Wasserfälle

5. April 2022

Es ist ein schöner, sonniger Morgen, was die Stimmung schon mal hebt. Aber auch bei dem schönen Wetter sind die überwiegenden Farbtöne hier gelb und braun. Es ist in ein paar Wochen bestimmt nicht wiederzuerkennen, aber wir konstatieren: nicht die perfekte Reisezeit für dieses Tal.

Crystal Springs

Wir lernen, dass wir uns hier südlich der Brecon Beacons in Wasserfallgebiet befinden. Dem wollen wir auf den Grund gehen, auch wenn wir hier keine norwegischen Superlative erwarten.

Im Nachbartal gibt es den Melincourt-Wasserfall, den seinerzeit schon William Turner skizziert hat. Und wenn Turner den gut fand, wird er doch sicherlich auch was für uns sein!

Das einzige Problem an der Sache: Der liegt vielleicht mal gerade 3 Kilometer Luftlinie entfernt, ist aber im Nachbartal. Daher fahren wir locker 45 Minuten, bis wir dort sind.

Melincourt Falls

Da der Wasserfall ohnehin auf unserem Weg in die Brecon Beacons liegt und nur einen kurzen Fußweg entfernt ist, nehmen wir ihn natürlich mit.

Was uns hier und auch später noch auffällt, ist das unheimlich saftige Grün des Mooses an den Wänden. Das lässt sich in den Bildern nur schwer einfangen, ohne dass einem jeder beinahe zu Recht den Vorwurf machte, dass man zu sehr an den Farbreglern gedreht hätte.

Für uns ist es ein guter Einstieg in unseren ersten Wandertag.

Melincourt Waterfall

Waterfall Country

Dieser südliche Teil der Brecon Beacons wird auch Waterfall Country genannt. Und zwar nicht nur weil es hier wirklich viele Wasserfälle zu bestaunen gibt, sondern auch, weil es mit dem Four-Waterfall-Trail eine wirklich coole Wanderung gibt, die einen in kurzer Folge zu vier Wasserfällen führt.

Auf dem Weg nach Ystradfellte, wo die Wanderung beginnt, lernen wir, dass es auch hier schon mal Grün sein kann. Auf einer Art Hochebene sehen wir größere Schafherden und können im Vorbeifahren sogar ein Schaf erhaschen, das offensichtlich gerade ein Lamm geboren hat und sich mit seiner blutigen Nachgeburt rumschlägt…

Am Parkplatz Gwaun Hepste sind wir zunächst erstaunt, dass an einem Wochentag im April wirklich alle Plätze belegt sind. Bis wir erleichtert herausfinden, dass es noch einen zweiten Teil des Platzes gibt, wo es sich mit einem Wohnmobil dann auch bedeutend leichter parken lässt.

Wasserfallwanderung

Sgwd Clun-Gwyn

Nein, es ist keine Katze über meine Tastatur gesprungen. Die geschriebene walisische Sprache sieht halt aus, als wäre sie nach dem zehnten Whisky auf einer Tastatur ohne Vokale aufgeschrieben worden.

Das hier ist auf jeden Fall der Name des ersten Wasserfalls…

Zu diesem geht man auf einem größtenteils sehr breiten befestigten Weg, der unkompliziert zu laufen ist. Wir wundern uns allerdings über die roten Gesichter bei manchen der Leute, die uns entgegenkommen. Haben die denn alle keine Kondition?

An diesem ersten Wasserfall sieht man recht viele Leute. Einige davon auch am anderen Ufer, wo man viel näher an den oberen Teil des Wasserfalls herangehen kann. Sicherlich auch ein Nervenkitzel, auf den den wir aber gerne verzichten.

Four Waterfalls

Die grüne Route

Ab jetzt kommt eine Besonderheit des Weges ins Spiel. Ganz vorbildlich gibt es einen einfachen und einen schwierigen Weg, um diese vier Wasserfälle zu erkunden. Warum man allerdings den einfachen mit der Farbe Rot und den schweren mit der Farbe Grün markiert hat, wissen wohl nur die walisischen Götter. Ob hier auch die Ampeln anders funktionieren?

Die grüne Route, welche wir nehmen, ist wahrscheinlich deutlich empfehlenswerter, da man viel näher am Wasser bleibt und auch schneller an den Wasserfällen ist. Der Nachteil: es ist ein wenig Kraxelei oberhalb des Flusses. Nichts wirklich dramatisches, aber für jemanden mit Höhenangst wie Annette schon unangenehm. Sie meistert es aber tapfer und kümmert sich auch vorbildlich um Toffi, der die vielen Hundebegegnungen schon wieder zu viel werden. Ganz so schlimm wie am Fulufjället wird es dann aber doch nicht.

Sgwd Isaf Clun-Gwyn

Belohnt werden wir mit dem zweiten Wasserfall, der eher eine Kaskade von Fällen ist, die sich hier ihren Weg gesucht haben. Ich kann unmittelbar an der ersten Kaskade und auch später an den Pools tolle Fotos machen.

Four Waterfalls
Four Waterfalls
Four Waterfalls

Als wir am dritten Fall, dem Sgwd y Pannwr ankommen, kennen wir das Spiel ja schon. Tolle Kaskade, und hier gibt es unterhalb des Falls einen größeren Pool, von dem wir vermuten, dass man da im Sommer ganz lauschig drin planschen könnte.

Four Waterfalls

Alle Fälle?

Von hier aus gibt es einen ganz ordentlichen Anstieg, der uns ins Schwitzen und wieder auf den bequemen roten Wanderweg bringt.

Als wir dann den Wegweiser zum vierten und letzten Fall sehen und erahnen können, dass es da noch mal ordentlich bergab (und natürlich später auch wieder bergauf) geht. Laut Wegweiser 8 Minuten runter und 15 Minuten hoch. Puh!

Wasserfallwanderung

Neben unserer noch nicht wirklich dollen Kondition haben wir auch unsere weiteren Pläne im Blick. Wenn wir das auch noch machen, laufen wir Gefahr, unser Ziel am Meer erst im Dunklen zu erreichen. Da fällt der Verzicht auf Fall Nummer Vier dann doch vergleichsweise leicht. Wir können uns aber gut vorstellen, ihn irgendwann in der Zukunft und zu einer anderen Jahreszeit dann doch mal zu besuchen.

Wasserfallwanderung

Richtung Meer

Als wir wieder am Parkplatz ankommen, gehören wir auch zu denen, die ganz schön geschlaucht vom Auf und Ab sind. Das war eine schöne Einstiegswanderung für diese Reise!

Wir wissen, dass wir hier in den Brecon Beacons bei weitem noch nicht alles gesehen haben, aber der Wetterbericht mit Regen und stürmischem Wind spricht nicht dafür, hier in den Bergen zu bleiben, wo das dann alles abregnet. Wir wollen wieder ans Meer.

Im Süden der Gower-Halbinsel, westlich von Swansea, gibt es schöne Strände und sehenswerte Klippen. In der Nähe der Three Cliffs Bay wollen wir heute Station machen und hoffen, dass der Regen morgen nicht ganz so fies wird, sodass wir am Strand zumindest ein wenig von dieser schönen Ecke erkunden können.

Gower-Halbinsel

Was wir auf der Fahrt schon mal feststellen: Auf der Gower-Habinsel gefällt es uns bereits bedeutend besser als an der Küste von Porthcawl. Mit Mäuerchen, Schafen und mehr Grün sieht das schon ein wenig nach Irland aus.

Auch hier geht es ständig bergab und bergauf – teilweise mit einem Gefälle von 20%. Da darf die Motorbremse dann auch mal ran.

Unser BritStops-Übernachtungsplatz in Oxwich ist auf jeden Fall ein Treffer. Ganz in der Nähe des Strandes und dank einer hohen Hecke sicherlich weitestgehend sturmgeschützt.

Oxwich

Im Hotelbistro trinken wir dann noch ein Pale Ale als Dankeschön für den kostenlosen Übernachtungsplatz. Wir philosophieren über diese so typisch britische Inneneinrichtung mit gepolsterten Stühlen, klebrigen Tischen, fluffigem Teppich und Kunstfarn, der von der Decke hängt, damit es auch was Grünes gibt. Auf eine merkwürdige Weise gefällt es uns, obwohl das so gar nicht unser Stil ist. Aber hier gehört das irgendwie hin.

Oxwich

1 Kommentar

  1. Coole Aufnahmen! Liebe Grüße aus ME (leider ohne Wasserfälle)

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Britische Inseln 2022

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