Verpasste Gelegenheiten

25. Juli 2020

Wir tun uns schwer mit dem Abschied von einem unserer Lieblingsorte dieses Jahres. Zu schön ist der Platz neben dem Leuchtfeuer. Vor allem bei dem immer noch ausgesprochen guten Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein, leichte Brise. Aber der Wetterbericht kündigt nichts Gutes an. Am Nachmittag soll es ungemütlich werden.

Leuchtfeuer Borhaug
Kaffeepause

Von daher machen wir dann doch alles reisefertig und fahren weiter in Richtung Flekkefjord.

FV44
Micha fährt

Shoppingzentrum

Je näher wir an Flekkefjord herankommen, umso voller wird die Straße. Und als wir in Richtung Womo-Stellplatz abbiegen, sind da schon drei Womos vor uns. Das kann ja was geben! Was wir auf dem Stellplatz sehen, gefällt uns nicht so sehr. Was nicht heißt, dass es ein schlechter Stellplatz ist. Wohl eher im Gegenteil, wenn man sieht, wie viele Fahrzeuge hier stehen. Es gibt für jedes Womo die Möglichkeit, Tisch und Stühle rauszustellen – also schon mal kein Kuschelcampen. Dumm nur, dass man sich den Platz mit 60 anderen Wohnmobilen teilt. Denn ganz ehrlich: Will ich auf einer Fläche mit dem Charme eines Großparkplatzes stehen, wenn es in Norwegen so viele tollere Möglichkeiten gibt?

Wir sind ganz erschlagen davon, dass es hier ein richtiges Einkaufszentrum gibt – so viele Menschen auf einmal haben wir zuletzt auf der Fähre gesehen! Nach einem kurzen Besuch des Outdoorladens und des Spar-Markts sind wir schnell wieder weg.

Jetzt wird’s wild

Auf den jetzt folgenden Streckenabschnitt sind wir sehr gespannt. Jeder Reiseführer schwärmt von der Strecke Flekkefjord-Egersund auf der FV44. Norwegen im Westentaschenformat solle das sein. Also mit allem, was Norwegen so besonders macht. Wir lassen uns überraschen.

FV44

Die erste Überraschung ist gar keine: Natürlich haben sie alle recht: Das hier ist Norwegen pur. Es geht bergauf, bergab. Geheimnisvoll düstere Seen vor mächtigen Felswänden. Enge, manchmal abenteuerliche Straßenführung. Wir lieben es!

FV44
FV44

Die zweite Überraschung: Hier ist total wenig los. Ich dachte, dass sich auf einer so fotogenen und sehenswerten Strecke und dem hohen Verkehrsaufkommen in Flekkefjord hier ein Womo an das nächste reiht. Ist aber nicht so.

FV44

Im Gegenteil: Es ist verblüffend wenig los, sodass ich gemütlich fahren kann und nicht allzu häufig an den Rand fahren muss, um Pkws vorbeizulassen.

Auf. Und wieder ab.

Zwischendurch fahren wir kurz hinter einem Pärchen, das mit Fahrrädern die Nordsjøruta Richtung Stavanger befährt. Es lässt sich einfach nicht gefahrlos überholen. Und so kriegen wir ein bisschen ein Gefühl dafür, wie anstrengend es sein muss, diese Steigungen mit dem Rad zu bewerkstelligen. Hut ab!

FV44

Verpasste Pausen

Ein bisschen ist trotzdem der Wurm drin. Denn ich habe den schlechten Wetterbericht im Hinterkopf und habe darüber die eigentlich fällige Kaffeepause verdrängt, die man an wirklich schönen Stellen machen könnte – wenn man denn auf den Rastplatz abfahren würde und nicht immer haarscharf daran vorbeifährt und zu spät denkt: „Der wäre ja echt schön gewesen!“

FV44
FV44
FV44
FV44
FV44

Daher durchfahren wir auch das nett aussehende Städtchen Åna-Sira nur, bevor wir dann am Jøssingfjord endlich ein Plätzchen direkt am Fjord finden, wo es sich gut pausieren lässt. Mit Blick auf einen Fjord ist ja auch nicht schlecht.

Aussicht Jøssingfjord
Aussicht Jøssingfjord

Direkt im Anschluss dann die nächste verpasste Chance: Zum Aussichtspunkt Helleren führt eine Schotterstraße, die ich Annette zuliebe aber gar nicht erst in Erwägung ziehe. Woraufhin sie mich nur verständnislos anguckt: „Hast du nicht gesehen, wie groß der Parkplatz da war? Und da waren doch die zwei Häuser, die unter die Felswand gebaut sind!“ Irgendwie ist heute der Wurm drin… Von der nächsten Aussichtsstelle können wir immerhin den Fjord von oben sehen.

Tunnel
Aussicht Jøssingfjord

Ruhehafen

Von dort ist es dann gar nicht mehr weit nach Sogndalstrand. Dort soll es gleich zwei Gelegenheiten geben, um sich am Hafen hinzustellen. Nach unserer guten Erfahrung von letzter Nacht wollen wir das gerne noch mal haben.

Die Anfahrt ist vielversprechend. Durch ein kleines schnuckeliges Dorf und seine verwinkelte Straße kommen wir zum Hafen. Dort ist auch der Stellplatz. Nur leider mittlerweile mit einem eindeutigen Womoverbotsschild: 0-6 Uhr verboten.

Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand

Schade, der Platz wäre echt super gewesen. Eine nette Norwegerin erklärt mir, dass es aber im Nachbarort Rekefjord ebenfalls einen Stellplatz gebe. Vielleicht würden wir dort ja Glück haben. Annette zeigt auf die Wohnmobile, die man am Ende des Hafens sehen kann: „Oder dort?“ Die Frau zuckt mit den Schultern: „Das ist ja wieder was anderes. Da sind ja keine Schilder.“

Hafen Sogndalstrand

Wir werten das mal als „Das stört dort niemanden“ und erkunden unsere Möglichkeiten. Annette entdeckt eine kleine Lücke direkt neben einem Wasserfall. Ein feiner Platz mit Blick auf das Hafenbecken. Den nehmen wir doch gerne!

Hafen Sogndalstrand

Nachdem wir uns eingerichtet haben, kann ich noch genau eine halbe Stunde zum Fotografieren durch das Hafengelände stromern, bevor der Regen kommt. An dieser Stelle mal ein dickes Daumen-hoch für die norwegische Wetter-App yr.no. So eine App hätte ich gerne auch für Deutschland! Korrekt, superinformativ und noch dazu mit toller Benutzerführung.

Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand
Hafen Sogndalstrand

Für uns hat der Regen was Gutes: Es gibt ein frühes Abendessen! Annette improvisiert mit den in Flekkefjord gekauften Fischfrikadellen eine ausgesprochen leckere Burger-Variante. Und danach? Machen wir es uns im MoMo gemütlich!

Annette liest

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