Treib­holz­kunst
11. August 2018

Welch ein schöner Stell­platz. Auch beim zweiten Mal sind wir wieder sehr happy mit diesem Platz in unmit­tel­barer Nähe zum Meer, an dem man auch mal Tisch und Stühle rausholen kann, ohne sich dabei komisch vorzu­kommen. Und so schmieden wir beim Frühstück in aller Ruhe den Plan, einfach mal die Region zu erkunden. Denn die Kullaberg-Halbinsel westlich von Ängelholm, die wir gestern bereits beim Sonnen­un­tergang gesehen haben, hat wohl so einiges zu bieten.

Ein sehr spezi­eller Ort ist die Mikro­nation Ladonien des Künstlers Lars Vilks. Der hat, mitten im Natur­schutz­gebiet, das Kunstwerk Nimis aus Treibholz geschaffen. Abenteu­erlich sind die Bretter mitein­ander vernagelt und stellen somit einen Abenteu­er­spiel­platz Deluxe dar. Aber auch sonst lohnt es sich, den verlinkten Wikipe­dia­eintrag mal zu lesen. Irrer Typ! Und für uns steht fest: Das gucken wir uns mal an.

Wir fahren also durch das sommer­liche Südschweden und fühlen uns auf einmal landschaftlich nach Dänemark versetzt. Alles so schön schnu­ckelig hier!

Da wir schon gelesen haben, dass der Weg unwegsam sein soll, darf Mias ein Mittags­päu­schen einlegen und wir machen uns auf den Weg. Und die erste Assoziation die wir auf dem Waldweg zum Gehöft Himmel­torps­gården haben: Das sieht ja auf einmal aus wie Zuhause! Keine Kiefern, keine Birken, sondern ein Buchenwald mit breiten Wegen. Genau wie im Bergi­schen!

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Am Gehöft selber stehen ein paar Pferde, vielleicht zum Ponyreiten für die Kinder. Auch einen Stand mit Eis und Getränken gibt es.

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Aber alle zieht es weiter, dem gelben N folgend nach Nimis. Da es ständig Streit zwischen dem Künstler und der Verwaltung gibt, ist dieses gelbe N übrigens der einzige Hinweis auf diese Attraktion. Keine Schilder, kein Vermerk auf der Wander­karte.

Aber alle gehen dorthin. Alle! Es ist ein ständiges Kommen und Gehen und unterwegs sind vom kleinen Kind bis zum Rentner am Stock wirklich alle Alters­klassen vertreten.

Und das, obwohl es steil bergab geht. Unter uns sehen wir zur Rechten zweit­weise das Meer und dass das hier eine Steilküste ist, erfahren wir am eigenen Leibe.

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Als wir dann schließlich unten ankommen, ist es wirklich das gleiche Gefühl wie auf einem Abenteu­er­spiel­platz: Das ganze Gebilde ist mit unzäh­ligen Brettern und noch mehr Nägeln zusam­men­ge­kloppt und ist chaotisch schön.

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Das Erstaun­liche: Es ist wirklich stabil! Beim Durch­klettern der eher engen Gänge und Röhren hat man nie das Gefühl, dass es gleich zusam­men­kracht. Und das, obwohl alles danach aussieht!

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Annette guckt zu Beginn etwas sparsam, denn das Gebilde sieht wahrlich nicht danach aus, als sollte man es mit einem Hund erkunden. Zu groß wäre die Gefahr, dass Elli da mit einem Bein abrutscht und sich irgendwo einklemmt oder an einem Nagel verletzt. Denn diese sind mehr als einmal so durchs Holz getrieben, dass am anderen Ende noch die Spitze rausguckt.

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Ständig hört man begeis­tertes Kreischen der Kinder, die sich daran versuchen, die Türme hinauf­zu­kraxeln. Also, von innen. Und so urig das ganze ist: Es scheint nicht wirklich etwas zu passieren, auch wenn so manche Mama da mit zusam­men­ge­pressten Lippen besorgt nach oben schaut.

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Neben Nimis gibt es unten zwischen den Steinen noch das andere Kunstwerk des Künstlers, Arx. Hier ist nicht mit Holz, sondern mit Steinen gearbeitet worden. Wenn man so will, eine gigan­tische Tröpfelburg. Steine, Lehm, wieder Steine. Vielleicht nicht ganz so toll wie Nimis, aber immer noch skurril sehenswert.

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Nachdem wir uns die Steil­küste schweiß­treibend wieder hinauf gearbeitet haben, geht es noch ein Stückchen weiter entlang der Küste. Von dort oben hat man einen tollen Blick auf die Meerenge und kann tatsächlich am Horizont Dänemark sehen.

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Auf unserem Rückweg wird es dann noch ein bisschen abenteu­erlich. Der auf der offizi­ellen Karte angegebene Weg existiert nämlich nicht (mehr). Wir folgen aber trotzdem den schemenhaft zu erken­nenden Wegresten Richtung Süden, um ein Stück des Weges abzukürzen. Und stehen plötzlich vor einem Zaun.

Aber auch der ist morsch und an einer Stelle schon umgefallen, so dass wir drüber klettern können. Dumm nur, dass kurz vor dem „richtigen“ Weg, den wir nach Gekraxel durchs Dickicht sogar schon sehen können, ein zweiter Zaun kommt, den wir dann nicht mehr umgehen können: Alles retour!

Als wir dann dem etwas weiter führenden Weg folgen, gibt es auch eine Lösung für das Zaunproblem. Es gibt nämlich Türen — und eine davon wäre ungefähr 100m von der Stelle gewesen, an der wir gescheitert sind….

Für unser Ladonien-Abenteuer wollen wir uns jetzt belohnen. Auf nach Mölle, dem Ort an der Spitze der Halbinsel! In dem netten kleinen Ort finden wir die Krukmakeri, die Töpferei mit Café-Restaurant.

Was ein netter Fund! Denn nicht nur ist das hier mit dem Apfelbaum-Biergarten und dem urigen Interieur sehr gemütlich, sondern auch das Essen mit der Antipasti-Platte und dem Schoko­kuchen ist wirklich gut. Und als kleines Extra-Special gönnt Annette sich das Rosmarin-Eis — hört sich schräg an, wird aber nach dem Kosten für gut befunden! Ein echter Wohlfühlort. Und falls ihr einmal da seid, fragt nach der Visiten­karte — die ist nämlich getöpfert…

Die ganze Zeit schon hatte sich da was Schwarzes am Himmel zusam­men­ge­braut und als wir zurück zum MoMo gehen, fallen die ersten dicken Tropfen. Zeit, sich einen Stell­platz zum suchen!

Den finden wir dann am Strand von Höganäs. Und können uns ganz tolles Himmelskino aus dem warmen gemüt­lichen MoMo heraus angucken.

Und wundern uns am Ende des Tages, dass der Parkplatz mit Womos richtig gut gefüllt ist — selbst im Stock­dunklen kommen noch welche an, die auch den letzten Platz besetzen…

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