen und auf der anderen Otraseite weiter­zu­gehen, bis wir wieder auf die Rinne treffen. Der Weg ist auch hier super­leicht zu begehen, da es ein Forstweg ist, an dessen Rändern mächtig viel Feuerholz geschichtet ist. Und an einer Stelle gibt es sogar Holzthröne für Annette und Elli!

Annette und Elli auf dem Thron

Auf dem Rückweg hoffen wir noch, die Setes­dals­banen für ein Foto zu erwischen. Auf dem Hinweg haben wir die Dampflok nur tuten hören, aber leider nur teilweise sehen können. Das wäre sicher ein ziemlich tolles Bild, wenn man die Dampflok über der wild schäu­menden Otra erwischt. Steht auf meiner To-do-Liste, wenn wir hier noch mal hinkommen. Denn das ist ein Ort, zu dem man sicher mehr als einmal hingehen kann!

Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna
Tømmerrenna

Hinterland

Noch ganz verzückt fahren wir weiter zu unserem Ziel, dem See Ogge. Wir sind hier gerade mal 40 Minuten von der Großstadt Kristi­ansand (na ja, 111.000 Einwohner) entfernt, aber hier gibt es schon Norwe­gen­ro­mantik pur. Schot­ter­straßen vorbei an Seen, wo ein Haus eine schönere Aussicht als das nächste zu bieten hat. Tolle Gegend!

Ogge
Ogge

Wir finden einen Parkplatz vor, den wir uns besser gar nicht wünschen könnten. Es gibt sogar einen Anleger für Boote.

Ogge

Uns zieht es nach einer ausge­dehnten Mittags­pause aber in die Blaubeeren. Die wachsen nämlich im Wäldchen hinter dem MoMo und warten nur darauf, von uns gepflückt und von Annette zu leckeren Blaubeer­pfann­kuchen verar­beitet zu werden. Was wir dann natürlich auch gerne machen.

Blaubeersammeln
Blaubeersammeln
Blaubeerzunge

See für uns allein

Zum Sonnen­un­tergang machen wir noch einen kleinen Weg zum benach­barten Kanuüber­nach­tungs­platz auf einer kleinen Halbinsel. Die Kojen sind aber verwaist und wir sind die einzigen Besucher an diesem Abend. Es wirkt fast schon ein wenig gespens­tisch, dass dieser Ort, an dem bestimmt 10–15 Leute übernachten könnten, so verlassen ist.

Aber wir genießen die Stille und den Frieden dort und gucken der Sonne beim Unter­gehen zu. Ist das schön hier!

Ogge
Ogge
Ogge
Ogge
Ogge

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