Très genial

16. Oktober 2016

Ungewohnt: Wegen der “frühen” Abfahrtszeit (9.45h…) der ersten Fähre rüber auf die Isle de Bréhat müssen wir heute tatsächlich mal vor Sonnenaufgang aufstehen. Dieser ist nämlich hier zu dieser Jahreszeit erst um halb neun…

Und auch, als wir zum Anleger gehen, liegen noch einige Inselchen aufgrund der tief stehenden Sonne im Schatten. Wir genießen aber das warme Licht und die kurze Überfahrt auf die Insel.

Das erste, was uns auffällt, als wir die Insel erkunden, sind die eher schmalen Wege. Kein Wunder: Autos sind auf der Insel nämlich Fehlanzeige. Und am Ende des Tages werden wir feststellen, wie gut uns die völlige Abwesenheit von Motorgeräuschen und Geschwindigkeit getan hat. Hier geht es gemächlich zu! Und noch ein bisschen mehr, da man auch hier das Saisonende in den spärlichen Touristenzahlen merken kann. Und wie immer ist uns das ausgesprochen recht so!

Wir erkunden ersten mal den südlichen Teil der Insel und finden im Südwesten ein ausgesprochen toll gelegenes Ferienhaus. Direkt am Meer zwischen den Klippen, links und rechts Strand. Ein Träumchen… Mit meinen geschätzten 1000€/Woche liege ich dann aber doch daneben. In der Hochsaison sind es sogar schlappe 1900€… Hm, wenn wir das MoMo wieder abschaffen, könnte das doch drin sein?

Aber es gibt ja noch andere schöne Häuschen. Denn die Isle de Bréhat ist nicht nur als Blumeninsel bekannt, sondern auch für ihre ausgesprochen hübschen bretonischen Häuschen. Können wir beides bestätigen! Und schnurrende Genießerkatzen gibt es noch on top.

Unterwegs finden wir noch einen Kasse-des-Vertrauens-Marktstände-deluxe vor. Reichhaltiges Angebot an diversem Obst und Gemüse, Konfitüren und sogar Pastasaucen. Wir werden schwach und shoppen ein bisschen. Auch wenn sich eine Tüte Tomaten nicht sooo super auf einer Wanderung transportieren lässt…

Unser persönlicher Höhepunkt ist die Nordostecke mit dem Phare du Paon als Zuckerstückchen on top in dieser roten Felsenlandschaft. Mein Auslöser steht nicht still! Die Inszenierung ist aber auch zu schön: Grünes Gras, rote Felsen, türkises Meer und ein Himmel mit genau der richtigen Menge an Wolken. Und das ganze in wunderbar klarer Luft beleuchtet vom selbst in der Mittagszeit eher sanften Sonnenschein.

Auch auf dem weiteren Weg entlang der Nordküste bieten sich noch genügend schöne Aussichten. Beeindruckend sind aber auch die mannshohen Farn- und Brombeerfelder, die sich über weite Strecken links und rechts neben uns erheben. Oder die Puschel der Strandgräser. Oder oder oder…

Voll von diesen Eindrücken kehren wir wieder in den dichter bebauten Teil der Insel zurück. Nicht, ohne mal wieder über die unglaubliche Entfernung zum weggeebbten Meer zu staunen: Das kommt wirklich bis zu uns, wenn Flut ist?

Im Zentrum des Inselortes Le Bourg herrscht so ziemlich tote Hose. Man kann sich nur schwer vorstellen, was im Sommer für ein Trubel hier herrschen mag, wenn all die Geschäfte und Restaurants geöffnet sind. Jetzt sind es nur 2 und wir entscheiden uns nicht für das “Shamrock”, das als irischer Pub nicht einmal Guiness vom Fass anbietet. Gut so, denn der Nachbar ist kulinarisch ein Volltreffer für uns. Bei den “frittierten kleine Fischen”, die auf der Tafel angepriesen werden, geht bei mir sofort das “Boquerones”-Lämpchen an: Bestellt! Und die Fischchen sind noch eine Spur “echter” (heißt: unummantelter) aber vor allem leckerer als ihre spanischen Kollegen. Da können sie mich noch so vorwurfsvoll angucken! Und auch das bretonische Bier vom Fass namens “dremmwel” mundet dazu ausgezeichnet. Muss ich mir merken!

Als wir die 17-Uhr-Fähre (und damit die vorletzte) nehmen, werden wir noch mit einer Brèhatschen Besonderheit konfrontiert: Je nach Gezeitenstand wandert der Ablegepunkt da hin, wo das Wasser ist. Im ungünstigsten Fall soll das einen 15 Minuten längeren Fußweg bedeuten! Wir schaffen es aber problemlos und freuen uns nach einem Tag voller Eindrücke darauf, diese im MoMo sacken zu lassen. Und Annettes selbst komponierte Quiche, zu der es einen Tomatensalat aus Inseltomaten und Cidre gibt, rundet den Tag dann so richtig ab. Très genial!

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