Am Ende der Mole
24. Juli 2020

Wir haben nachts ein Problem zu lösen.

Gegen Abend hatte sich zuvor ein merkwür­diges, regel­mäßig quiet­schendes Geräusch einge­stellt. Mal etwas lauter, mal etwas leiser. Aufgrund des aufs MoMo-Dach prasselnden Regens konnten wir es aber nicht genau lokali­sieren. Kommt es aus dem Doppel­boden? Aus dem Bad? Vom Kühlschrank? Wir wissen es nicht. Und irgendwann sind wir zu müde, um uns weiter zu kümmern und haben uns auf eine Weise auch dran gewöhnt. Also ab ins Bett! Da kümmern wir uns morgen drum.

Dumm nur, wenn man dann nachts um 2 Uhr von diesem Geräusch wieder geweckt wird. Und nicht mehr einschlafen kann. Und sich sicher ist, dass es der Kühlschrank sein muss, der so quietscht. Und sich ärgert, dass der nach ein paar Monaten einen Defekt hat. Und dann nur halb wach in seine Regen­jacke schlüpft, um mal von draußen an den Kühlschrank-Lüftungs­gittern zu lauschen. Und dann endlich festzu­stellen, dass das Geräusch nicht vom MoMo stammt, sondern irgendwo aus dem Wald auf der anderen Straßen­seite kommt. Wir kommen uns schwer an unsere Episode mit der Geckomaus in den Alabama Hills erinnert vor.

Kennt jemand ein Tier, dass nachts so regel­mäßig mecha­nisch quiet­schende Geräusche macht, dass man diese für eine Maschine hält? Und wunder­sa­mer­weise ist es, nachdem ich mit der Stirn­lampe vergeblich in den Wald geleuchtet habe, für den Rest der Nacht still. Problem gelöst.

Hin- und herge­rissen

Wir sind uns nicht ganz sicher, wie es weiter­gehen soll. Über allem schwebt der Wetter­um­schwung, der am Samstag­abend wohl ziemlich drastisch sein soll. Stark­regen und maximal 15° sind angekündigt. Wir wollen die sonnige Zeit also bestmöglich nutzen. Aber was heißt bestmöglich? Viel fahren und viel sehen? Oder an einem Ort bleiben und die Sonne genießen? Denn ja, nach dem Dauer­regen in der vergan­genen Nacht ist es morgens wieder sonnig.

Wir könnten heute die Strecke Flekkefjord nach Egersund fahren, die ja allen Berichten nach ein Kracher sein soll. Aber auch die Insel Hidra südlich von Flekkefjord lacht uns an – Inseln gehören doch auf unseren Reisen zum Pflicht­pro­gramm! Und dann gibt es ja auch noch die Halbinsel Lista zu erkunden, auf der wir uns gerade befinden. Hier soll es flache, weite Sandstrände geben, die man auf den ersten Blick so gar nicht mit Norwegen in Verbindung bringt.

Ausblick Fedafjord

Sommer­frische

Wir entscheiden uns für letzteres. Wenn uns Lista nicht gefällt, können wir danach immer noch Richtung Flekkefjord fahren oder Hidra aufs Programm setzen.

Es wird überra­schend. Denn zunächst ist die Landschaft noch eher norwe­gisch herb (und natürlich wunder­schön). Aber nachdem wir unseren ersten Tunnel seit Langem durch­fahren haben, sieht die Landschaft auf einmal viel sanfter aus. Und zusammen mit dem strah­lenden Sonnen­schein wirkt der Ort Vanse, den wir durch­fahren, fast schon wie ein klassi­scher Badeort für die Sommer­frische.

Straße Lista

Wenige Kilometer weiter gibt es am Strand von Nordhasselvika den verspro­chenen Sandstrand, der sich in weitem Bogen in die Bucht schmiegt. Und wir müssen an dieser Stelle ein Geständnis machen: Wir sind durch die Bretagne und Schott­lands Äußere Hebriden anscheinend offiziell versaut. So ultimativ kickt uns dieser Strand nämlich nicht, obwohl alles stimmt, was wir darüber gelesen haben: feinsandig, flach ins Wasser abfallend. Aber ein Zielpunkt, von dem wir das MoMo nicht mehr wegbe­wegen wollen, ist er nicht. Wir fahren weiter nach Borhaug, wo es am Hafen einen Stell­platz geben soll und wollen dann später mit dem Fahrrad zum Strand fahren.

Strand

Tiefen­ent­spannter Hafen

Der Hafen befindet sich nur wenige Kilometer weiter in Richtung des Leucht­turms von Lista. Und er ist ein kleines Womo-Paradies, vor allem für die Rentner, die es sich hier im Schatten ihrer Markise gut gehen lassen. Denn es sind alle Versor­gungs­mög­lich­keiten vorhanden und auch Strom, Wasch­ma­schine, Trockner(!) und WLAN sind kostenlos. Das ist ja mal eine Ansage!

Hafen Borhaug

Für so ein Kracher­an­gebot ist es noch gar nicht so voll, auch wenn es noch früh am Mittag ist. Wir überlegen hin, wir überlegen her. Eigentlich gefällt es uns gut hier und gegen die Rundum-Sorglos-Versorgung hätten wir auch nichts einzu­wenden. Aber irgendwas treibt uns weiter. Wahrscheinlich eine Ahnung.

Hafen Borhaug
Hafen Borhaug

Nerven­kitzel Mole

Denn ein As haben wir noch im Ärmel. Es soll hier eine Möglichkeit geben, am Ende der Hafenmole zu stehen. Und das klingt ziemlich unglaublich, wenn man es sieht. Denn die Mole ist lang. 750 Meter lang. Und die befahrbare Fläche gute 3 Meter breit. Annette ist katego­risch dagegen, da auch nur drauf­zu­fahren. So blöd müsste man ja erst mal sein! Also, so wie ich. Mich reizt die Heraus­for­derung und der tolle Stell­platz am Ende doch zu sehr, als dass ich es nicht versuchen würde.

Während Annettes Finger­knöchel sich beim Hinein­krallen in den Beifah­rersitz weiß färben, stelle ich vergnügt fest, dass das nun wirklich nicht schwer oder gar gefährlich ist und es unterwegs beruhi­gen­der­weise noch Ausweich­stellen gibt. Easy!

Stellplatz Borhaug

Hier bleiben wir!

Am Ende der Mole steht ein pitto­reskes Leucht­feuer für die Hafen­ein­fahrt und es gibt eine geschot­terte Fläche, wo man mit dem MoMo prächtig stehen kann. Erstaun­li­cher­weise sind wir die einzigen, die sich hierhin verirren. Ob es doch noch einen Haken an der Sache gibt? Wir finden ihn zumindest nicht heraus.

Leuchtfeuer Borhaug

Die Stelle ist wirklich grandios: Hinter der Hafen­ein­fahrt sehen wir Motor­boote, Surfer und Kiter ihre Runden drehen. Hinter der Mole glitzert das Meer und ein geken­tertes Segelboot zeigt, dass es wohl auch tückisch sein kann, hier mit dem Schiff unterwegs zu sein.

Wrack

Wir stellen fest, dass das wohl genau das ist, was wir gerade gebraucht haben. Denn den Plan, mit den Rädern zum Strand zu fahren, verwerfen wir. Einfach in den Windschatten setzen, Sonne genießen, den Blick schweifen lassen.

Hafen Borhaug
Hafen Borhaug
Hafen Borhaug
Hafen Borhaug
Annette und Mia
Elli

So einfach kann das sein!

Belohnung zum Schluss

Nachdem wir den Tag so sehr genossen haben, werden wir abends noch mal mit einer Fotosession am Leucht­feuer belohnt.

Fotograf bei der Arbeit
Listafyr
Leuchtfeuer Borhaug
Leuchtfeuer Borhaug
Photographer
Leuchtfeuer Borhaug
Annet
Elli
Fotograf bei der Arbeit
Leuchtfeuer Borhaug
Leuchtfeuer Borhaug

Es kann wirklich so einfach sein, uns glücklich zu machen. Wir können uns nichts Schöneres vorstellen, als genau das zu tun, was wir gerade machen.

Leuchtfeuer Borhaug

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