Sommer­sturm
10. August 2018

Irre! Nachdem wir gestern einen Sommertag aus dem Bilderbuch hatten, sieht es heute ganz anders aus. Die Nacht über hat es geschüttet und in den Morgen­stunden setzte dann der Sturm ein. Ja, Sturm, nicht nur ein heftiger Wind!

Auf dem Wasser tanzen die Schaum­krönchen und kleinere Dinge (unter anderem ein Boje!) fliegen durch die Luft. Das Kuriose dabei: Es ist gar nicht so kalt, wie man es bei dieser Windstärke erwarten würde. Und sonnig ist es größten­teils auch noch. Sommer­sturm!

Der Oberkracher ist aber, der Fähre beim Anlegen zuzugucken. Sie kommt in einem ganz anderen Bogen als sonst angefahren, fährt vermeintlich viel zu schnell und viel zu weit, nur um dann doch genau an der richtigen Stelle zu Drehen und sich Meter um Meter zum Anleger vorzu­kämpfen. Großes Können! Und die einhei­mi­schen Schweden meinten, dass sei noch gar nicht mal so ein heftiger Sturm. Die Fähre würde noch bei ganz anderen Wetter­wid­rig­keiten verkehren. Crazy!

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Wir beschließen, erst mal vor Ort zu bleiben und nicht bei diesen Verhält­nissen auch noch mit dem MoMo durch die Schären zu schippern. Aber unseren Stell­platz verlegen wir dann doch in eine windge­schütztere Ecke, nachdem wir eine Böe in voller Breit­seite abbekommen haben. Wie das wackelt!

Gegen Mittag beruhigt sich das Ganze dann etwas und wir beschließen, die nächste Fähre um 12 Uhr zu nehmen. Denn den Fahrplan kennen wir mittler­weile ganz gut — immer grob zur vollen Stunde ist die Fähre da. Also reihen wir uns schon mal in die Schlange ein. Wir sind die Ersten und Einzigen…

Als um 12 Uhr aber weit und breit keine Fähre in Sicht ist, gucke ich mal am Fahrplan­aushang nach. Hm, da ist wohl Mittags­pause. Die nächste kommt in einer Stunde…

Umso überraschter sind wir dann, als eine Fähre nach einer halben Stunde auftaucht. Fahrplan falsch verstanden? Aber nein, als ich schon fast aufge­fahren bin, ruft der Kapitän hinüber „Rörö?“ Und ich verstehe: Das ist die Fähre die nach Rörö fährt und gleich auf dem Rückweg wieder hier vorbei­kommt. Also doch noch eine halbe Stunde warten.

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Als die „Ulrika“ endlich ankommt, verlässt ein LKW die Fähre und die Fahrerin gibt mir zu verstehen, dass ich nicht auffahren könne, weil ein Notfall­kran­ken­transport statt­finde. Argh! Aber plötzlich öffnet sich doch die Schranke und der Kapitän winkt uns 3 Autos doch noch an Bord. Glück gehabt!

Die Überfahrt im geschützten Schären­gürtel ist dann eher pittoresk und gar nicht so schlimm wie befürchtet.

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Zumindest so lange, bis wir aus dem Windschatten von Hyppeln heraus­fahren und in ein Wellental fallen. Platsch! Eine volle Breit­seite für das MoMo. Und eine kleine für Annette und Elli, denn das Fenster war noch einen Spalt breit offen…

Auf Hälso erledigen wir die Entsorgung von Grauwasser und Toilette und kriegen eine kleine Horror­story von anderen Wohnmo­bi­listen erzählt. Sie hätten auf dem Platz gestanden und sich nett unter­halten, als auf einmal das komplette Dach der Holzhütte nebenan vom Sturm mitge­nommen wurde.

Angeblich einen Meter neben dem sichtlich geschockten Kollegen sei dies passiert. Das wäre nicht gut ausge­gangen, wenn er im Weg gestanden hätte!

Ich hatte ja noch ein bisschen damit gelieb­äugelt, eventuell auf Hälso zu bleiben, aber wir wollen unser Glück jetzt auch nicht überstra­pa­zieren. Also geht es weiter: Fähre zurück zum Festland.

Nachdem wir den für mich nach 4 Wochen ungewohnten starken Verkehr rund um Göteborg hinter uns gelassen haben, können wir das übliche Schweden-Autobahn-Procedere beginnen: Tempomat einstellen, laufen lassen. Es wird immer freund­licher, aber auch hier gibt es immer mal wieder heftige Böen, die uns durch­schütteln. Gut, dass nichts passiert!

Unser Ziel für heute ist Ängelholm. Der Ort, an dem wir unsere erste Schwe­den­über­nachtung in diesem Jahr hatten. Diesmal wollen wir aber nicht an den Strand, sondern ein bisschen Stadt­leben schnuppern. Und was wir dort sehen, gefällt uns.

Entspannter Verkehr, nettes Stadtbild. Eine gute Mischung aus angenehm modern und trotzdem viel Natur. Hier kann man es aushalten!

In der Storgatan haben wir das Torstens entdeckt. Und anscheinend haben wir unseren Besuch perfekt getimet, denn kurz nachdem wir sitzen, sind alle Tische belegt und als wir später gehen, gibt es sogar eine Schlange von Leuten, die auf Tische warten. Der Laden läuft!

Und wie wir finden, zurecht. Denn es ist alles lecker, was wir probieren. Haupt­speise wie Nachspeise.

Und ich stelle fest, dass mir der kuriose Ablauf eines schwe­di­schen Restau­rant­be­suchs irgendwie gefällt. Das Ganze geht nämlich so: Man sucht sich auf einer Speise­karte etwas zu essen und zu trinken aus. So weit, so normal. Dann wird’s aber speziell. Man geht nämlich zum Tresen, wo die Kasse steht und gibt seine Bestellung auf. Gerne auch schon mit sofor­tiger Bezahlung. Man bekommt dann Besteck und Getränke ausge­händigt und bringt das selber zum Tisch. Die Speisen werden dann aber serviert, schmut­ziges Geschirr wird abgeräumt. Und wenn man fertig ist, ist man fertig. Kein „wie viel ist das jetzt wohl zusammen?“, kein „welches Trinkgeld will/muss ich geben“. Wie gesagt: Komisch, aber irgendwie total entspannt.

Wir bummeln nachher noch etwas durch die Stadt und stellen fest, dass es eine Art Street-Food-Festival auf dem Markt­platz gibt. Auch einen deutschen Stand gibt es und was ist neben der unver­meid­lichen Bratwurst noch als typisch deutsch im Angebot: Curry­wurst und Nacken­steak. Nicht sehr originell…

Da der citynahe Stell­platz schon voll war, als wir kamen, hatten wir erst mal daneben am Straßenrand geparkt. Nicht schlecht, aber auch nicht toll. Wir wollen aber toll! Also fahren wir noch mal 5km und landen wieder da, wo alles vor 4 Wochen begonnen hat: In Sibirien!

Und da wir uns gut auskennen und der Platz deutlich weniger besucht ist als noch vor 4 Wochen, haben wir schnell einen Platz gefunden und sind schnellstens auf dem Weg zum Meer. Die Sonne wartet nicht!

Und heute gibt es dann auch den klassi­schen Sonnen­un­tergang, der im Meer versinkt. Mit Möwe. Uns gefällts!

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