Wandern im Urwald

19. Juli 2015

Heute morgen erwägen wir doch tatsächlich, die Heizung anzustellen, weil die Temperaturen sich doch eher um die 14 Grad bewegen und es auch im MoMo entsprechend abgekühlt ist. Aber nach dem ersten bisschen Bewegung und einem köstlichen Blaubeerpfannkuchen wird uns dann doch so warm, dass die Heizung aus bleibt. Aber gemütlicher Sommer ist was anderes!

Heute müssen wir dann doch mal dringend unsere stark geschrumpften Vorräte auffüllen. Der Kühlschrank ist erschreckend leer, ebenso ist der Biervorrat seit gestern erschöpft. Und auch Strom, Wasser und Toilette schreien nach einem Campingplatz für die kommende Nacht. Und Diesel muss auch dringend getankt werden. Aber erst mal wird geshoppt. Das ist in Schweden auch an einem Sonntag, so wie heute, kein Problem. Supermärkte haben 7 Tage die Woche auf. Dummerweise nur nicht der Systembolaget direkt neben dem Supermarkt in Ed am Stora Le, so dass es mit “hochprozentigem” Bier heute nix wird. Mit allem anderen sind wir aber erfolgreich und fahren frohgemut weiter in Richtung Norden. Nach ein paar Kilometern fragt Annette “Wollten wir nicht noch tanken…?” Argh. In Schweden ist zeitiges Tanken nämlich durchaus nicht unwichtig, denn ein kurzer Check ergibt, dass es in unserem heutigen Tagesziel Nössemark genau Null Tankstellen gibt. Also gebe ich die nächstgelegene Tankstelle ein, wir wenden und fahren zurück nach Ed. Nur um an der Tankstelle eine Höhenbegrenzung auf 3,10m vorzufinden. Und auch wenn das ganze von Weitem optisch deutlich höher als 3,10m aussieht, ist mir das mit unserem 3,15m hohen MoMo dann doch zu gewagt. Also zur nächsten Tanke, die jedoch ein bloßer Tankautomat ist. Egal, können wir jetzt ja. Aber dieser hat die unselige 500-Kronen-Sperre, so dass ich für einmal Volltanken zweimal das ganze Prozedere mit Kreditkarte und PIN durchführen darf. Bekloppt.

Wir steuern endlich unser Ziel an: Den Tresticklan-Nationalpark westlich vom Stora Le. Auf dem Weg fängt es aus dem bedeckten Himmel sogar an, sich einzuregnen. Nicht schön für unsere geplante Rundwanderung. Aber nachdem sich am Parkplatz noch mal eine Wolke abgeregnet hat, bleibt es für den Rest des Tages trocken. Glück für uns!

Der eigentliche Nationalpark wird nur über einen 1,5km langen, wenig spektakulären Zuweg erreicht. Immerhin ist er, wie schon unser Weg gestern, perfekt ausgeschildert. Und, anders als gestern, sind alle Holzstege in perfektem Zustand. Und, auch anders als gestern, wissen wir jetzt, dass die fröhlich orange-rot leuchtenden Beeren am Wegesrand tatsächlich Moltebeeren sind. Leider sind nur die wenigsten von ihnen schon reif. Lekker!

Der Weg führt uns bei bedecktem Himmel zunächst größtenteils am See entlang und wir verfolgen von einem Felsenplateau mit toller Aussicht die unterschiedlichen Lichtstimmungen, die Sonne und Wolken auf die Landschaft werfen.

Auch auf dem restlichen Weg genießen wir den “Urwald” mit seinen Moosen, den Flechten und den sich ständig abwechselnden Birken und Föhren. Den Abstecher zum höchsten Punkt des Parks verkneifen wir uns mal ganz gepflegt, weil uns der Wanderführer schon vorwarnt und auch auf das Schild ein enttäuschter Wanderer handschriftlich “no viewpoint!” geschrieben hat.

Kurz vor dem Ende passiert Annette dann noch mal das Malheur, dass sie (ausgerechnet mit dem schon geplagten Fuß) umknickt. Es ist diesmal aber nicht ganz so gravierend und wir haben auch den Stützverband dabei, der sofort angelegt wird. Aber schön ist anders! Überhaupt ist der Weg zwar nicht wirklich schwierig, aber durch die ständigen Steigungen und Abstiege mit kleinen Felsstücken und unzähligen Wurzeln ganz schön anstrengend, weil man einfach ständig gucken muss, wo man hintritt. Als wir das MoMo erreichen, sind wir auf jeden Fall froh, dass man sich erst mal gemütlich hinsetzen kann.

Wir beschließen, sofort weiterzufahren, um unseren Nachmittagskaffee dann relaxed auf dem Campingplatz in Nössemark zu genießen. Und tatsächlich ist es auch ein sehr familiärer Platz, auf dem wir uns einen Platz aussuchen dürfen. So viele sind dann aber gar nicht übrig (wenn man nicht mitten auf dem Fußballplatz(!) stehen will. Also nehmen wir das nächstkleinere Übel: Den Platz direkt am Kinderspielplatz.

Wir bauen routiniert Tisch und Stühle auf und freuen uns auf die verdiente Erfrischung. Aber es wird von Minute zu Minute kühler und zu allem Überfluss fängt noch jemand vom Campinplatz an, mit einem Kantenschneider(!) eine Rasenfläche zu bearbeiten. Das ganze hört sich so an, als würde ein halbe Stunde lang jemand mit einem Motorrad neben uns stehen und beständig mal eben Gas geben. Entnervend!

Von Kälte und Lärm werden wir also wieder ins MoMo getrieben. Aber immerhin können wir uns mit leckerem Krabbenreis und einem Gläschen Rotwein die gute Laune zurückholen. Mjam!

Und auch wenn die Rückreise noch reichlich weit weg ist, schmieden wir Pläne für die verbleibenden 10 Tage. Der Wetterbericht für Mittelschweden ist ab Dienstag nicht sonderlich prall, so dass wir überlegen, am ohnehin wettermäßig verlorenen Dienstag mal ein paar Kilometer zu machen und einen Gewaltmarsch an die Ostküste vorzunehmen, um von dort aus dann langsam wieder in Richtung Süden nach Trelleborg zu reisen. Und wenn wir unterwegs einen tollen Punkt für ein paar Tage Aufenthalt finden: Um so besser!

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