Wenn Ängel reisen
16. Juli 2018

Nach dem kurzen Schreck in der Morgen­stunde, als das Navi uns anzeigt, dass es 2 Stunden bis zur Fähre seien, sind wir wach. Stellt sich aber schnell als falsch heraus. Puh!

Dafür lernen wir eine neue Errun­gen­schaft unserer Fährge­sell­schaft TT-Lines kennen: Man kann sich, genau wie beim Fliegen, 48 Stunden vorher online einchecken und dann mal eben durch die „prechecked“-Schalter an Bord flitzen. So zumindest die Theorie.

In der Praxis ist das dann aber mal so richtig scheisse. Denn wir kommen an den Autoschaltern an und ich will schon an den armen Schweinen vorbei­ziehen, die in der langen Schlange warten. Aber halt! Da steht ja über der Schlange das Wort „prechecked“. Oh. Wir reihen uns also brav ein, warten und schleichen und warten und schleichen, während sich neben uns die Neuan­kömm­linge gerne auch bei den 2 freien „normalen“ Schaltern einreihen, wo kein Mensch Schlange steht. Irgendwann wird uns das zu dumm und Annette steigt aus, um einfach mal zu fragen, ob man auch als prege­checktes Fahrzeug an den normalen Schaler fahren kann. Natürlich kann man…

Die nette Dame erklärt uns dann, dass das ganze eine formi­dable Idee der Geschäfts­führung ist, die über kurz oder lang alles auf Automaten umstellen will und damit den Job der Schal­ter­damen überflüssig machen will.

Was. Ein. Scheiss!

Da schnacke ich doch tausendmal lieber mit einem Menschen, lasse mir meine Tickets in die Hand drücken und bin am Ende noch schneller. Also, liebe Nordland­fahrer: Vergesst das Online-Einchecken (weil sinnlos) und nutzt bloß alle Schalter!

Auch das Verladen der Fahrzeuge dauert richtig lange, so dass wir eine halbe Stunde später als geplant losfahren. Macht aber nix, weil der Käptn das auf der langen Strecke locker wieder rausholen kann.

Für uns beginnt jetzt die bereits freudig erwartete Minikreuz­fahrt mit Front­kabine, Dusche und Buffet. Auf dem Sonnendeck sind schon alle Plätze belegt und Leute, die gerade gehen wollen, nehmen allen Ernstes ihre Stühle einfach mit (ist das die Steigerung von Handtü­chern auf Liegen?). Also was tun? Ein einfacher Blick auf das völlig verwaiste Deck 10 unter uns lässt mich einen Stapel mit Deckstühlen entdecken und wir setzen uns einfach dort hin und genießen die Sonne und das Auslaufen aus dem Hafen praktisch alleine.

Muss ich wirklich in dieses fiese Hundeklo machen?!

Fein! Und der Rest ist dann Luxus as usual.

In Schweden finde wir das gleiche Wetter vor was wir vor 2 Jahren zurück­ge­lassen haben. Sonnig warm, perfekte Tempe­ra­turen, freie Straßen. Das gelobte Land!
Wir steuern als erste Etappe einen Stell­platz am Strand südwestlich von Ängelholm an. Als wir in den Sibiri­en­vägen einbiegen, befallen uns bei diesem namen zwar leichte Zweifel. Aber tatsächlich finden wir hier schon einen ziemlich idealen Freisteh­platz vor: Der Strand nur wenige Gehmi­nuten entfernt, ein paar Birken, die Schatten spenden, unkom­pli­ziert. So muss das sein.

Am Strand genießen wir dann den Duft des Meeres, den warmen Sand und den Ausblick auf die Bucht vor uns, in der die Pferde an der Wasser­linie entlang galop­pieren oder, wie wir mit Kenner­blick erkennen, auch tölten.

Wir hatten schon Urlaube, die schlechter angefangen haben!

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