Fish&Finish
5. Juni 2019

Unser letzter Tag auf der briti­schen Insel ist schnell erzählt. Wir haben den Vormittag genüsslich mit Frühstück und Tagebuch (online und offline) vertrödelt. Den spätestens Check-out auf dem Camping­platz haben wir um 11.57 Uhr locker um 3 Minuten zu früh umschifft.

Coastal route

Für unsere letzte Etappe wählen wir die coastal route. Sah auf der Karte sehr vielver­spre­chend aus, da sie wirklich immer parallel zur Küste verläuft. Aber vom Meer sieht man leider nicht oft etwas. Statt­dessen ist es eine schmale Straße mit Stein­mauern rechts und links — noch einmal was zum konzen­trierten Fahren und weniger zum Cruisen.

Als Zwischenziel haben wir uns Newbiggin by the Sea ausge­sucht. Die Engländer können das ja mit den maleri­schen Ortsnamen. Und einen breiten Strand soll e Sport auch geben. Mehr brauchen wir doch gar nicht!

England in a nutshell

Und auf eine Weise ist das Städtchen dann eine ganz kompakte Version von allem, was man in England so erleben kann. Stressfrei erreichen wir einen großen, kosten­losen Parkplatz am Strand. Dieser ist aber so was von ausdrücklich für Hunde verboten, dass wir gar nicht mal auf den Gedanken kommen, ein letztes Mal mit Elli und Mia ans Mer zu gehen. Und „no fouling“-Hinweise noch und nöcher.

Aus dem Strand­re­staurant dröhnen uns „Walking on sunshine“ und Dire straits entgegen. Lustig, weil das für das Publikum hier sicher immer noch fetzige Junge-Leute-Musik ist. Aber irgendwie auch süß, wenn die Omi mit ihrer Enkelin uns bedeu­tungsvoll darauf anspricht, dass es später ja noch regnen soll.

Zum Mittag soll es ein letztes Mal Fish&Chips geben. Nach unserem Imbiss­de­bakel in Prestonpans sind wir aber etwas vorsichtig geworden. Der Imbiss, den wir finden, scheint brauch­baren Fisch zu servieren, aber die Pommes sehen schon wieder so blass und matschig aus — bitte nicht!

Also gehen wir in das Endeavour, ein hutzelig-kleines seafood-restaurant. Alles wirkt schon reichlich alt und auch die Decke ist so niedrig, dass ich so gerade aufrecht stehen kann. Aber halt auch mit dem gewissen Charme. Und wir kriegen dann ein so was von klassisch engli­sches Fish&Chips mit garden peas serviert, dass es besser gar nicht sein könnte.

Fähre im Schnell­durchgang

Das letzte Stück zum Fährter­minal fährt sich dann viel entspannter und schneller als ich mir das vorge­stellt habe. Gute Verkehrs­führung, keine Staus, wenig Verkehr — so muss das!

Und beim Fährter­minal flutscht dann auch alles wie am Schnürchen. Wir haben sogar den Luxus, dass das MoMo auf dem Hubdeck landet und wir damit original keine 50 Schritte bis zu unserer Hunde­kabine zurück­legen müssen. Besser geht‘s nicht!

Der Rest des Programms ist dann einfach erzählt: Auf in den Navigator’s Pub und Leute gucken. Und sogar Live-Musik gibt es. Ist aber ein ganz hartes Brot für die Band. Kaum jemand klatscht nach den Songs, obwohl es eine wirklich ordent­liche Coverband ist. Erst als eine Gruppe von deutschen Abschluss­fahrt­schü­le­rinnen (aller­dings so brav wie Religions-LK…) die Tanzfläche entert, kommt so etwas wie Stimmung auf.

Am nächsten Morgen erinnern wir uns noch an die White-Walker-Schlange von der Hinfahrt: Wir sind pünktlich! Lohnt sich aber nicht, denn wir haben die Zeitum­stellung nicht berück­sichtigt. Also nicht so, dass wir zu spät oder zu früh sind. Aber während auf der Hinfahrt allen um gefühlten 8 Uhr der Magen knurrte, stehen heute nur die ganz harten zu gefühlten 6 Uhr (jeweils Bordzeit 7 Uhr) auf der Matte. Wieder was gelernt…

Wieder auf dem Kontinent

Ich war gespannt, wie es sich nach 4 Wochen Links­verkehr anfühlt, wieder „normal“ zu fahren. War aber sehr enttäu­schend, denn es ist alles einfach wieder auf Autopilot. Keine Anpas­sungs­schwie­rig­keiten. Und so machen wir uns auf den Heimweg, freuen uns über die „billigen“ Sprit­preise in Deutschland und wissen jetzt schon: Wir kommen eher früher als später wieder. Schottland, wir sind noch nicht fertig mitein­ander!

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