Grün und Blau

9. Juli 2021

Wir merken, dass wir uns nordwärts bewegt haben. Schon früh ist die Sonne aufge­gangen. Mich treibt es um 6 Uhr aus dem Bett. Der See sieht einfach zu einla­dend aus. Also ziehe ich mir warme Sachen an und gehe, vielleicht nicht so ganz wach, zum Kajak, um ein frühmor­gend­li­ches Ründchen zu paddeln.

Långsvattnet

Es kommt dann, wie es kommen muss. Da ich zunächst noch zu nah am Ufer bin und der Kajak auf dem Boden festhängt, bewege ich den Scubi mit dem Fuß, der bereits im Boot ist, in Richtung See. Und als ich dann schleu­nigst den zweiten Fuß ins Boot hole und mich hinzu­setzen versuche, wackelt es. Zunächst leicht, dann immer stärker, bis ich schließ­lich eine formvoll­endete Eskimo­rolle mache. Zumin­dest so ähnlich. 

So viel zum roman­ti­schen Start in den Tag… Statt­dessen darf ich jetzt erst mal all die nassen Klamotten ausziehen und stelle fest, dass eine Kuschel­fell­jacke im Normal­zu­stand zwar schön wärmt, sich aber auch ganz prächtig mit Wasser vollsaugen kann…

Wäsche auf der Leine

Gut, dass der Wetter­be­richt, der uns einen bewölkten Tag angekün­digt hatte, ziemlich daneben liegt. Es wird nämlich ein wunder­barer Schwe­den­som­mertag mit perfekten T‑Shirt-Tempe­ra­turen und dem genau richtigen Maß an Wolken, damit das auch so bleibt.

Hunde an Bord

Nach dem Frühstück kann Annette mir beweisen, dass sie das mit dem Kajak­fahren besser kann. Und um die Demüti­gung dann noch komplett zu machen, nimmt sie nicht nur einen, sondern gleich beide Hunde mit an Bord. 

Elli und Toffi in Schwimmwesten
Wenn Bilder mehr sagen als Worte

Was die Hunde davon halten, kann man so genau nicht sagen. Ich würde aber sagen, dass Ellis Blick Bände spricht. Und auch Toffi, die das erste Mal eine Schwimm­weste verpasst bekommt, ist nur so mittel­be­geis­tert, macht aber brav alles mit, was die Menschen von ihr wollen.

Und siehe da: Bei Annette klappt das vorbild­lich. Und als wir die Hunde auch noch besser verteilt haben, kann sie sogar ihre Beine ausstre­cken, ohne einen Hund über Bord zu kicken.

Annette paddelt mit beiden Hunden
Annette paddelt mit beiden Hunden

Långvattnet aus der Luft

Ich übe mich weiter darin, mit der Drohne zu fliegen. Was ja immer ein wenig nervt, ist das Bienen­schwarm­ge­räusch, das mit dem Fliegen einher­geht. Aber ab einer gewissen Flughöhe ist das nur noch ein Hinter­grund­rau­schen und stört hoffent­lich auch nicht die anderen, welche die Ruhe hier am See suchen. 

Drohnenpilot

Und was soll ich sagen: Es macht einfach Spaß, das Ding mal auf 100 Meter Flughöhe steigen zu lassen und einen Eindruck davon zu bekommen, wie blau und grün hier die Landschaft ist. 

Grün und Blau
Långsvattnet

Und es ist auch ein cooles Ding, seinen Stell­platz aus der Luft zu betrachten.

Stellplatz am Långsvattnet

Långvattnet vom Wasser

Natür­lich lasse ich es mir nicht nehmen, die Schmach vom Morgen vergessen zu machen, noch mal ohne Slapstick in den Kajak zu steigen und endlich auf den See hinaus­zu­fahren. Es fühlt sich sehr beruhi­gend an, dass es diesmal problemlos klappt und ich auch mal in einen Kajak einsteige, ohne wie ein nasser Wäsche­sack auszusehen.

Und nach dem Kaffee­trinken geht auch Annette noch mal auf Erkun­dungs­tour zu Wasser. Es ist einfach zu schön hier!

Långsvattnet

Wenn’s am schönsten ist…

Der Wetter­be­richt sagt für den Abend und morgen leider so gar nichts Gutes voraus. Eigent­lich nur Dauer­regen. Wir beschließen daher, unseren Traum­platz in bester Erinne­rung zu behalten und fahren am späten Nachmittag weiter, um noch ein paar Kilometer nordwärts Richtung Siljansee zu kommen.

Schmetterling
Dieser Schmet­ter­ling wollte gar nicht wieder weg. Er kam immer zurückgeflogen.
Idylle am Långsvattnet

Zivili­sa­ti­ons­schock

Wir haben Leksand als Etappen­ziel ausge­guckt, weil wir hier in der Region am Siljansee bei dem morgigen Dauer­regen einen kleinen Shoppingtag einlegen wollen, bevor es wieder in die Wildnis geht. 

Wir sind nach der Einsam­keit rund um Malingsbo fast schon überrascht, dass der Verkehr ab Borlänge ordent­lich zunimmt. Hier ist ja wieder richtig Zivili­sa­tion! Mit fast schon als groß zu bezeich­nenden Städten! 

Ein weiteres Problem tut sich auf, als wir den auf dem Papier so verlo­ckenden kosten­losen Stell­platz von Leksand aufsu­chen, um zu ver- und entsorgen. Denn der eigent­lich sehr liebe­voll gestal­tete Platz liegt ohne Schall­schutz an der recht ordent­lich befah­renen R70. Und da möchten wir uns nicht ausmalen, was an einem Freitag­abend hier los sein könnte, nachdem bereits ein Pkw mit pumpenden Bässen an uns vorbei­ge­fahren kommt. Was tun?

Wir beschließen, unser Glück am Hafen von Leksand zu versu­chen. Das kleine Örtchen hat sich nett für diesen lauschigen Sommer­abend heraus­ge­putzt und am Hafen herrscht in der Marina reges Treiben. Auch hier ein für uns immer noch ungewohnter Anblick: Hochbe­trieb in der Gastro­nomie ohne weitere Schutz­maß­nahmen. Und gleich­zeitig sehnen wir uns jetzt schon, nach nur einer Nacht in der Wildnis, nach unserem Platz am See. Wie soll das denn bitte­schön erst nach ein paar Wochen ohne Menschen­massen aussehen?

Stellplatz Leksand
Dampfschiff am Siljansee

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Der wilde Westen von Mull

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2 Kommentare

  1. Danke das wir mit fahren dürfen
    Super 👍 beschrieben
    Danke auch für die Bilder
    Wir werden im September über Schweden 🇸🇪 nach Norwegen 🇳🇴
    fahren….
    Werden eure Tour teilweise fahren
    Herzli­chen Dank
    weiterhin einen tollen Urlaub und bleibt gesund
    Gute Fahrt

    Antworten
    • Klingt komisch, aber da bin ich fast ein bisschen neidisch. Eine Herbst­tour nach Skandi­na­vien steht auch auf unserer Liste. Diese Farben!

      Antworten

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