Von Kanal zu Kanal
15. September 2020

Es ist erstaun­lich fried­lich am Oder-Havel-Kanal. Wir stehen hier ganz allein und auch der morgend­li­che Berufs­ver­kehr auf der gegen­über­lie­gen­den Landstraße stört uns nicht. Um so überrasch­ter sind wir, als morgens um kurz vor acht(!) ein Wohnmo­bil hier auftaucht. Wo kommen die denn bitte­schön her? Und kurio­ser­weise bleiben sie dann für eine halbe Stunde und fahren wieder weg.

Schiffs­he­be­werk

Da es nur wenige Kilome­ter von hier entfernt ist, nehmen wir einen Besuch beim Schiffs­he­be­werk Nieder­fi­now im Vorbei­ge­hen mit.

Schiffshebewerk

Der Größe des Parkplat­zes nach zu urtei­len ist das hier eine der Top-Attrak­tio­nen in Branden­burg. Schließ­lich kriegt man hier auch 2 zum Preis von einem geboten! Denn der Neubau befin­det sich direkt neben der alten, noch voll funkti­ons­tüch­ti­gen gigan­ti­schen Anlage und soll spätes­tens 2025 die Funktion des alten Hebewerks überneh­men, was die Auszeich­nung als Histo­ri­sches Wahrzei­chen der Ingenieur­bau­kunst in Deutsch­land trägt.

Schiffshebewerk

Wir haben Glück und sehen, wie ein Ausflugs­schiff von oben nach unten beför­dert wird. Das Ganze ist zum Zuschauen aber nur so mittel­in­ter­es­sant. Man sieht im Großen und Ganzen eigent­lich nur ein paar Stahl­seile, die sich nach oben und unten bewegen und am Ende geht ein Schleu­sen­tor auf.

Wir haben jetzt ein Problem: Wir sehen zwar, was für ein dolles Bauwerk das ist und was da für ein Konstruk­ti­ons­ge­schick hinter stehen muss. Aber es inter­es­siert uns nicht die Bohne. An der Stelle ist bei uns echt Hopfen und Malz verlo­ren. Wir entschei­den uns also gegen eine Begehung des großen Stahl­un­ge­tüms und fahren weiter. Sorry!

Schiffshebewerk
Es gibt hier sogar Drive-In-Gelbe-Tonnen!

Unser kleines Paradies

Wir fahren ein kurzes Stück­chen weiter und landen am Camping­platz Trian­gel, in den wir uns spontan verlie­ben. Es ist einer von den kleinen, schnu­cke­li­gen und angenehm unper­fek­ten Plätzen, die mit jeder Menge Charme daher kommen. Und ein bisschen Glück haben wir auch noch: Anschei­nend ist just im Moment einer der nur 8 Wohnmo­bil­plätze frei gewor­den. Wir überle­gen nicht wirklich lange und entschei­den uns dafür, hier gleich 2 Nächte zu verbrin­gen.

Denn der unschlag­bare Vorteil des Platzes ist die Lage unmit­tel­bar am Finow­ka­nal. In die eine Richtung kann man in Richtung Schiffs­he­be­werk fahren und in die andere Richtung auf idylli­schem Weg nach Ebers­walde. Packen wir aufs Programm.

Camping Triangel
Blick vom Anleger auf den Platz. Im Hinter­grund das MoMo.

Zunächst aber machen wir es uns gemüt­lich und setzen uns in den Schat­ten. Denn heute kratzen die Tempe­ra­tu­ren an den 30°. Da will man sich ja auch nicht zu sehr stres­sen. Und als Luxus gönnen wir uns noch die selbst­ge­ba­cke­nen Kuchen, die im Kiosk verkauft werden. Leider gibt es kein Foto, da wir sie regel­recht einge­at­met haben. Tut uns leid!

Camping Triangel

Wasser­straße für uns allein

Am Nachmit­tag machen wir die Scubis start­klar und paddeln in Richtung Osten los. Zunächst aber nur für 100 Meter, wo wir am anderen Ufer ausstei­gen und die Kajaks um die Stecher-Schleuse herum­tra­gen müssen. Bisher waren wir mit den Booten ja nur auf Seen unter­wegs und jetzt sind wir das erste Mal auf einem fließen­den Gewäs­ser. Aber das Ein- und Ausstei­gen gelingt ohne Slapstick­ein­la­gen und auch das Tragen von zwei Kajaks mit einem Bordhund an der Leine ist problem­los.

Finowkanal

Auf den folgen­den 4,5 Kilome­tern genie­ßen wir die Fluss­land­schaft, die beson­ders im ersten Teil bis Nieder­fi­now City mit seiner Klapp­brü­cke sehr abwechs­lungs­reich ist. Immer wieder sehen wir Leute, die es sich am Ufer in einem Stuhl gemüt­lich gemacht haben und uns freund­lich zuwin­ken.

Finowkanal
Finowkanal

Die zweite Hälfte gleicht dann eher einer Regat­ta­stre­cke. Es ist ein schnur­ge­ra­des Stück, mit weiten Ausbli­cken. Auch das Schiffs­he­be­werk ist hier noch mal gut zu sehen. Spannen­der finden wir dann aber die Greif­vö­gel, die über uns kreisen. Und um die Schwäne mit ihren Jungtie­ren machen wir lieber einen großen Bogen. Aber wir wirken anschei­nend auch nicht wirklich bedroh­lich, denn der Mutter sind wir herzlich egal.

Finowkanal
Finowkanal
Finowkanal

An der Schleuse Liepe, kurz bevor man dann in den Oder-Havel-Kanal einfah­ren würde, machen wir am Anleger ein kurzes Päuschen, bevor es auf den Rückweg geht. Was uns wirklich faszi­niert: Auf der gesam­ten Strecke kommt uns kein einzi­ges Boot entge­gen. Wir haben die Wasser­straße völlig für uns allein.

Finowkanal
Finowkanal
Finowkanal
Finowkanal
Finowkanal

Natur pur

Ziemlich groggy kommen wir nach guten 2 Stunden wieder an unserem Camping­platz an. Während Annette ein Omnia-Essen mit überba­cke­nen Zucchini zaubert, kann ich noch mal zum Kanal gehen und die Sonnen­un­ter­gangs­stim­mung dort genie­ßen. Was ein schönes Fleck­chen Erde das hier ist!

Finowkanal
Finowkanal
Camping Triangel

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