Wenn Ängel reisen

Nach dem kurzen Schreck in der Morgenstunde, als das Navi uns anzeigt, dass es 2 Stunden bis zur Fähre seien, sind wir wach. Stellt sich aber schnell als falsch heraus. Puh!

Dafür lernen wir eine neue Errungenschaft unserer Fährgesellschaft TT-Lines kennen: Man kann sich, genau wie beim Fliegen, 48 Stunden vorher online einchecken und dann mal eben durch die „prechecked“-Schalter an Bord flitzen. So zumindest die Theorie.

In der Praxis ist das dann aber mal so richtig scheisse. Denn wir kommen an den Autoschaltern an und ich will schon an den armen Schweinen vorbeiziehen, die in der langen Schlange warten. Aber halt! Da steht ja über der Schlange das Wort „prechecked“. Oh. Wir reihen uns also brav ein, warten und schleichen und warten und schleichen, während sich neben uns die Neuankömmlinge gerne auch bei den 2 freien „normalen“ Schaltern einreihen, wo kein Mensch Schlange steht. Irgendwann wird uns das zu dumm und Annette steigt aus, um einfach mal zu fragen, ob man auch als pregechecktes Fahrzeug an den normalen Schaler fahren kann. Natürlich kann man…

Die nette Dame erklärt uns dann, dass das ganze eine formidable Idee der Geschäftsführung ist, die über kurz oder lang alles auf Automaten umstellen will und damit den Job der Schalterdamen überflüssig machen will.

Was. Ein. Scheiss!

Da schnacke ich doch tausendmal lieber mit einem Menschen, lasse mir meine Tickets in die Hand drücken und bin am Ende noch schneller. Also, liebe Nordlandfahrer: Vergesst das Online-Einchecken (weil sinnlos) und nutzt bloß alle Schalter!

Auch das Verladen der Fahrzeuge dauert richtig lange, so dass wir eine halbe Stunde später als geplant losfahren. Macht aber nix, weil der Käptn das auf der langen Strecke locker wieder rausholen kann.

Für uns beginnt jetzt die bereits freudig erwartete Minikreuzfahrt mit Frontkabine, Dusche und Buffet. Auf dem Sonnendeck sind schon alle Plätze belegt und Leute, die gerade gehen wollen, nehmen allen Ernstes ihre Stühle einfach mit (ist das die Steigerung von Handtüchern auf Liegen?). Also was tun? Ein einfacher Blick auf das völlig verwaiste Deck 10 unter uns lässt mich einen Stapel mit Deckstühlen entdecken und wir setzen uns einfach dort hin und genießen die Sonne und das Auslaufen aus dem Hafen praktisch alleine.

Muss ich wirklich in dieses fiese Hundeklo machen?!

Fein! Und der Rest ist dann Luxus as usual.

In Schweden finde wir das gleiche Wetter vor was wir vor 2 Jahren zurückgelassen haben. Sonnig warm, perfekte Temperaturen, freie Straßen. Das gelobte Land!
Wir steuern als erste Etappe einen Stellplatz am Strand südwestlich von Ängelholm an. Als wir in den Sibirienvägen einbiegen, befallen uns bei diesem namen zwar leichte Zweifel. Aber tatsächlich finden wir hier schon einen ziemlich idealen Freistehplatz vor: Der Strand nur wenige Gehminuten entfernt, ein paar Birken, die Schatten spenden, unkompliziert. So muss das sein.

Am Strand genießen wir dann den Duft des Meeres, den warmen Sand und den Ausblick auf die Bucht vor uns, in der die Pferde an der Wasserlinie entlang galoppieren oder, wie wir mit Kennerblick erkennen, auch tölten.

Wir hatten schon Urlaube, die schlechter angefangen haben!

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