Fjordlust
25. Mai 2018

Unser letzter Tag in Dänemark! Und wir möchten ihn noch mal so richtig nutzen.

Wir nutzen auch hier die großzügige „bis 12 Uhr bezahlt haben, bis 15 Uhr bleiben“-Regelung und machen uns nach dem Frühstück auf eine Radtour entlang des Ringkøbing-Fjords: Fjorden Rundt heißt der Weg, der rund um den Fjord führt. Logisch. Auf dem Papier sieht das extrem verlo­ckend aus. Überall Radwege, größten­teils entlang des Fjords, keine Steigungen — easy!

Fjord≠Fjord

Hier muss man dem geneigten Leser nun mal erklären, was der Däne unter einem Fjord versteht. Jeder Norweger hätte hier nämlich Tränen in den Augen — wahlweise vor Lachen oder vor Weinen. Ein Fjord in Dänemark ist eigentlich nur der Binnen­be­reich eines Wassers, das mit dem Meer verbunden ist. Drama­tische Aussichten, steile Felswände und unermesslich tiefes Wasser gehören nämlich so gar nicht zu den Stärken des gemeinen dänischen Fjords.

Dafür aber liebliche Sandstrände mit Schilf, Hecken­rosen und ein Horizont an der Nulllinie. Und das hat halt auch was.

Schot­ter­piste

Die Aussicht, die wir beim Radeln genießen, wäre herrlich entspannend, wenn nicht die blöde Schotter-Sand-Piste wäre, die uns einen Großteil der Strecke begleitet. Man muss daher nämlich immer auch ein gutes Auge auf den Weg werfen, damit man nicht in einem Sandloch versackt oder auf dem groben Schotter wegrutscht.

Irgendwie schade, denn sonst wäre der Weg 1+ mit Sternchen. Nette kleine Ferien­häuser, alle indivi­duell benamt (eins davon heißt Fjordlust…). Kleine Sandbuchten, umgeben von Hecken­rosen. Bemalte Fischer­hütten. Schafe, Kälber und Pferde am Deich.

Seilfähre und Ausguck

Der Kracher ist dann noch die Seilfähre, die uns an 2 Stellen über den mäandernden Skjern Å bringt. Mit purer Muskel­kraft zieht man sich auf die andere Seite. Funktio­niert einwandfrei und ist ein großer Spaß!

Auf der anderen Seite erwartet uns dann wieder ein für uns bereits typisch dänisches Erlebnis. Es gibt hier eine kleine Ausstellung und eine Aussichts­plattform im ersten Stock. Da kein Mensch hier ist, gehen wir davon aus, dass es abgeschlossen ist.

Ich probiere trotzdem mein Glück und siehe da: alles offen. Und wir finden neben der Ausstellung eine 1a-Toilette vor, die wir so auf manchem Camping­platz noch nicht gesehen haben, es gibt einen Fahrstuhl für Rolli­fahrer und auch die Aussichts­plattform ist tippi­toppi. Ist es nicht frustrierend, dass einem so etwas in Deutschland undenkbar erscheint? Wie machen die Dänen das?

Stram­pelei

Wir müssen nun doch langsam ans Umkehren denken. Denn wir haben für diese Tour mal nicht die Hunde im Hänger mitge­nommen, sondern im MoMo gelassen. Und die 15-Uhr-Deadline rückt auch näher.

Also machen wir uns auf den mittler­weile 20km weiten Rückweg. Zunächst mit strammen Gegenwind, puh! Dann aber immerhin auf Asphalt, so dass wir die einstündige Rückfahrt relativ humorlos herun­ter­strampeln.

Fisch­suppe und Stern­schnuppe

Nachdem die Hunde begrüßt und bespa­ziert wurden und das MoMo frisch vollver­sorgt wurde, fahren wir einmal um die Ecke, um am Hafen noch ein Fisch­brötchen zu essen. Denn das Werbe­schild hatte uns gestern schon so angelacht, dass wir uns das als Belohnung für die Radtour vorge­nommen haben.

Als wir dort aber die Karte sehen, springt mir die obliga­to­rische Fisch­suppe ins Auge und Annette lässt sich von der „Stern­schnuppe“ als typisch dänisch überzeugen. 2 Schol­len­filets mit Krabben, Spargel und Schwarzbrot.

Klappe auf, Hund erschreckt

Jetzt geht es aber los. Richtung Flensburg. Zunächst mal aber Richtung Osten mit strammem Gegenwind, der uns mal wieder unser Alkoven-Heki aufweht. Ein hässliches Gefühl, wenn auf einmal das Dachfernster mit einem Flöpp! aufgeht und das Fahrge­räusch deutlich lauter wird. Wir möchten doch nicht schon wieder ein Fenster verlieren! Das findet auch Elli und ist zu Tode erschreckt und springt von der Sitzbank nach vorne zu Frauchen. Es braucht viel gutes Zureden, bis sie wieder auf der Bank liegt.

Fisk kaufen

Wir wollen noch mal Fisch kaufen. Annette bekam im Restaurant den Tipp, dass es in Nørre Nebel „am Kreis­verkehr“ ein Fisch­ge­schäft gebe. Wir fahren also dorthin, finden aber weder Kreis­verkehr noch Fisch­ge­schäft. Erst Tante Google bringt uns der Lösung näher: einfach nach „Fisch­ge­schäft“ suchen und voilá: Der Kreis­verkehr befindet sich schon etwas weiter außerorts…

Und prompt erstehen wir leckere Schwei­ne­reien für das Abend­essen und als Mitbringsel…

Klappe die 2.

Als wir uns auf der Autobahn Richtung Kolding befinden, geht schon wieder das Heki auf. Mann, das nervt aber! Und Elli ist entnervt und zittert.

Dauer­huper

Unterwegs werde ich mit einem Male schrecklich müde. Es ist zwar nur noch ein Stündchen zu fahren und auch schon etwas später, aber mir fallen regel­recht die Augen zu. An einem Rastplatz machen wir also einen Stop, an dem ich mich kurz in den Alkoven lege und die Augen zumache. War wohl doch etwas anstrengend auf dem Fahrrad…

Plötzlich fängt aber jemand unmit­telbar neben uns an zu hupen. Also: dauer­hauft. Lang. Unver­schämt lang. Uns kann er nicht meinen, denn zum einen stehen wir total korrekt auf einem Womopark­platz, zum anderen ist der Parkplatz so leer, dass man sich einfach irgend­wohin stellen kann, ohne jemanden zu blockieren.

Es stellt sich heraus, dass wir wohl unschuldig einem Rastplatz-Pädagogen zum Opfer gefallen sind. Denn dieser steht neben 2 LKWs, die sich zugege­be­ner­maßen unnötig, quer auf natürlich gleich mehrere PKW-Parkplätze gestellt haben. Was zwar nicht die feine englische Art, aber angesichts der gähnenden Leere auf dem Parkplatz auch total egal ist. Sachen gibt’s…

Klappe die 3.

Auf der Weiter­fahrt geht uns noch ein drittes Mal das Alkoven­dach­fenster auf. Ist das jetzt der Wind, sind wir zu dösig, um es richtig zu schließen oder wird das jetzt zur Dauer­ein­richtung? Tatsache ist: Elli leidet wieder sehr — um so verrückter, dass Mia das völlig kalt lässt.

Wolfgang, the boss

Unser Etappenziel ist der Stell­platz in Frörupsand kurz hinter Flensburg. Eine regel­rechte Insti­tution für Nordland­fahrer über Dänemark. Denn der Platz­be­treiber Wolfgang ist in der Tat ein Unikat. Als wir kurz am Stell­platz halten, um uns zu orien­tieren, kommt er schon angewat­schelt und begrüßt uns freundlich „Ich bin der Wolfgang!“ und erklärt uns, wie es bei ihm so abläuft. Liebenswert! Wir suchen uns einen der freien Plätze am P3 aus („die haben aber keinen Fernseh­empfang!“), die Hunde schließen Wolfgang dank reichlich Leckerchen auch direkt in ihr Herz und dann gibt es als nette Erinnerung an den hiermit beendeten Dänemark­urlaub noch eine Fisch­fri­ka­delle und Algen­salat aus Nørre Nebel.

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