Hopsende Bretter
17. Juli 2018

Welch ein schöner Stell­platz für eine erste Nacht in Schwe­den. Entspannte Leute, ruhige Atmosphäre, Ankom­men. Genau so, wie wir es lieben.

Bereits früh am Morgen ist es T‑Shirt-warm und wir können sofort mit einem Draußen-Frühstück begin­nen.

Lange aufhal­ten wollen wir uns aber trotz­dem nicht, da diesmal der Norden ruft: Wir wollen Strecke machen und am Ende des Tages an unserem Lieblings­cam­ping­platz in Grinsby sein.

Trotz­dem brauchen wir ganz gemüt­lich bis 10 Uhr bis wir dann Richtung Göteborg weiter­fah­ren.

Abgese­hen von einem mal wieder aus unerklär­li­chen Gründen aufplop­pen­den Alkoven-Heki und dem obliga­to­ri­schen Stau in Göteborg ist die Strecke unspek­ta­ku­lär, auch wenn es nördlich von Kungs­ba­cka dann immer mehr nach dem klassi­schen Schwe­den und weniger nach der Kornkam­mer Skane aussieht.

Unser Zwischen­ziel ist Troll­hät­tan, da Annette gestern bei der Routen­pla­nung die lecke­ren Zimtschne­cken einge­fal­len sind, die es im Strand­ga­tan, direkt am Kanal, gibt.

Der Parkplatz am Folkets Park in der Nähe der Hebebrü­cke, an den wir uns noch vom letzten Besuch erinnern, ist kosten­pflich­tig, kann aber mit einer wirklich genial einfa­chen Park-App bezahlt werden. Und dadurch stellt sich heraus: Die ersten 4 Stunden sind ohnehin kosten­los! Naja, in der nächs­ten Großstadt sind wir dann gewapp­net. Ach so: Es kommt ja gar keine Großstadt mehr auf der weite­ren Reise…

In Troll­hät­tan ist es warm. Also: Mittel­meer­warm. Nicht skandi­na­visch warm. Also heiß. Lockere 31° zeigt das Thermo­me­ter und entspre­chend geraten wir auf dem übersicht­li­chen Weg trotz­dem ins Schwit­zen.

Aber das Strand­ga­tan hat feiner­weise einen überdach­ten Prome­na­den­pa­vil­lon, an dem wir sogar noch einen Tisch in der ersten Reihe am Wasser kriegen und Zimtschne­cke und Cappu­cino lassen wir uns schme­cken. Wobei wir beide in Erinne­rung haben, dass die Kaneel­bullar vor 3 Jahren aufge­wärmt serviert wurden. Aber wer will bei 31° schon warme Süßspei­sen essen…?

Außer­dem müssen wir uns an dieser Stelle entschie­den vom Fäkal­hu­mor der Schwe­den distan­zie­ren. Wir erinnern uns schon mit Grausen an das leckere Kakbuffet in Annor­lunda. Aber man kann doch seine lecke­ren Süßig­kei­ten nicht so benen­nen:

Schnell suchen wir also das Weite und erledi­gen den ersten Großein­kauf in ICA und Systembo­la­get, in welchem ich zu meinem Entzü­cken sogar das feine Sculpin IPA von Ballast Point aus San Diego entde­cke. Herrlich!

Auf dem Weg nach Norden wird der Inlands­vä­gen nun etwas stiller und schma­ler. Öfter einspu­rig als mehrspu­rig, obwohl wir uns immer noch auf der E45 befin­den. Sah auf der Karte irgend­wie größer aus. Und als wir schließ­lich auf die Landstraße abbie­gen, sieht es schon sehr so aus, wie wir es lieben: immer mal wieder ein See, mal links mal rechts, Insel­chen, Wäldchen.

20 km vor dem Ziel ereilt uns aber in Svans­kog ein übles Schick­sal. An einem Geschwind­keits­be­ru­hi­gungs­hub­bel machen wir, trotz nicht wirklich übertrie­be­ner Geschwin­dig­keit, einen kleinen Hopser und hören ein Rrrabong aus dem Schrank, was nichts Gutes bedeu­ten kann. Annette checkt und tatsäch­lich sind 2 Regal­bö­den aus der Halte­rung gesprun­gen und liegen jetzt eine Etage tiefer. Aua! Es stellt sich heraus, dass gleich mehrere Plastik­hal­te­run­gen das nicht überlebt haben und gebro­chen sind und auch die Löcher sind ausge­lei­ert. Wir versu­chen, das ganze so gut es geht wieder zu instal­lie­ren, aber wirklich zuver­sicht­lich sind wir nicht. Und als wir auf die Schot­ter­piste nach Grinsby abbie­gen hören wir erneut das üble Geräusch. Rrrabong! Da müssen wir uns wohl eine bessere Repara­tur überle­gen.

Aber der Ärger ist schnell verraucht, als wir unseren Platz auf dem Gelände gefun­den haben, alles aufge­baut haben und endlich angekom­men sind. Immer noch schön hier!

Mit dem eigent­lich geplan­ten Grillen ist es aller­dings Essig. Denn was wir hier gerade als schöns­tes Sommer­wet­ter erleben ist in Schwe­den eine ausge­spro­chene Dürre­pe­ri­ode. Es hat in den vergan­ge­nen Wochen so gut wie gar nicht gereg­net und viele Gebiete sind schon mit der höchs­ten Waldbrand­ge­fah­ren­stufe gekenn­zeich­net. Und daher gilt auch hier: Keine Lager­feuer erlaubt und nur Elektro­grills sind zugelas­sen.

Auf unserer abend­li­chen Runde auf die nahege­le­gene kleine Halbin­sel sehen wir dann auch schon die Folgen der Dürre: Auf den Steinen am Ufer sieht man, ähnlich wie am Lake Mead bei Las Vegas, deutlich die Strei­fen, die den norma­len Wasser­stand anzei­gen.

Und der trockene Sommer schlägt sich dann natür­lich auch bei den Pflan­zen nieder: Die Blaubee­ren sind klein und mickrig und auch die Birken sehen mit ihren gelben Blättern schon reich­lich herbst­lich aus. Nicht schön.

Aber trotz­dem hält uns das alles nicht davon ab, auf den See hinaus­zu­gu­cken und es hier immer noch herrlich schön zu finden.

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