Neustart19
1. Oktober 2019

Ein paar verrückte Wochen liegen hinter uns. Und unser wohnmo­biles Leben hat sich dadurch durchaus entscheidend verändert. Aber der Reihe nach.

Auf zum Caravan Salon

Bereits in Dänemark kam erstmals der Gedanke auf, ob ein neues MoMo für uns inter­essant sein könnte. Als wir in Faldsled den Eura Activa One 570HS von Theo und Pauline vorge­führt bekamen, wurden uns die Einschrän­kungen des MoMos noch mal deutlich vor Augen geführt: Heckgarage? Kennen wir nicht. Unser kleines Staufach im Heckboden und der von außen zugäng­liche Kleider­schrank sind alles, was wir vorzu­weisen haben und wir haben durchaus eine gewisse Meister­schaft im platz­spa­renden Packen entwi­ckelt.

Extrem spekta­kulär fanden wir vor allem die Rundsitz­gruppe im Heck. Fenster auf allen drei Seiten! Ein großer Tisch! Platz zum Hinlümmeln für Regentage!

Und auch der geräumige „Flur“, wo man problemlos anein­ander vorbei­gehen kann, wenn der eine an der Küchen­zeile steht, hatte es uns angetan. Wir hatten also eine Idee, was wir uns auf dem Caravan Salon unbedingt noch einmal anschauen wollten.

Oman oder Eura?

Auf dem Caravan Salon haben wir uns dann, wie schon im vergan­genen Jahr, spontan in den Oman von Burow-Reise­mobile verliebt. Die Optik gefällt uns, Herr Burow ist wirklich ein leiden­schaft­licher Tüftler und mit dem Doppel­ka­binen-Ford-Ranger wäre jetzt auch das Platz­problem, was wir letztes Jahr noch gesehen haben, etwas reduziert. Wir sind spontan begeistert und überlegen wirklich, ob wir das machen sollen. Letzt­endlich entscheiden wir uns aber dagegen, da er sich gewichts­mäßig immer an der Grenze zur maximalen Zuladung (oder darüber…) befinden würde.

Und vom neuen Innen­design des Eura Activa One für das Modelljahr 2020 sind wir auf dem Messe­stand wirklich entsetzt. Da hat man anscheinend jemand mit ganz wenig Geschmack dazu aufge­fordert, das ganze mal trendy und stylish zu designen. Leider sieht das am Ende für uns dann mit den lackierten hellen Fronten und dem gefaketen Rattan­dekor nur noch billig und geschmacklos aus. Und hat schon mal jemand drüber nachge­dacht, was so ein ultra­helles Design auf längere Sicht in einem Camping­fahrzeug bedeutet? So ein Fahrzeug wollen wir nicht!

Es sieht also alles danach aus, als würde alles beim alten bleiben. Denn Bimobil und Dopfer bauen zwar tolle Fahrzeuge, wollen dafür aber auch mehr Geld sehen als wir haben. Deutlich mehr. Und von den Liefer­zeiten wollen wir da mal noch gar nicht reden…

Es macht Klick

Einen Tag vor unserer Abreise zur zweiten Schott­landtour des Jahres haben wir uns aus familiären Gründen schweren Herzens dazu entschieden, den Trip abzusagen. Familie geht vor. Quasi als Trauer­kom­pen­sation wollen wir uns zumindest noch mal den „alten“ Eura aus dem Modelljahr 2019 angucken.

Der für uns nächst­ge­legene Händler ist Lehmann in Arnsberg. Trifft sich ganz gut, dass uns ein Ehepaar auf der Messe genau diesen Händler empfohlen hat, falls wir uns für einen Eura entscheiden würden. Er hat auch noch 2 Fahrzeuge auf dem Hof, eins mit Automatik, eins ohne. Als wir ankommen ist es schon eins weniger — das Womo mit Automatik ist just im Moment verkauft worden. D‘oh!

Wir lassen uns das übrig gebliebene Fahrzeug zeigen und sind erneut verliebt. Die wesent­lichsten Unter­schiede zu unserem guten alten Knaus:

  • eine für unsere Verhält­nisse gigan­tische Heckgarage trotz nur 5,99m Länge. Denn ein weiterhin kurzes Fahrzeug ist uns wichtig. Und überhaupt ist der Doppel­boden ein genialer Stauraum, wo wir so viele Sachen einfach viel bequemer unter­bringen könnten als im Knaus.
  • die Hecksitz­gruppe mit dem verschieb­baren Tisch und der Rundum­sicht beendet alle Diskus­sionen, wierum man auf einen Stell­platz fährt. Einfach das Heck dorthin parken, wo die Aussicht ist und fertig!
  • Von innen zugäng­liche und beheizte Wasser­tanks und auch die Hebel für Grau- und Frisch­was­ser­ablass sind in der Seiten­klappe unter­ge­bracht. Kein „unter den Wagen kriechen“ mehr, wenn das Grauwasser abgelassen werden muss oder Aufdrehen aller Wasser­hähne, um das verblei­bende Frisch­wasser abzulassen. Nicht spiel­ent­scheidend, aber praktisch.
  • ein Alkoven mit 2 Seiten­fenstern und vor allem ohne ein Heki, was wegen der Zwangs­be­lüftung im Knaus immer für laute Fahrge­räusche gesorgt hat. Oder auch schon mal unmoti­viert während der Fahrt aufging. Das tolle Sternen­gucker-Glasdach, was Eura auch anbietet, hat dieses Fahrzeug zwar nicht, aber wir lassen uns damit trösten, dass es sich dadurch auch weniger stark bei hohen Außen­tem­pe­ra­turen aufheizen wird. Und ob es ein Hagel­un­wetter wie in Torla überlebt, sei auch noch dahin gestellt.
  • und für den autarken Komfort ist auch gesorgt: Mit der beheizten Duo-Control entfällt das Aussteigen in der kalten Nacht, wenn mal wieder die Gasflasche leer ist. Und Solar und Außen­dusche würden wir in Zukunft auch gerne in einem neuen Mobil haben.
  • der Kühlschrank, der eher hoch als breit ist, scheint auch eine gute Sache zu sein. Auf jeden Fall wirkt er riesig.

Kurz überlegt

Also was tun? Wir fahren für einen Kriegsrat kurz an den Sorpesee und beraten uns. Die Verbes­se­rungen wären uns schon sehr willkommen, da müssen wir nicht lange überlegen. Und der Preis, den wir von Lehmann für unseren Knaus kriegen, wäre auch okay. Denn der Hagel­schaden aus den Pyrenäen macht unser Fahrzeug ja auch nicht gerade attrak­tiver für einen Privat­verkauf. Also konsul­tieren wir unser Budget und stellen fest: Es geht. Und eine Stunde später haben wir einen Kaufvertrag unter­schrieben. Auf der Heimfahrt kneifen wir uns mehrmals: Das haben wir jetzt echt getan? Und Annette denkt schon wehmütig daran, dass das jetzt auch einen Abschied von MoMo I bedeutet. Aber die Vorfreude überwiegt.

Ab Oktober sind wir also mit einem Eura Activa One 570HS unterwegs. Hätte mir das jemand Anfang des Jahres erzählt, ich hätte ihn für bekloppt gehalten. Und beim Gedanken, dass wir, wenn alles nach Plan gelaufen wäre, jetzt eigentlich irgendwo in Schottland stehen würden, explo­diert mein Kopf vollends.

Es gibt Dinge, die sollen einfach genau so passieren!

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Und jedes Ende ist auf seine Art dann doch immer auch traurig. Als wir unseren guten alten Knaus Sky Traveller ausräumen, kommen wir uns ein bisschen vor wie der Vater, der Hänsel und Gretel demnächst im Wald aussetzen wird. So etwas tut man einfach nicht!

Aber es bringt uns auch zum Staunen, was wir auf den 5,61m in der Vergan­genheit alles unter­bringen konnten. Als unsere Garage mit allem Zeugs, was man so dabei hat, am Ende vollge­stellt ist, sind wir schwer beein­druckt. Wie wird es sein, wenn das alles im Eura verschwindet? Hat man dann wirklich noch so viel Platz? Und guckt uns das alte MoMo nicht gerade vorwurfsvoll an?

Zulas­sungs­hickhack

Ich hatte mich natürlich alsbald um Versi­cherung und Neuzu­lassung gekümmert, so weit das möglich ist. Und dabei festge­stellt, dass man in Remscheid 3 Wochen auf einen Zulas­sungs­termin warten darf. Na super! Also bis 1. Oktober warten… Ein Tipp von unserer Metzge­rei­fach­ver­käu­ferin bringt mich auf einen Zulas­sungs­dienst, der sich eine Von-einem-Tag-auf-den-anderen-Zulassung vergolden lässt. Aber dafür könnten wir schon am 27.9. (wie mit Lehmann vereinbart) das neue MoMo übernehmen (und losfahren). Gebongt!

Aber eine Zulassung ohne Fahrzeug­brief ist etwas brotlos. Und genau hier gibt es Probleme. Nach einer Woche rufe ich bei Lehmann an, wo der Brief denn bleibe. „Keine Sorge, der ist garan­tiert Montag oder Dienstag bei Ihnen.“ Als er Dienstag natürlich nicht angekommen ist, wird Lehmann etwas hektisch (etwa vergessen…?) und sichert mir zu, dass der Brief jetzt aber garan­tiert per Express am Mittwoch käme. Morgens zwischen 8 und 10 Uhr.

Wer natürlich nicht kommt: Der Expressbote. Nicht um 8, nicht um 9, nicht um 10 Uhr. In der Sendungs­ver­folgung wird er aber als zugestellt vermerkt. Hä? Wie sich schließlich heraus­stellt, konnte er nicht zugestellt werden, weil Eura eine falsche Hausnummer auf den Brief geschrieben hatte. Und weil Express bei DHL ja wörtlich zu nehmen ist, ist die nächste Zustellung schon am Abend erst am übernächsten Tag möglich. Dann aber immerhin zwischen 8–9 Uhr.

Aber auch Freitags um 9 Uhr bleibt die Klingel stumm. Lehmann telefo­niert mal wieder mit DHL und bekommt die Auskunft, dass die 40€ Express­gebühr ja schon mit dem missglückten Zustell­versuch am Mittwoch abgegolten sei. Die Zustellung am Freitag sei reine Kulanz und erfolge zwischen 11 und 13 Uhr… Wir haben in der Tisch­kante seitdem ein halbkreis­för­miges Loch, was ich wohl im Affekt hinein­ge­bissen habe…

Immerhin kommen die Papiere dann wie angekündigt und ich kann am Montag ganz früh in der Zulas­sungs­stelle auf der Matte stehen. Wider Erwarten klappt dann auf dem Amt alles wie am Schnürchen.

MoMo-Tausch

Wir begeben uns also gegen Mittag auf die letzte Fahrt mit unserem Knäuschen. Der Weg führt uns dann zunächst zu IKEA, wo wir Stapel­kisten und Haken für das neue MoMo kaufen. Und wieder fühlt es sich schmutzig an, alle Neuein­käufe in das alte MoMo zu laden, nur um es dann wenig später tatsächlich und unwider­ruflich beim Händler abzugeben. Tschüss MoMo I, du hast uns treu durch unsere erste Zeit als Wohnmo­bi­listen gebracht!

Nach gründ­licher Einweisung besteigen wir dann unser neues Gefährt und können es immer noch nicht glauben: MoMo II ist am Start!

Im Hinter­grund ein einsames MoMo I…

Und als wir anfangen, aus dem Eura ein MoMo zu machen, wird es für uns Stück für Stück begreif­barer. Das ist jetzt für die kommenden Jahre unsere rollende Heimat!

Worüber wir besonders happy sind? Dass sich alles so wunderbar leicht verstauen lässt und am Ende noch üppig Platz bliebe, um entweder Kisten zu stapeln oder aber unterwegs noch ein paar Einkäufe hinzu­zu­fügen — was haben wir mit MoMo I immer neidisch beim Winzer geguckt, wenn andere sich die Heckgarage vollge­laden haben! Und leerge­wichts­mäßig und vom vorhan­denen Stauraum haben wir gegenüber dem Oman von Burow, der uns ja auch angelacht hatte, einen Vorteil von locker 300kg. Also auch hier: Zufrie­denheit! Jetzt muss sich das alles nur noch in der Realität bewähren.

2 Kommentare

  1. Glück­wunsch zum neuen MoMo!

    Antworten
    • Danke­schön!

      Antworten

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