Dornrös­chen­stadt
4. September 2020

Es geht wieder los! Auf der Suche nach Corona-armen Gegenden sind wir in Ostdeutschland fündig geworden. Für uns hört sich ein Trip in den Osten mit vergleichs­weise geringen Infek­ti­ons­zahlen und der Möglichkeit des Paddelns auf den vielen Gewässern Branden­burgs oder der mecklen­bur­gi­schen Seenplatte mehr als nur verlo­ckend an. Da wollen wir hin! Und zum Wandern und Radfahren soll es auch mehr als genügend Möglich­keiten geben. Genau unser Ding.

Annettes Cousine, die mit Family in Berlin lebt, hat uns über den Sommer schon mit tollen Bildern aus dem Berliner Umland neugierig auf den Osten gemacht. Und als wir nach Tipps fragen, kriegen wir nicht nur eine reiche Auswahl an Reise­zielen genannt, sondern wir verab­reden uns spontan zum Paddeln im Natio­nalpark Unteres Odertal. Aller­dings schon am Sonntag, sodass wir ordentlich Strecke machen müssen, um bis an die deutsch-polnische Grenze zu kommen.

Auf halber Strecke

Annette hat ausge­kund­schaftet, dass mehr oder weniger auf halber Strecke Magdeburg liegt. Dort waren wir noch nicht und können so mal wieder eine Lücke auf unserer Deutsch­land­karte stopfen. Nach ereig­nis­loser, aber baustel­len­reicher Fahrt kommen wir nachmittags in Magdeburg an.

Ehemalige Grenze

Auf der Elbinsel in der Mitte der Stadt soll es viele Parkmög­lich­keiten geben. Wir entscheiden uns für den Platz Am Winter­hafen, da dort, wo wir ursprünglich hinwollten, eine Kirmes aufgebaut ist. Und wir sind mehr als überrascht, dass es hier quasi im Herzen der Stadt einen großen Park gibt, der aber gar nicht so voll ist, wie man es von einer Landes­haupt­stadt erwarten könnte. Und mitten in diesem Park finden wir dann noch einen schönen, stillen Platz, an dem das Parken erlaubt ist. Was Womofreund­lichkeit angeht, scheint Magdeburg ziemlich weit oben zu stehen!

Stellplatz Am Winterhafen

Kräppelchen

Wir machen uns auf den Fußweg ins Zentrum, das ca. 2 Kilometer entfernt ist. Wir kommen an einem hübschen engli­schen Garten vorbei und landen an der Stadt­halle, die mit ihrem Umfeld noch ein bisschen DDR verströmt. 

Vor der Stadthalle
Stadthalle Magdeburg
Vor der Stadthalle

An der Stern­brücke gibt es ein Büdchen, wo man Kräppelchen essen kann. Wir fragen erst mal nach, was das ist und bestellen uns nach der Auskunft, dass es frisch gebackene Schmalz­ringe sind, eine kleine Probier­portion. Das sieht schon gut aus, wenn die Ringe in der Schmalz­ma­schine ausge­backen werden! Vom Geschmack her sind sie gut, aber keine Offenbarung. 

Kräppelchen
Kräppelchen

Leere Straßen

Als wir die Brücke überquert haben, sind wir etwas ratlos. Am Elbufer entlang oder noch ein bisschen weiter in die Stadt hinein? Wir entscheiden uns gegen das Ufer und heben uns das für den Rückweg auf. 

Sternbrücke
Blick auf Magdeburg

Die Straßen, die wir daraufhin beschreiten, sind durch zwei Dinge gekenn­zeichnet: Sie sind sehr breit und weitest­gehend menschen- und auto-leer. Man sollte nicht meinen, dass man hier an einem Freitag­abend nahe am Zentrum einer Großstadt ist. Uns gefällt die Hegel­straße mit ihren breiten Bürger­steigen, den vielen Bäumen und den Gründer­zeit­häusern aber trotzdem (oder gerade deswegen?) richtig gut.

Hegelstraße

Grüne Zitadelle

Auch im Zentrum Magde­burgs herrscht weitest­gehend tote Hose. Es sind einfach auffallend wenige Leute unterwegs. Es wirkt fast, als sei die Stadt in einem Dornrös­chen­schlaf und müsste mal wachge­küsst werden. Denn das würde sich lohnen! An den Domplatz angrenzend befindet sich die Grüne Zitadelle, eines der letzten Projekte Hundert­wassers, die erst nach seinem Tod fertig­ge­stellt wurde. Wir mögen die knubbe­ligen, bunten Häuser mit so viel Grün ja sehr. Aber auch das Perlmuttblau der daneben liegenden moder­neren Häuser sieht schick aus.

Grüne Zitadelle
Grüne Zitadelle
Landesbank

Auf dem wahrlich großen Domplatz gibt es Wasser­fon­tänen, die in wechselnder Höhe Wasser speien. Zwei Kinder werden nicht müde, immer und immer wieder unter den Wasser­bögen durch­zu­laufen. Ansonsten gilt aber auch hier die Magde­burger Regel „bloß nicht zu viele Menschen auf einen Haufen“. Ob die das mit dem social distancing hier übertreiben?

Dom Magdeburg
Wasserspiele Domplatz
Wasserspiele Domplatz

Hoflie­ferant

Den Dom kann ich leider nicht mehr besich­tigen, da er um 18 Uhr geschlossen wird. Macht aber nix, denn wir haben Hunger! Auf der Suche nach einem Restaurant stoßen wir auf das Hoflie­ferant. Zwischen Dom und Elbe ein bisschen versteckt gelegen. Mit einer lauschigen Garten­ter­rasse. Wir haben Glück, denn wir kriegen so gerade noch einen Tisch – nach uns werden alle weiteren Anfragen abgelehnt. Und es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir dieses Essen verpasst hätten. Freund­licher Service, gut zubereitete Speisen und eine schöne Atmosphäre. Ein hervor­ra­gender Start in unser Ost-Abenteuer!

Essen Hoflieferant

Abend an der Elbe

Wir gehen über die Hubbrücke zurück auf die Elbinsel und wundern uns auch hier wieder: An dem lauschigen Septem­be­r­abend sitzen zwar ein paar Junge Leute in den Nischen der Brücke, aber man hat eher den Eindruck, dass hier ein Studen­ten­treffen ist, als dass sich die laute Stadt­jugend versammelt hat. Musik in Zimmer­laut­stärke und auch „Ey, Alter…“ haben wir nicht gehört.

Hubbrücke
Magdeburg bei Nacht

Im MoMo hören wir zwar gelegent­liches Jauchzen von der Gegend am Riesenrad, aber ansonsten bleibt hier alles friedlich. Ein toller Stadtstellplatz!

2 Kommentare

  1. Hallo ihr zwei,

    was soll ich sagen?
    Geplant hatten wir unsere Anreise an die Ostsee am 20.09.2020. Aber nachdem Ihr uns mit Euren Berichten den Mund so wässrig gemacht habt, werden wir bereits am 17.09. nach der Arbeit losfahren und uns Magdeburg und zwei Tage lang die Gegend anschauen.
    Viele Eurer Hinweise habe ich auch schon in meine für das kommende Jahr geplante Branden­burgrund­fahrt eingebaut. Super und vielen Dank für diesen Bericht (wie auch für die anderen).

    Mit großer Vorfreude auf die folgenden Beiträge,

    Dea und Jupp

    Antworten
    • Das freut mich sehr, Jupp. Wenn ihr auch beim Hoflie­fe­ranten essen wollt, würde ich vorher mal anrufen. Nach uns wurden alle anderen Gäste weggeschickt. 

      Und wenn ihr ganz verrückt seid, lasst ihr das mit der Ostsee bleiben und fahrt in die Uckermark oder ins Barnimer Land, wo wir gerade sind. Wir sind gerade sehr verliebt in diese Gegend.
      Liebe Grüße
      Michael

      Antworten

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