Ab in den Regen

1. Oktober 2021

Unser Kanal ist ein feines Fleck­chen. So fein, dass wir heute zu einer kleinen Runde zum anderen Ufer aufbre­chen. Wir bewun­dern die Hausboote am Ufer, die sich in einem unter­schied­li­chen Zustand von Verfall befinden. Es gibt aber auch ein paar liebe­voll gepflegte Exemplare.

Kanal Grand Bassin
Kanal Grand Bassin

Auf diesem Rundweg begleitet uns ein aufwändig neu gestal­teter und vorbild­lich abgetrennter Fuß-/Radweg, der in harschem Kontrast zu den teils arg verfal­lenen Brücken steht. So als würde man hier mit viel Geld eine Region wieder­be­leben, die ihre besten Tage schon hinter sich hatte. Uns gefällt’s aber recht gut.

Kanal Grand Bassin

Entnervt

Wir haben keine große Eile und beschließen, mal wieder über die Dörfer statt über die kosten­pflich­tige Autobahn zu fahren. Aber ein Vergnügen ist das größten­teils nicht. Viele Ortsdurch­fahrten mit Rechts-Vor-Links-Regelungen, todes­mu­tige Trecker und schließ­lich setzt noch der vorher­ge­sagte Dauer­regen ein.

Als wir an einem Kreis­ver­kehr schließ­lich eine Vollsper­rung wegen eines Unfalls erleben und noch mal einen Schlenker fahren müssen, ist es genug. Wir löschen die Option „gebüh­ren­freie Route“ im Navi und begeben uns auf die Autobahn, auf der wir dann zumin­dest in gleich­mä­ßigem Tempo in Richtung Westen fahren.

Ab in den Regen

Als ich dann an der Mautsta­tion sehe, dass das MoMo als „Classe 3“ (Truck oder Bus über 3,5 Tonnen) einge­stuft wird, probiere ich mal einen Hinweis aus, den ich irgendwo im Internet aufge­schnappt habe. Ich drücke als Nicht-Franzö­sisch-Sprecher einfach am Automaten den Knopf, um mit einem Menschen zu sprechen, stammele mein „Change Classe Deux s’il-vous-plait“ in den Lautspre­cher und siehe da: Die Einstu­fung ändert sich auf „2“ und ein freund­li­cher Franzose wünscht mir „Bon voyage“. Ich bin richtig stolz…

Herren­haus mit Calvados

Wir beschließen, unsere Tages­etappe etwas zu verkürzen. Annette hat wieder mal gezau­bert und einen Hof mit Cidre und Calvados im Angebot gefunden. Da wir mittler­weile in der Normandie sind, passt das doch hervor­ra­gend. Die Gentil­hom­mière, zu Deutsch: Herren­haus, sieht auf den Fotos sehr einla­dend aus und als wir von der Straße abfahren, haben wir ein gutes Gefühl. Zumin­dest so lange, bis wir sehen, dass es auch zwei Golden Retriever gibt, die freund­lich aufs MoMo zulaufen. Während Annette mit der empörten Toffi und Elli erst mal im Womo bleibt, sondiere ich die Lage und kläre mit Madame Platel ab, ob wir hier bleiben können und ob es Stress mit unseren Hunden geben könne. Sie ist aber ganz entspannt und lädt uns erst mal in die Boutique auf eine Degus­ta­tion ein. Was haben wir das vermisst!

Gentilhommiere

Wir trinken uns durchs Sorti­ment von Cidre, Pommeau (ein kalt getrun­kener Aperitif aus Cidre und Calvados) und Calvados, der hier beein­dru­ckende 10 Jahre gelagert wird. Wir erweisen uns als gute Kunden und packen alles ein, was uns schmeckt. Also eigent­lich alles…

Gentilhommiere

Regen­pause

Wir parken das MoMo im Hinterhof und nutzen die kurze Regen­pause für eine kleine Runde durch den Ort. Annette übt mit Toffi fleißig, dass es okay sein kann, dass auch andere Hunde da sind und es wird langsam aber sicher etwas besser. Und das unter erschwerten Bedin­gungen: Unsere junge Hunde­dame ist nämlich pünkt­lich zur Abreise das erste Mal läufig…

Kirche Osmoy

Als der Regen wieder einsetzt, verkrie­chen wir uns im MoMo, freuen uns, dass Monsieur Platel auch noch mal kurz nach dem Rechten fragt und versu­chen, keine Depres­sionen beim Blick auf den Wetter­be­richt zu bekommen. Die kommende Woche droht, übel zu werden. 

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Der wilde Westen von Mull

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