Flech­ten­steine
30. Juli 2020

Wir befinden uns jetzt langsam aber sicher auf dem Heimweg. Von jetzt an geht es nach Süden. Und so wie es aussieht, für die letzte Woche wieder mit deutlich besserem Wetter.

Elli
Happy
Setesdal

In Rysstad fragen wir im Fjell­museum, ob wir wieder Wanderemp­feh­lungen kriegen. Die sind nämlich oft auf einem Abreiß­block erhältlich und enthalten dann einen Karten­über­blick und eine kurze Beschreibung. Beim ausge­legten Infoma­terial finden wir sie nicht, aber auf eine Nachfrage holt sie ein älterer Norweger aus dem Schrank – die werden wohl nicht allzuoft nachge­fragt…

Fjellmuseum Ryssdal

Wir haben die Wahl zwischen einer Wanderung oberhalb von Rysstad oder auf einer Skiloipe im Winter­sport­ge­biete von Brokke. Wir entscheiden uns für Letzteres. Was uns nicht so ganz klar war: Dafür müssen wir fast die ganze Steigung des Sules­kar­vegen wieder hinauf fahren. Und landen gegenüber vom Alpin­senter in einer durchaus üppigen Ansammlung von Ferien­hütten.

Scheckige Steine

Unser erster Anlauf zum Wandern endet nach wenigen Metern. Die auf der Karte einge­zeichnete Brücke existiert nicht mehr so wirklich. Obwohl, man könnte schon noch drüber kommen…

Wanderung Brokke
Wanderung Brokke

Im zweiten Anlauf kommen wir dann aber wirklich zur Loipe. Die weist im Sommer ein paar Beson­der­heiten auf. Zum einen läuft man über Brücken mit absurd hohen Geländern. Erst mit ein bisschen Nachdenken kommen wir drauf: Im Winter ist man dort halt 50 cm höher unterwegs!

Wanderung Brokke
Wanderung Brokke

Zum anderen ist dies der unnor­we­gischste Weg, den wir auf dieser Reise erwandern. Breiter als manche Straße, die wir unterwegs schon mit dem MoMo benutzt haben, kommt irgendwie kein rechtes Norwe­gen­feeling auf.

Wobei wir auch hier wieder etwas Neues entdecken. Es gibt hier ganz eigen­artig gescheckte Steine. Sie haben rötliche Flecken, gelbe Flechten und etwas, das wie kleine schwarze Äderchen aussieht. Inmitten der schrill­grünen Sumpf­gräser und Moose ist das wirklich ein außer­ge­wöhn­liches Farben­spek­takel. Es sieht teilweise so aus, als hätte die Natur den Sätti­gungs­regler in der Farbbe­ar­beitung auf Anschlag gestellt.

Flechtensteine
Flechtensteine
Flechtensteine
Flechtensteine
Flechtensteine
Flechtensteine
Flechtensteine
Wanderung Brokke
Gras
Flechtensteine
Happy Stone — oder stoned?

Aber alles in allem fühlt sich das weniger wie eine Wanderung an, sondern eher wie ein verlän­gerter Spaziergang um die Talsperre zuhause. Wenngleich das umgebende Panorama dann doch etwas beein­dru­ckender ist.

Brokke

Breites Setesdal

Unsere Abfahrt ins Setesdal bringt eine Neuerung mit: Annette schafft es, wie versprochen, nicht im Sitz nach unten zu rutschen und dauernd „Motor­bremse!“ einzu­fordern. Vielleicht sollten wir alle steilen Abfahrten einfach zweimal machen – der Gewöh­nungs­effekt scheint zu wirken.

Auch in Richtung Süden ist die FV9 eine breit ausge­baute Straße, auf der man die Höchst­ge­schwin­digkeit auch mit dem MoMo mal erreichen kann. Fühlt sich alles so an, als würde man durch die kanadische Wildnis fahren.

Byglandsfjord
Byglandsfjord

Am Reiårs­fossen machen wir kurz Station. Auch hier sind es gewaltige Wasser­massen, die den Berg hinun­ter­strömen. Aber im Gegensatz zu gestern ist das zu groß und zu weit weg, als dass man das wirklich fassen und verar­beiten kann.

Reiårsfossen

Tankstellen-Verwirrung

Auf dem Weg zum Südende des Byglandsfjords kommen wir zu einer Tankstelle mit dem erträg­lichen Preis von 1,25 €, wo wir volltanken, um das Thema für Norwegen abhaken zu können. Denn Tanken in Norwegen ist wirklich ein Lotte­rie­spiel. Wir haben Preise im Korridor von 1,05 € bis zu 1,45 € gesehen. Und anders als bei uns kann man nicht wirklich vorher­sagen, an welchem Ort, zu welcher Zeit und in welcher Frequenz sich hier die Preise ändern. Es gibt teure Tankstellen bei Super­märkten und billige Marken­tank­stellen. Man zahlt viel in einer größeren Stadt mit gut frequen­tierten Tankstellen, aber wenig in der Pampa. Oder natürlich auch alles gerne umgekehrt. Alles schon gesehen. Wir haben bis jetzt bei jedem unserer Norwe­gen­be­suche versucht, da eine Gesetz­mä­ßigkeit heraus­zu­finden, sind aber jedesmal gescheitert. Oder hat jemand von euch da irgend­einen nachvoll­zieh­baren Hinweis für uns?

Luxus Camping

Für die kommenden 2 Tage gönnen wir uns einen echten Camping­platz. Der Neset-Camping­platz ist nach überein­stim­mender Meinung hierfür genau das richtige. Ein ausge­spro­chener Wohlfühl­cam­ping­platz soll dieser Platz am südöst­lichen Ende des Byglandfjords sein.

Eine Beson­derheit ist die kleine Landzunge, auf der es halbkreis­förmig verteilte, asphal­tierte Stell­plätze mit Grasfläche daneben gibt. Da wir um 15 Uhr ankommen, haben wir noch ein bisschen Hoffnung, einen davon zu ergattern. Wir drehen also eine langsame Runde mit dem MoMo und halten die Augen offen. Aber alles besetzt oder reser­viert. Mist. Aber bei einem Stell­platz, an dem ich schon vorbei­ge­fahren bin, da ein Zelt daneben steht, ruft Annette „Stop!“ und fragt bei den Zeltbe­wohnern nach. Und sie hat das richtige Näschen: Das Zelt gehört nämlich zum Nachbar­platz und es gibt in der zweiten Reihe auch noch einen Platz für uns. Hurra!

Camping Neset

Wir genießen es sehr, nach den vergan­genen Regen­tagen mal wieder Tisch und Stühle aufzu­bauen. Und als wäre es geplant, kommt auch die Sonne mehr und mehr zum Vorschein, sodass wir nachmittags dann unter einem nahezu vollstän­digen blauen Himmel sitzen. Das heißt: Ich sitze und Annette wirbelt durchs MoMo, um alles auf Vordermann zu bringen.

Eigentlich wollten wir auch noch mit den Booten aufs Wasser. Aber der zwischen­durch recht starke Wind zaubert weiße Schaum­krönchen aufs Wasser. Da verschieben wir das besser mal auf den nächsten Tag!

Camping Neset

Abends machen wir dann erst eine Erkun­dungs­runde über den Camping­platz und sind wirklich überrascht, wie riesig das Gelände ist. Die hier überall herumhop­pelnden Kaninchen sind ja äußerst putzige Rasen­mäher. Aber wenn man mit zwei Hunden unterwegs ist, kann das auch ganz schön anstrengend werden…

Wir lassen uns aber nicht davon abhalten, uns über den klaren Himmel und zur Abwechslung heute mal über einen Mondaufgang zu freuen.

Camping Neset
Camping Neset

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