Warum in die Ferne schweifen…
25. Mai 2020

Wir haben wieder 3 Tage zum Reisen und haben hin und her überlegt, wo es diesmal hingehen soll. Münsterland? Niederrhein? Doch ans Meer?

Aber wir wählen dann die buchstäblich naheliegendste Möglichkeit: Warum nicht mal einen Womo-Trip vor der Haustür machen? Wir wollen in den kommenden Tagen einfach mal das Bergische Land erkunden. Denn da gibt es noch genug Orte, durch die wir nur mal durchgefahren sind. Und dass es bei uns wirklich auch sehr schön sein kann, haben wir vorgestern noch bei einer Wanderung bei Hückeswagen festgestellt. Die Wanderung durch absolut typische bergische Landschaft ausgehend vom Weiler Purd war wirklich großartig!

Purd-Wanderung

Freilichtmuseum-Nord

Wir brechen vormittags mit kleinem Gepäck auf. Für 3 Tage braucht man ja fast nix. Das Navi zeigt uns die verschlungenen Pfade durchs bergische Hinterland und auf manchem Sträßchen wähne ich mich fast auf einer schottischen Single-Track-Road. Ich mag sowas ja!

Am Freilichtmuseum in Lindlar wollen wir für unsere geplante Wanderung parken. Aber komisch, dass es keine Hinweisschilder gibt und die Zufahrt geschottert ist. Ich dachte, das wäre eine größere Attraktion?

Parkplatz Freilichtmuseum Lindlar

Da heute Ruhetag ist, können wir uns einen halbwegs ebenen Platz fürs MoMo aussuchen und wundern uns zunächst, dass wir die Wanderbeschreibung so gar nicht nachvollziehen können. Erst nach einigen hundert Metern fällt der Groschen: Es gibt auch noch einen Südeingang, von dem aus unsere Wanderung eigentlich gestartet wäre. Ich wäre nicht drauf gekommen, dass es hier zwei räumlich getrennte Parkplätze gibt…

Eingang Freilichtmuseum Lindlar

Zur Tenne

Wir wandern also jetzt erst so richtig los und es gefällt uns schon auf den ersten Metern gut. Verwunschener Wald.

Kaputter Wald

Allerdings bereits hier schon mit einer großen Lichtung gefällter und gefallener Bäume, wie wir es auf dieser Wanderung leider noch häufiger sehen werden.

Toter wald

Der Platz vor der Johanneskapelle würde sich eigentlich für ein Picknick anbieten. Aber nach den paar Metern ist das dann doch ein bisschen übertrieben. Wir gehen weiter.

Johanneskapelle

Als wir in die Ortschaft Voßbruch kommen sehen wir Hinweisschilder für die Tenne. Schade, dass Montag ist, da haben ja alle Gaststätten in der Regel zu. Ich checke trotzdem mal schnell online und siehe da: Ausnahmen bestätigen die Regel – geöffnet! Und wir haben sogar doppeltes Glück, denn das Restaurant wurde erst am Donnerstag nach der Corona-Pause wieder eröffnet. Und von außen hätte ich nicht gedacht, dass es geöffnet ist.

Speisekarte Tenne

Wir werden aber freundlichst empfangen und ergeben uns in unser Schicksal: Wenn das Kölsch doch schon auf der Karte steht… Und weil wir dazu ja eine Verdauungsgrundlage brauchen, gibt es für mich noch ein Vinschgauer Toast und für Annette einen Gemüsestrudel. Fast schon ein Hauch Südtirol!

Genießer-Nette
Hüttentoast
Gemüsestrudel

Verlaufen

Im weiteren Verlauf ist unsere Tour dann sehr abwechslungsreich. In jeder Hinsicht. Denn durch das Auf und Ab ergeben sich immer neue Aussichten. Aber auch die Temperaturen ändern sich alle 5 Minuten. Von böigem, kaltem Wind zu windstiller Wärme. Besonders an den Südhängen ist es fast schon sommerlich. Also heißt es: immer rein und raus aus den Jacken.

Bauernmalerei

Wir folgen immer brav dem gelben Wegweiser für den bergischen Panoramasteig und stellen irgendwann fest, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Und nach einem Blick in den Wanderführer bestätigt sich das. Naja, den Kilometer extra nehmen wir sportlich.

Fenster mit Aussicht
Unwirkliches Grün

Kaputte Wälder

Was etwas bedrückend ist, sind die vielen, vielen braunen Wälder mit toten Fichten. Die sieht man hier, egal in welche Richtung man guckt. Und am Holzer Kopf wandern wir mitten hindurch. Besonders traurig sind die Stellen, wo sogar die grünen(!) Nadeln den Wanderweg bedecken und es aussieht, als hätte jemand vergessen, die Weihnachtsbäume einzusammeln. Da haben die Trockenheit und wahrscheinlich vor allem der Borkenkäfer grausam zugeschlagen.

Toter Waldrand
Roter toter Wald

Kaputte Wanderer

Nachdem wir uns an der Dreifaltigkeitskapelle noch mal ausgeruht haben, geht es auf den letzten Abschnitt.

Dreifaltigkeitskapelle
Madonna

Und als wir den steilen Hang neben dem Freilichtmuseum zurück zum MoMo nehmen, merken wir auch, dass das für heute genug ist. Die Füße qualmen!

Letzte Stufen

Am Aggerstrand

Aber nach einem Kaffee sieht die Welt schon wieder anders aus und wir fahren weiter durchs kurvige Bergische. Man ist hier an manchen Stellen schon dazu übergegangen, Teilstücke für Motorräder zu sperren. Anscheinend entweder zu laut oder zu blutig. Wahrscheinlich beides…

In Ründeroth haben wir den Stellplatz am Aggerstrand ausgekundschaftet. Direkt an der Agger, direkt an einem Mehrgenerationenpark. Wir quetschen uns so gerade eben durch die Baustelle, die kurz vor dem Parkplatz liegt und richten uns ein. Kein besonders schöner Stellplatz (mitten auf einem Parkplatz), dafür aber besonders ruhig und zumindest auf einer Seite im Grünen.

Stellplatz Aggerstrand

Und nebenan ist besagter Aggerstrand. Die Bezeichnung ist allerdings etwas gestrunzt. Denn Sand gibt es hier keinen. Dafür aber das Gelände des ehemaligen Freibades, dass nach einem Hochwasser nicht mehr sanierungsfähig war und einem Freizeitpark mit integriertem Jugendtreff und Naturkindergarten weichen musste.

Aggerstrand

Das alles erfahren wir von einem netten älteren Herrn, der den Schließdienst für das Tor übernommen hat und uns noch so manches weitere erzählt. Unter anderem, dass Ründeroth nicht begeistert davon ist, Stadtteil von Engelskirchen zu sein. Denn Ründeroth sei doch „Perle des Aggertals“ und sei sogar einmal Kurort gewesen. Das verhält sich also ähnlich wie Lennep zu Remscheid. So etwas schweißt zusammen!

Spannend auch die für uns neue Info, dass die erst vor kurzem entdeckte Windloch-Höhle in der Nähe der Aggertalhöhle die längste Höhle in NRW ist und noch immer nicht vollständig erforscht ist.

Olivenölsuppe
Abendessen: Olivenölsuppe von unserem Trip an die Weser

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