Über den Polarkreis

24. Juli 2021

Aufgrund des gestrigen Super­son­nen­un­ter­gangs sind wir spät ins Bett gekommen. Trotzdem sind wir heute eher wieder früh wach. Die Sonne scheint prächtig und es ist hier weiterhin absolut friedvoll. 

Kajak ohne Drohne

Heute Morgen möchte Annette mal in den halbwegs gut aufge­pumpten Scubi steigen und aufs Wasser hinaus. Ich vertreibe mir die Zeit mit Fotogra­fieren, erinnere mich an die Drohne, die man in den letzten Tagen bei dem starken Wind nicht wirklich fliegen lassen konnte und bereite alles vor. Nur, um dann die Warnung zu bekommen, dass hier eine Flugver­bots­zone sei. Also alles wieder zusammenpacken. 

Siknäs
Siknäs
Siknäs

Wir genießen jede Minute hier, wissen aber auch, dass wir nicht ewig bleiben können, denn wir haben in den kommenden Tagen so einiges vor: Der Wetter­be­richt hat nämlich für die kommende Woche richtig gutes Wetter auf den Lofoten angekün­digt, nachdem es dort in den vergan­genen Wochen wohl meistens trüb-regne­risch gewesen war. Gefühlt sind wir hier ja fast schon in der Nähe und könnten „mal eben“ rüberfahren.

Das „mal eben“ sind dann aber doch gute 500 Kilometer. Und es bedeutet, dass wir die nordschwe­di­schen Natio­nal­parks schweren Herzens erst mal auf Eis legen. Unsere Theorie: Es ist in Norwegen schwerer, gutes Wetter vorzu­finden als in Schweden, weil der Regen sich meistens an den norwe­gi­schen Bergketten schon ordent­lich abregnet. Also ab nach Norwegen, solange es dort schön ist. Und vor allem: Wenn der Wetter­be­richt auch stimmt…

Polcir­keln

Wir biegen bald auf die E10 ab, die für heute unser treuer Begleiter sein wird. Wir haben ausge­spro­chen edles Reise­wetter: heiter bis wolkig, angenehme Tempe­ra­turen und die Landschaft sieht bei diesem Wetter prächtig aus. Ich hatte mich ein wenig gegen diesen Teil der Reise angesehen, da er oft als langweilig beschrieben wird. Das kann ich mir bei düsterem Wetter auch durchaus vorstellen. Denn Städte oder grandiose Landschaften gibt es hier nicht so sehr zu bestaunen. Es ist mehr das gradu­elle Karger­werden der Landschaft, so wie es mir für Lappland auch vorge­stellt habe. 

Auf der E10 am Polarkreis

Auf einmal fällt mir siedend heiß ein, dass wir doch auf diesem Teilstück den Polar­kreis überqueren werden. Haben wir den jetzt echt verpasst und sind einfach darüber hinweg­ge­rauscht? Auch Annette ist sich nicht sicher. Das wäre ja ein Ding! Aber der Polar­kreis wird doch zumin­dest durch ein Schild angezeigt, oder? Das können wir doch nicht wirklich verpasst haben?

Haben wir auch nicht. Hinter dem Örtchen Lansån taucht es dann endlich auf: das große Schild für den Polcir­keln. Wir fahren ab und sind etwas überrascht, dass hier aber so was von absolut toter Hose ist. Keine Touristen, die Selfies machen, einfach niemand da. Na ja, dann müssen eben wir den Job machen. 

Polarkreis

Wir können uns sogar den Luxus leisten, das MoMo schräg neben dem Schild zu platzieren – es ist schlicht keiner da, den das stören würde. Denn auch das Värds­huset Polcir­keln sieht eher aus wie eine Kulisse aus einem Hitch­cock-Thriller: tot und verlassen.

Wir machen unser Gruppen­foto mit Hunden und finden, dass das mit Aufkle­bern übersäte Schild noch einen weiteren vertragen kann. Ich drucke es also mit dem Selphy auf einen Sticker und „papp“, sind wir auch dort zu finden. Falls ihr dort mal vorbei­fahrt: viel Spaß beim Suchen. Und schickt uns mal ein „Beweis­foto“ – wir würden uns freuen!

Polcirkeln
Wir kleben jetzt auch am Polarkreis!

Karger Norden

An einer Raststätte kurz hinter dem wirklich ansonsten nicht einla­denden Polcir­keln machen wir dann unsere Fika. Wir sind überrascht, wie großzügig und schön das hier angelegt ist. 

Auf der E10 am Polarkreis
Annette bei der Fika

Und sogar eine mehr als saubere Latrin­töm­ming ist hier möglich – Hut ab vor den schwe­di­schen Rastplatz­pla­nern. Das einzige, was hier im Norden immer mehr Mangel­ware ist, ist eine Grauwas­ser­ent­sor­gung. Hierfür finden wir keine Möglich­keit, sodass wir später kurz vor Kiruna einen nicht so hübschen und vor allem E10-nahen und daher „lauten“ Camping­platz anlaufen müssen und zähne­knir­schend eine Service-Gebühr bezahlen. Aber es gibt Schlimmeres…

Latrin
Auf der E10 am Polarkreis

Das Fahren auf der E10 stellt sich ansonsten als ziemlich stress­frei heraus. Das aufre­gendste sind da schon die gelegent­lich auftau­chenden einzelnen Rentiere, die aber immer brav am Straßen­rand entlang traben. Wäre trotzdem dumm, wenn eines von ihnen Selbst­mord­ab­sichten hätte und vor dem MoMo die Straßen­seite wechselt.

Auf der E10 am Polarkreis
Auf der E10 am Polarkreis

Schweden kann auch hässlich

Zirka 50 Kilometer vor Kiruna wird alles, was wir sehen, irgendwie zweck­mä­ßiger. Die Straße wieder breiter, teilweise autobahn­ähn­lich. Links und rechts der Straße stehen wieder häufiger Gebäude, viele davon aber eher zweck­mäßig als lieblich. 

Als wir uns Kiruna dann nähern, sieht man schon von Weitem die Wunden des Bergbaus, die hier in die Landschaft gerissen wurden. Wir hatten kurz überlegt, ob wir auf den Hausberg von Kiruna hinauf­fahren, da Annette so etwas wie unser famoses Molde-Panorama vorschwebte. Aber der Appetit auf eine Aussicht auf diese Stadt schwindet dann ausge­spro­chen schnell. 

Spätes­tens als wir am Kreis­ver­kehr die ersten Gebäude der Stadt sehen sind wir sicher: eine gute Entscheidung.

Auf der E10 am Polarkreis

Schnur­ge­rade

Statt­dessen biegen wir vor Kiruna in das Tal Richtung Nikkaluokta ab. Auf größten­teils schnur­ge­rade Piste haben wir immer den Kebne­kaise, den höchsten Berg Schwe­dens im Blick. Und kurz hinter Puoltsa finden wir dann an einem Rastplatz ein ruhiges Nachtquartier. 

Puoltsa
Puoltsa

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Der wilde Westen von Mull

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