Insel mit Gestrüpp
18. Juli 2020

Heute brechen wir unsere Zelte am Nomevann ab. Denn so schön wie es hier war: wir wissen ja, dass es in Norwegen noch so ein, zwei schönere Ecken geben wird. Und eine davon soll an der Südküste liegen. Denn der Wetter­be­richt hat für heute und morgen ein Regen­gebiet angekündigt und das lässt sich am Meer irgendwie immer besser aushalten. Wir haben uns daher Risør als Ziel ausge­sucht. Das soll laut Reise­führer eine beein­dru­ckende kleine Stadt mit weißen Holzhäusern sein. Und nebenbei noch die Stadt der Reichen und Schönen. Beein­dru­ckend, wenn man weiß, dass der Name Risør laut unserem Reise­führer „Insel mit Gestrüpp“ bedeutet.

Wildes Drangedal

Am Telemark­kanal finden wir noch mal eine Ver- und Entsorgung und merken ihn uns für eine Paddeltour mal dringend vor. Danach wird es abenteu­erlich. Denn während bis jetzt alle Straßen noch sehr normal waren, ist die Strecken­führung durchs Drangedal auf teils abenteu­erlich schlechter Straße schon mal ein erster Vorge­schmack auf das Norwegen, was wir so lieben.

Drangedal

Es gibt praktisch kein gerades Stück Straße. Immer schlängelt sie sich durch ein Gewirr von Felsen, Bäumen und Seen. Und enger wird die Straße auch. Noch nicht wirklich single-track, aber sagen wir mal 1‑½-track.

Drangedal

Am Neslandsvatn machen wir mal kurz Pause, um die Szenerie auf uns wirken zu lassen. Es wird immer norwe­gi­scher. Aber hier ist noch recht viel Verkehr. Norwe­gische Einsamkeit ist das noch nicht.

Neslandsvatn

Stell­platz am Kinder­garten

Wir haben einen Stell­platz in der Nähe von Risør ausfindig gemacht und wollen von dort aus zu Fuß die Stadt erkunden. Der Platz in Randvik ist ein Schot­ter­platz an einem Kinder­garten und liegt genau zwischen zwei Sandstränden.

Kindergarten Randvik
Stellplatz Randvik

Als wir ankommen, fängt es an, sich richtig einzu­regnen. Daher machen wir erst mal Kaffee­pause und legen uns ein Ründchen in den Alkoven. Es hat wirklich Vorteile, dass es im Sommer hier so lange hell ist. Da können wir getrost erst gegen 17 Uhr losgehen…

Trollhäuser

Direkt auf den ersten Metern entdecken wir putzige Troll­häuschen, die in den steilen Waldabhang gebaut sind. Meine Theorie: Die haben die Erzie­he­rinnen des Kinder­gartens da hingebaut und erzählen den Kindern dann, welche Abenteuer ihre Trolle wieder lebt haben.

Folge den weißen Streifen

Da die Halbinsel Randvik direkt vor unserer Nase liegt, beschließen wir, das nicht sehr große Natur­re­servat mal eben zu erwandern bevor wir ins einen guten Kilometer entfernte Risør spazieren. Die Umrundung sind vielleicht 2 Extra­ki­lo­meter. Was soll da schon schief­gehen?

Schären Randvik
Schären Randvik
Schären Randvik
Schären Randvik

Wir klettern in die Schären­felsen und genießen den Ausblick über die Bucht und zu den Norwe­ger­häusern am anderen Ufer. Das Wetter und der graue Himmel sind zwar ein bisschen Stimmungs­killer, aber wir freuen uns einfach über den nahezu komplett verstummten Regen. Wenn es so bleibt, ist alles gut.

Wanderung Randvik

Der Weg ist hervor­ragend gekenn­zeichnet. Immer leuchtet schon ein weißer Fleck an einem Stein oder Ast und signa­li­siert, wo es weiter geht. Und das ist in diesem Irrgarten wirklich von Vorteil. Der Weg ist zwar problemlos zu gehen, aber da es permanent auf und ab und links und rechts geht, muss man trotzdem aufpassen, wie es weitergeht.

Wanderung Randvik
Herz
Blaubeeren

Aber vor allem: man wird extrem ausge­bremst. Für die 2 Kilometer brauchen wir ungefähr eine Stunde und sind am Ende schon ganz gut aufge­wärmt.

Wanderung Randvik

Na ja, kein Problem, denn jetzt folgt ja nur noch der Spazierweg rüber nach Risør. Aber der entpuppt sich als genauso unwegsam wie der Rundweg und ist teilweise sogar noch etwas abenteu­er­licher. Wir sind richtig froh, als wir endlich den Ort erreichen.

Wanderung Randvik

Weiße Holzhäuser

Risør ist bekannt für seine weißen Holzhäuser. Die gibt es hier in Unmengen und sie sind alle auf unter­schied­liche Art liebevoll heraus­ge­putzt. Manche mit Blumen, manche mit Deko, viele mit beidem.

Risør
Risør
weißes Haus Risør

Am Kastellet stehen malerisch ein paar Kanonen herum. Ich nutze die Rasen­fläche davor aber lieber, um Fotos von Elli zu schießen.

Kastellet
Elli in Risør

Der Ort an sich ist eher ruhig und wirkt fast schon verschlafen. Das einzige was beein­dru­ckend auffällt, ist die hohe Dichte an Teslas, die hier rumsteht. Wirkt so ein bisschen wie der norwe­gische Volks­wagen. Norwegen ist in Bezug auf E‑Mobilität wirklich um Längen weiter als Deutschland!

Am Hafen spielt sich dann auf relativ wenigen Metern an der Strandgata das Leben ab. Die Restau­rants sind alle bestens besucht und man will sehen und gesehen werden. Wir haben irgendwie das Gefühl, dass wir mit unseren verschwitzten Outdoor-Klamotten nicht so ganz ins Konzept passen.

Risør

Und da die Preise in den Restau­rants dort wahrscheinlich sogar den Norwegern teuer vorkommen, verzichten wir darauf, uns dazuzu­setzen, sondern machen uns lieber leckere Pasta im MoMo.

Und das ist eine sehr gute Entscheidung, denn auf unseren letzten Metern fängt es wieder an zu regnen. Erst da fällt uns auf, was wir für ein Glück gehabt haben, dass wir an diesem Regentag so viel draußen sein konnten und praktisch überhaupt nicht nass geworden sind!

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