Köstlicher Regentag
12. August 2018

Echt voll hier. Aber bei dem niese­ligen Regen­wetter mit Wind ist der Badestrand auch für die meisten Schweden keine Option, so dass wir niemandem den Parkplatz wegnehmen. Entspre­chend gemütlich starten wir in den Tag. Erst mal gucken, was das Wetter macht. Und das wird gegen Mittag dann sogar eher freundlich. Wir brechen auf.

Heute möchten wir mittags noch mal lecker essen gehen. Denn eines müssen wir sagen: Ja, es ist etwas teurer als in Deutschland. Mit alkoho­li­schen Getränken sogar sehr viel teurer. Aber von der Qualität der Speisen sind wir absolut begeistert. Alles frisch, gut zubereitet und wohlschme­ckend. Hier kann man wirklich problemlos gut essen. Oder wir haben bisher eine außer­or­dentlich hohe Treffer­quote.

Heute fahren wir in den Hafen von Höganäs, da dort das Hafen­re­staurant Bryggan gut sein soll. Da es aber erst um 12 Uhr öffnet, bummeln wir noch etwas durch den Hafen und entdecken eine gute Idee, hässliche Beton­ha­fen­mauern schöner zu machen: selbst gestaltete Kacheln, offen­sichtlich von Kindern und Jugend­lichen gestaltet und im Laufe der Jahre immer weiter angewachsen. Die ältesten sind von 1992 und sehen dafür noch erstaunlich frisch aus.

Inter­essant, zu sehen, welche Motive absolute Evergröls sind: Pferde, Sonne, Jesus gehen immer. Aber auch Sex, Drugs und Rock’n’Roll oder ein beherztes „Fuck cancer“ lassen sich finden. Ist irgendwie eine schöne Variante der allge­gen­wär­tigen Liebes­schlösser an jeglichem Brücken­ge­länder in einer Großstadt.

Im Bryggan sind wir die einzigen Gäste und es werden im Verlauf unseres Aufent­haltes auch nicht viel mehr. Woran das liegt ist uns etwas schlei­erhaft. Denn auch an unserem letzten Tag in Schweden kriegen wir noch mal richtig gutes Essen vom freund­lichen Service serviert.

Prakti­scher­weise gibt es von meinen Lieblings­ge­richten Fisch­suppe und Muscheln jeweils eine halbe Portion im Angebot. Und zwei Halbe machen ja ein Ganzes. Bestellt!

Wobei: Diese halben Portionen würden in den meisten anderen Restau­rants auch als große Portion durch­gehen. Zumindest würde niemand ernsthaft sagen „Das ist aber wenig!“

Für mich ist es ein Fest, denn beide Mahlzeiten sind Volltreffer — und auch Annettes Gericht hält, was versprochen wurde: „reichlich Krabben“. Die sind nämlich so reichlich, dass das Brot darunter komplett verschwunden ist. Und so frisch, dass man sich vor Genuss reinlegen möchte, sind sie auch noch. Fein, fein, fein!

Aber dank der üppigen Portion Mayon­naise auch so magen­füllend, dass Annette sich erst mal ein Schnäpschen geneh­migen muss. Prost!

Und auch unser nächstes Ziel hat mit Essen zu tun. Denn um die Ecke gibt es noch das Maison Francaise. Von einer Schwedin und einem Franzosen betrieben soll es dort echt franzö­sische Küche und, für Annette ein Muss, Tarte Citron geben. Und die wollen wir uns für das spätere Kaffee­trinken als Goodie kaufen.

Wir steuern das Restaurant an und stellen zu unserer Freude fest, dass das Haus wohl gut besucht ist — scheint also was Gutes zu sein. Nur leider ist es so gut besucht, dass aller Süßkram für Restau­rant­gäste reser­viert ist und nichts einfach so außer Haus verkauft wird. Anders, als es online angekündigt wurde. Und so ziehen wir, mit dem verlo­ckenden Küchlein schon vor Augen, mit leeren Händen davon.

Der restliche Tag ist dann relativ schnell abgehandelt: Fahren, einkaufen von schwe­di­schen Grund­nah­rungs­mitteln für Zuhause, fahren, Regen­schauer, entsorgen, Stell­platz in Malmö mit Sicht auf die Brücke erkunden, für unattraktiv befinden, fahren, noch mehr Regen, Stell­platz auf der Falsterbo-Halbinsel erkunden, für noch unattrak­tiver halten, weiter­fahren.

Wir beschließen, den Tag einfach auf dem uns schon bekannten Stell­platz in Kämpinge zu beschließen. Kennen wir, ist ordentlich und wenn es abends doch noch mal etwas trockener wird, könnten wir sogar an den Strand.

Ich finde sogar die Ecke wieder, wo wir beim letzten Mal gestanden haben und bin erstaunt, dass lediglich ein anderes Womo mit uns auf diesem Riesen­platz steht. Das war doch letzte Nacht deutlich anders!

Nachdem Annette den Kaffee gekocht hat, pilgere ich mal zum flamm­neuen Parkau­to­maten, um noch für die Zeit bis 20 Uhr (Afgivt 8–20) zu bezahlen. Und mich trifft echt der Schlag: Es gibt den freund­lichen Hinweis, dass man doch bitte mit der Park-App bezahlen solle und dass Womos für diesen Platz 250 Kronen/Tag bezahlen sollen. 25€ für einen Platz ohne alles? Wer hat sich das denn überlegt…?

Also fahren wir auch hier weiter. Reichlich genervt finden wir auf dem Weg nach Trelleborg dann einen Stell­platz direkt an der „Haupt“straße, der „nur“ 100 Kronen kosten soll. Naja, bevor wir heute noch länger durch den Regen kurven: Nehmen wir. Immerhin direkt am Meer. Gut genug für einen letzten Abend in Schweden, das uns den Abschied diesmal sehr leicht macht.

2 Kommentare

  1. Vielen Dank fürs “mitreisen” beim mitlesen. Eure Reise­be­richte sind toll gemacht und unter­haltsam. ich habe darin wieder viele Anregungen für die Reise­planung im nächsten Jahr gefunden.
    P.S.:Das mit Kämpinge ist schade, Es spricht ja nichts gegen einen kleinen Obulus, aber der Preis ist absolut überzogen.
    Viele Grüße Moni

    Antworten
    • Danke für das Lob. Schön, dass Du Anregungen gefunden hast — so soll es sein!
      Ja, fanden wir auch schade. Und 100SEK hätten wir auch noch bezahlt.

      Antworten

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